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Analyse

Weizen: Ernteprognosen drücken Weizenpreise nach unten

von , am
01.09.2014

Zum Monatswechsel gerieten die Weizenpreise erneut unter Druck.

© krick/agrar-press
Zum Monatswechsel gerieten die Weizenpreise erneut unter Druck, nachdem die Kurse zuvor als Reaktion auf die Krise in Ostukraine etwas gestiegen waren. Offenbar hatte der Markt doch größere Auswirkungen der militärischen Eskalation in der Ukraine auf die Getreideexporte der beiden Schwarzmeerländer befürchtet und diese Befürchtungen auch eingepreist. Aber sowohl die weiterhin auf Rekordniveau laufenden Exporte Russlands und der Ukraine (und die sehr großen Weizenernten beider Länder), sowie die am Freitag (28.08) ein weiteres Mal kräftig nach oben gesetzten Produktionsschätzungen des Internationalen Getreiderates (IGC) sowie der Europäischen Kommission (und auch des deutschen Landwirtschaftsministeriums) schickten die internationalen Weizenpreise wieder auf Talfahrt.
 
Größere Ernten in Russland, der EU und in China
Der IGC setzte die globale Weizenernte um weitere 11 Mio. t auf einen neuen globalen Rekordwert nach oben. Ursache sind die deutlichen Aufwärtskorrekturen für die Weizenernte in Russland, in der Europäischen Union und in China. Gleichzeitig meldet der IGC ein sehr großes Angebot an Futterweizen bzw. Weizen minderer Qualität und damit auch einen sehr starke (preisliche) Konkurrenz zum ebenfalls reichlich verfügbaren Mais. Der Verbrauch von Futterweizen nimmt jedenfalls nochmals sehr kräftig zu und liegt sehr deutlich über dem dem Verbrauch im Vorjahr. Die Bestände wachsen trotz des ebenfalls auf eine neue Rekordmarke steigenden Verbrauchs auf 195 Mio. t. bzw. rund 28 % der globalen Verbrauchsmenge. Die Preise stehen nach Einschätzung des IGC vor dem Hintergrund des großen Angebots und der sehr guten Marktversorgung weiter unter Druck und die Grundstimmung ist unverändert bärisch, trotz des Konflikts in der Ukraine und der teilweise doch massiven Qualitätsprobleme (Eiweiß) wichtiger Exportländer.
 
EU-Weizenpreise pendeln weiter seitwärts
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise Mitte der letzten Woche zunächst gestiegen (Ukrainekonflikt), haben zum Ende der Woche dann jedoch mit den Ernteprognosen des IGC, der EU-Kommission du des deutschen Landwirtschaftsministeriums wieder nachgegeben. Am Ende der letzten Woche (28.08) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris   am Freitag nur 174,25 Euro/t und damit 0,75 Ct weniger als am Vortag jedoch 0,5 Ct mehr als am Freitag vor einer Woche (173,75 Euro)und zudem 16 Euro weniger als Ende August 2013 (190,50 Euro). Der Januarkontrakt notiert am Freitag bei 177 Euro und damit ebenfalls 0,75 Euro billiger als am Vortag (Vw.: 176,50). Futterweizen wurde am Terminmarkt in London für den November mit 153,0 Euro/t (121,80 GPB) gehandelt und damit rund 0,8 Euro billiger als letzte Woche. Am heutigen Montag (01.09) wird in den USA nicht gehandelt (Feiertag). Damit fehlen die Vorgaben aus dem vorbörslichen Handel in Übersee und der Markt in Europa dürfte sich wenig verändern.
 
Deutsche Kassapreise etwas gestiegen
Am Kassamarkt hatten die Weizenpreise in der letzten Woche im Wochenverlauf zugelegt. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am letzten Freitag (28.08) mit 184 Euro/t und damit etwa 5 Euro teurer als am Freitag zuvor (179 Euro). Am heutigen Montag (01.09) könnte es angesichts der Entwicklung am letzten Freitag am Terminmarkt leichte Abschläge geben. Die Preisvorstellungen für Brotweizen mit 12 % Protein zur die Anlieferung im November lagen am Exporthafen in Hamburg am Freitag (28.08) bei 186 Euro/t und damit 4 Euro höher als letzte Woche (182 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 189 Euro/t geboten und Futterweizen wurde mit 174 Euro (Vw. 169 Euro) gehandelt. Am südwestdeutschen Großmarkt in Mannheim bewegten sich die Preisangebote franko südwestd. Mühle für Brotweizen mit 11,5 % Protein in der vorigen Woche zwischen 165 Euro und 170 Euro und ab südwestd. Station zwischen 163 Euro und 165 Euro. Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am letzten Freitag am wichtigsten Handelsplatz in Rouen unverändert zur Vorwoche 174 Euro/t.
 
US-Weizen behaupten sich im Wochenverlauf
In den USA hatten die Weizenpreise Mitte der  letzten Woche am Terminmarkt in Chicago zunächst um knapp 3,0 % zugelegt. Am letzten Freitag im August gaben die Kurse mit den Erntemeldungen des IGC jedoch erneut um 1,1 % nach. Derzeit kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW)  rund 18 % bzw. umgerechnet etwa 33 Euro weniger als Ende August 2013 (187 Euro/t). Am heutigen Montag (01.09) wird in den USA nicht gehandelt (Feiertag). Der Septembertermin des Chicago-Weizen (SRW) beendete den Handel am Freitag (28.08)  bei 154 Euro/t (552 Ct/bu) und damit genau so teurer wie vor einer Woche. Der Dezemberkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 157,60 Euro/t (562,4 Ct/bu ) und damit ebenfalls so viel wie eine Woche zuvor. Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (September) gingen am Freitag (28.08) am Terminmarkt mit 175,2 Euro/t (626 Ct/bu) aus dem Handel (- 2 Euro zur Vorwoche) und der Sommerweizen (HRS) kostete am US-Terminmarkt 172 Euro/t (615Ct/bu). An den US-Exporthäfen (fob-Golf) kostete der Weizen der Sorte Soft Red Winter am letzten Freitag (28.08) für die Verladung im September 250 USD/t (191 Euro/t) und für den Oktober 260 USD/t (198 Euro). Brotweizen der Sorte Hard Red Winter wurde am Freitag an den Exporthäfen für den September für 281,5 USD/t (214 Euro) angeboten und für den Oktober für 298,6 USD/t (227 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass.
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