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Analyse

Weizen: EU-Weizenpreise auf 11Monatstief, US-Weizen auf 4Jahrestief

von , am
08.07.2014

Offenbar geraten die Preise derzeit von verschiedenen Seiten unter Druck.

© landpixel
 
Zum Beginn der Woche gaben die Preise für Weizen, Mais und Raps weiter nach. Dabei hatten die meisten Analysten nach den Verlusten der letzten Wochen eigentlich mit einer Konsolidierung der Getreidepreise auf dem deutlich ermäßigten Niveau gerechnet. Aber offenbar geraten die Preise von verschiedenen Seiten unter Druck. Zum einen führen die sehr guten Ernteprognosen in Europa (Weizen, Raps) und in den USA (Mais, Soja und Sommerweizen) zu einer Anpassung der Preise an die veränderten (erwarteten) Versorgungsbilanzen. Zum anderen dürften die letzten USDA-Daten zur Anbauentwicklung und zu den Lagerbeständen (in den USA) bei dem für Freitag erwarteten USDA-Report ebenfalls zu Anpassungen und Korrekturen führen. Hinzu kommt der Druck aus der laufenden Winterweizenernte in den USA.
 
US-Weizenpreise unter Erntedruck
In den USA sind die Weizenpreise am Montag am Terminmarkt in Chicago um fast 4 % gefallen. Eine Ursache war sicherlich der Druck aus der laufenden US-Ernte von Winterweizen. Eine weitere Ursache für den Preisrückgang sind die erwarteten Veränderungen/Anpassungen an den globalen Versorgungsbilanzen im kommenden USDA-Report am Freitag sowie die veränderte Wettbewerbssituation an den Exportmärkten. Bis zum 6, Juli war die Winterweizenernte in den USA zu 57 % eingebracht. Bezogen auf die erwartete Gesamternte von Winterweizen (37,6 Mio. t) entspricht dies etwa einer Erntemenge von etwa 21,4 Mio. t, die damit derzeit auf den Markt drängt. In Kansas, dem wichtigsten Anbaustaat von Winterweizen, lag der Erntefortschritt sogar bei 70 %, im Vergleich zu 40 % in der Vorwoche.
 
US-Weizen fällt auf 4Jahrestief
Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Montag (07.07) mit 150,4 Euro/t (555,6 Ct/bu) und damit mit einem sehr kräftigen Abschlag von knapp 4 %. Der Dezemberkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Montag (07.07) umgerechnet 156,9 Euro/t (580,4 Ct/Bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago gut 6 Euro weniger als am letzten Handelstag der Vorwoche und der Preisabstand zwischen beiden Terminen (September/Dezember) beträgt derzeit knapp 7 Euro. Außerdem sind die US-Weizenpreise damit seit dem 06. Mai um gut 25 % oder umgerechnet 51 Euro/t gefallen. Gleichzeitig befinden sich die US-Weizenpreise jetzt auf dem tiefste Stand seit 4 Jahren (Juli 2010). Im elektronischen vorbörslichen Handel lagen die Preise am Dienstag Vormittag in Chicago leicht (0,5 %) im Plus.
 
EU-Weizenpreise auf Ernteniveau 2013
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise am Montag mit den US-Preisen auf den tiefsten Stand seit August 2013 gefallen. Damit haben die Kurse jetzt das Niveau der Ernte 2013 erreicht. Der letzte Tiefpunkt der Preise lag am Terminmarkt in Paris am lam 14. August 2013 bei etwa 182,00 Euro/t. Am Montag (07.07) gingen die Weizenpreise am Terminmarkt in Paris mit einem Abschlag von 1 % bzw. 2 Euro bei 182,50 Euro/t nur knapp oberhlb dieser Marke aus dem Handel. Am heutigen Dienstag Vormittag liegen die Kurse zunächst ganz leicht mit den US-Preisen im Plus. Seit der letzten Preisspitze Mitte April haben die europäischen Weizenpreise rund 18 % oder 39 Euro/t verloren und seit Juni betrug der Preisrückgang an der MATIF etwa 10 Euro/t.
 
Weizenpreise am Kassamarkt unter Druck
Am deutschen Kassamarkt haben sich die Weizenpreise für die neue Ernte am Montag  knapp behauptet oder auch leicht nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen für den Septembertermin am Montag (07.07) mit 189 Euro/t und damit eben so teuer wie am Freitag. Die Preisvorstellungen für den November lagen mit 191 Euro/t jedoch 1 Euro/t niedriger. Futterweizen zur Lieferung im September kostete in Hamburg am Montag ebenfalls  unverändert 187 Euro/t. Am Großmarkt in Mannheim notierte man den Brotweizen der neuen Ernte am Montag (07. Juli) mit 172 Euro bis 174 Euro/t (Vw.: 173 bis 175 Euro) und damit etwas schwächer als letzte Woche und franko südwestdeutsche Mühle (Sept.) lagen die Preise mit 176 bis 179 Euro (Vw.:180 Euro bis 182 Euro) sogar deutlich niedriger.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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