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Analyse

Weizen: Frankreichs Weizenexporte brechen qualitätsbedingt ein

von , am
12.09.2014

Frankreich Weizenexporte in Drittländer werden in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen obwohl die Weizenernte größer ist.

© Mühlhausen/landpixel
Frankreichs Weizenexporte in Drittländer werden in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen, obwohl die Weizenernte größer ist. Grund ist die sehr schwache Qualität der französischen Weizenernte, die die Ausfuhrmöglichkeiten und die Zahl der Abnehmerländer stark begrenzen. Große Teile der französischen Weizenernte erfüllen offenbar die Mindestanforderungen der großen Importeure nicht, so dass die Franzosen Probleme haben werden Weizen in den gewünschten Qualitäten nach Algerien oder nach Ägypten zu liefern. Zu diesen Ergebnissen kommt die französische Getreideagentur FranceAgrimer in einer aktuellen Marktübersicht.
 
Einbruch bei den Drittlandesporten um 35 %
France Agrimer veranschlagt die möglichen Gesamtexporte (EU und Drittländer) auf 16,22 Mio. t nach 19,16 Mio. t im letzten Jahr. Das wäre ein Rückgang um 15,4 % bzw. 2,95 Mio. t. Die französische Ausfuhr in Drittländer soll qualitätsbedingt von 12,2 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf nur noch 8,0 Mio. t einbrechen. Das wäre ein Rückgang um 34,5 % oder 4,2 Mio. t und die kleinste Exportmenge in Drittländer seit 7 Jahren. Dagegen könnten die Ausfuhren in andere EU-Länder von 6,83 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf 8,1 Mio. t zunehmen. Frankreich ist üblicherweise der größte Weizenexporteur der EU und war im letzten Wirtschaftsjahr, nach den USA und Kanada und noch vor Russland und Australien, die Nummer drei unter den größten globalen Weizen-Exporteuren.
 
Anforderungen der Importeure werden nicht erreicht
France Agrimer gibt den durchschnittlichen Eiweißgehalt der franzöischen Ernte mit 11,1 % an nach 11,2 % im letzten Jahr. Das ist der niedrigste Protein-Wert seit 2001 als der Durchschnitt bei 10,9 % lag. Ägypten fordert für seine Weizenimporte mindestens 11,5 % Protein und eine Mindestfallzahl von 200. Algerien als einer der wichtigsten Abnehmer von französischem Weizen, fordert bei seinen Importen einen Mindest-Proteingehalt von 11 %. Ein großer Teil der neuen Ernte erfüllt jedoch die Anforderungen der Importeure nicht, berichte France Agrimer. So erreichen 46 % der Weizenernte nur die Qualität von Futterweizen oder sind für die Ethanolproduktion geeignet. Im letzten Jahr kam lediglich 12 % der französischen Ernte in diese schlechteste Kategorie.
 
Knapp die Hälfte der Ernte ist Brotweizen
Gerade einmal 46 % der französischen Ernte erreicht eine Fallzahl (Hagenberg) von mehr als 220 (Backqualität). Im letzten Jahr erreichte über 90 % der französischen Weizenernte eine Fallzahl vonmehr als  220. Das durchschnittliche spezifische Gewicht der neuen Weizenernte wurde von FranceAgrimer mit 76,3 kg angegeben nach 77,6 kg im letzten Jahr. Algerien fordert für seine Weizenimporte Fallzahlen zwischen 240 und 230 sowie ein spezifisches Gewicht zwischen 78 kg und 77 kg berichtet FranceAgrimer.
 
Mehr Export in die EU, Endebstände wachsen
Der Export in andere EU-Länder wird nach Einschätzung von FranceAgrimer  von 6,83 Mio. t auf 8,1 Mio. t steigen. Dieser Weizen ist vor allem Futterweizen oder geht ins Vereinigte Königreich in die dortigen Ethanolfrabiken. Der  franzöische Verbrauch von Futterweizen steigt nach der aktuellen Bilanz auf 5,1 Mio. t von  4,4 Mio. t  im Vorjahr und damit auf den höchsten Wert seit 2009. Die Endbestände wachsen von 2,3 Mio. t auf 3,9 Mio. t und damit um zwei Drittel. Die aktuelle Gesamternte von Weichweizen hat FranceAgrimer mit 37,37 Mio. t angegeben nach 36,8 Mio. t im letzten Jahr. Der Durchschnittsertrag lag bei 74,6 t/ha nach 74 t/ha im Vorjahr. Der aktuelle Weizenpreis am wichtigsten französischen Umschlagplatz in Rouen lag am Donnerstag für Weizen mit 11 % Protein, einer Fallzahl von 220 und einem Hektolitergewicht von 76 kg, nur noch bei 164 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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