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Analyse

Weizen: Hohe Prämien für Qualitätsweizen im Export

von , am
29.09.2014

Der Wettbewerb an den Exportmärkten wird in diesem Jahr über die Preise aber auch über die verfügbaren Qualitäten ausgetragen.

© landpixel
Weltweit und auch in Europa erreicht die Weizenernte in diesem Jahr neue Rekordmarken. In Verbindung mit der ebenfalls sehr großen Maisernte hat diese Entwicklung zu einem scharfen Rückgang der Weizenpreise am Weltmarkt auf das Niveau von 2010 geführt. Der Wettbewerb an den Exportmärkten wird in diesem Jahr über die Preise aber auch über die verfügbaren Qualitäten ausgetragen. Bei den meisten großen Weizenexporteuren haben die diesjährigen Witterungsbedingungen zu sehr großen Ernten, aber auch zu sehr schwachen Qualitäten geführt. Die trifft sowohl für die Europäische Union als auch auch für Russland und Ukraine sowie für die USA und Kanada zu. Die Folge sind zum Teil hohe Prämien für Qualitätsweizen und vor allem für Durum. In Deutschland ist allerdings vor allem der Abstand zwischen Qualitäts- und Futterweizen deutlich größer geworden, während die Differenz zwischen E-Weizen, A-Weizen und Brotweizen sogar kleiner ist wie im letzten Jahr. Dies zeigt die aktuelle Preisentwicklung an den deutschen Exporthäfen. In Nordamerika hat sich die Differenz zwischen proteinreichem Weizen und normalen Brotweizen hingegen deutlich vergrößert. Hartweizen (Durum) war an den nordamerikanischen Exporthäfen im September sogar teurer als im letzten Jahr.
 
In Europa großer Preisabstand zum Futterweizen
Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man Brotweizen mit 12 % Protein kurz von dem Monatsende (26.09) für den Septembertermin mit 161 Euro und damit 23 Euro billiger als vor vier Wochen (184 Euro/t). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 166 Euro geboten und damit ebenfalls 23 Euro weniger als vor vier Wochen (189 Euro/t ). Futterweizen wurde mit 154 Euro notiert und damit 20 Euro unter dem Preis von Ende August (174 Euro). Die Preise für E-Weizen mit 14 % Protein lagen in Hamburg bei etwa 176 Euro und damit ebenfalls 23 Euro niedriger als Ende August. Damit war der deutsche E-Weizen Ende September 10 Euro teurer als der A-Weizen, 15 Euro teurer als der Brotweizen und 22 Euro teurer als der Futterweizen. Ende September 2013  (vor einem Jahr) wurde E-Weizen in Hamburg mit 215 Euro notiert, A-Weizen mit 195 Euro und Brotweizen mit 190 Euro. Futterweizen kostete zu diesem Termin 188 Euro und damit ähnlich viel wie Brotweizen, Gleichzeitig kostete der E-Weizen vor einem Jahr etwa 20 Euro mehr als A-Weizen 25 Euro mehr als Brotweizen und 27 Euro mehr als Futterweizen. Deutlich wird damit, dass sich vor allem der Preisabstand zwischen Futterweizen und Brotweizen erheblich vergrößert hat, während die Differenz zwischen den verschiedenen Qualitätsweizenarten 2013 sogar größer war.
 
Kanadischer Qualitätsweizen mit hohen Prämien
An den kanadischen Exporthäfen der Westküste kostete der proteinreiche Weizen (fob) mit 13,5 % Protein (CWRS) Ende September rund 285 CAD$/t (200 Euro) und Weizen mit 11 % Protein (CPSR) wurde für 255 CAD$ (179 Euro) verladen. Ende August lagen die fob-Preise für den 13,5 % Weizen bei 305 CAD$ (214 Euro) und für den 11 % Weizen bei 281 CAD$ (197 Euro). Damit sind die Exportpreise für den proteinreichen Weizen um 14 Euro und für den 11-%-Weizen um 18 Euro gefallen. Die Prämie für den proteinreichen Weizen gegenüber dem normalen Brotweizen liegt an den Exporthäfen derzeit bei 31 CAD (22 Euro) und ist damit mehr als doppelt so hoch wie letzten Jahr (2013) zu diesem Termin mit 14 CAD (10 Euro). Die Preise für Hartweizen (CWAD) mit 13 % Protein haben sich im Export an der kanadischen Westküste in den letzten vier Wochen sogar gegen den Trend behauptet und lagen Ende September bei 429 CAD (304 Euro/t) im Vergleich zu 432 CAD (306 Euro/t) vor vier Wochen. Im September vor einem Jahr (2013) kostete Durum an der kanadischen Westküste sogar nur 331 CAD( 235 Euro) und damit 23 % weniger.
 
Hohe Qualitätsaufschläge in den USA
In den USA kostete der in Chicago gehandelte Weizen der Sorte Soft Red Winter (SRW) mit einem durchschnittlichen Proteingehalt von meist 10 % bis 11 % am Donnerstag (25.09) am Terminmarkt etwa 137 Euro/t (474 Ct/bu). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (12,5 % bis 13,0 % Protein) wurde am Terminmarkt mit 163 Euro/t (564,2 Ct/bu) notiert und damit rund 26 Euro bzw. 33 USD teurer als der SRW. Demgegenüber kostete der proteinreiche Sommerweizen (HRS) mit 13,5 % bis 14 % Protein am US-Terminmarkt „nur“ 155 Euro/t (5362 Ct/bu) und damit weniger als der HRW. An den US-Exporthäfen (fob-Golf) wurde der Weizen der Sorte Soft Red Winter am Donnerstag (25.09) für die Verladung im Oktober mit 233 USD/t (183 Euro/t) notiert und für den November mit 240 USD/t (189 Euro). Brotweizen der Sorte Hard Red Winter wurde am Donnerstag an den Exporthäfen für den Oktober für 286 USD/t (225 Euro) angeboten und für den November für 284 USD/t (223 Euro). Der Preisabstand zwischen dem proteinärmeren Weizen (SRW) und dem proteinreichen Weizen (HRW) lag an den Exporthäfen damit bei 53 USD/t oder 42 Euro und war damit deutlich höher als in Deutschland und auch als in Kanada.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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