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Analyse

Weizen: Markt und Preise auf Richtungssuche

von , am
10.06.2014

Am heutigen Dienstag beginnt der vorbörsliche elektronische Handel in den USA mit roten Vorzeichen bzw. die Preise bewegen sich seitwärts.

© landpixel
Die Weizenpreise standen zum Beginn der zweiten Juniwoche zunächst unter Druck. Am heutigen Dienstag beginnt der vorbörsliche elektronische Handel in den USA mit roten Vorzeichen bzw. die Preise bewegen sich seitwärts. In Europa startet der Markt hingegen im Plus. Am Freitag vor Pfingsten hatte es an den Terminmärkten eine deutliche Preiserholung gegeben und damit auch die Aussicht auf ein Ende des Preisverfalls. Die Ursachen für die Preisschwäche am Montag (09.06) waren die weiter kräftig nach oben korrigierten Ernteprognosen für die EU sowie der Erntebeginn in den südlichen Anbaugebieten von Winterweizen in den USA (Texas, Oklahoma) und der damit entstandene Preisdruck am Kassamarkt. Gleichzeitig ging auch von den nachgebenden Maispreisen (Probleme beim Export nach China) Druck auf den Weizenpreise aus.
 
USDA-Report bringt mehr Klarheit
Neue Daten zur Situation und den Bilanzen am Weizenmarkt wird es morgen Abend mit dem neuen USDA-Juni-Report geben. Dabei erwarten Analysten im Vorfeld des USDA-Reports keine weitere Korrektur der bereits laufenden US-Ernte durch das USDA nach unten. In einer Konsensschätzung gehen Analysten derzeit von einer US-Weizenproduktion von 53,45 Mio. t (1964 Mio. Bu) aus. Das USDA hatte die Gesamternte im Mai  ebenfalls auf 53,43 Mio. t geschätzt. Die neue Ernte von Winterweizen war  in den USA zum 8. Juni  bereits zu etwa 9 % eingebracht. In in Texas hatten die Farmer schon 30 % des Weizens geerntet und in Oklahoma 26 %. In Kansas und Colorado hat die Ernte noch nicht begonnen. Die Aussaat von Sommerweizen war in den USA am 8ten Juni zu 95 % abgeschlossen. Rund 71 % des Sommerweizen befand sich am 8ten Juni in guter oder sehr guter Verfassung und damit deutlich mehr als im Vorjahr (62 %). Die Schätzungen der Analysten zu den Endbeständen in den USA liegen (wegen der schwächeren Exporte) sowohl für dieses Jahr als auch für die nächste Saison über den bisherigen USDA-Prognosen und wirken damit bärisch auf die Preise.
 
US-Weizen startet schwach in die Woche
Am heutigen Dienstag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in den USA ganz leicht im Minus bzw. bewegen sich seitwärts. Am Montag (09.06.) hatten die Preise am US-Terminmarkt um knapp 1 % nachgegeben, nachdem sich die Kurse am Freitag vor Pfingsten noch kräftig um 2 % erholt hatten. Der Julikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Montag (09.06) mit umgerechnet 165,47 (612,4  Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezember) kostete 175,12  Euro/t (648,2 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die alte 4 Euro und die neue Ernte rund 3 Euro weniger als vor einer Woche und der Preisabstand zwischen beiden Terminen beträgt fast 10 Euro. Seit dem 6. Mai haben die US-Weizenpreise rund 17 % oder umgerechnet 35 Euro/t verloren.
 
EU-Weizen behauptet sich bisher über 190-Euro-Marke
In der Europäischen Union haben sich die Weizenpreise auch zum Beginn der aktuellen Woche knapp über der 190-Euro-Marke behauptet. Über die weitere Entwicklung werden der Preistrend in den USA und vor allem der morgige USDA-Report entscheiden. Am Freitag vor Pfingsten gab es zunächst eine deutliche Preiserholung die am Montag (09.06) jedoch wieder nach unten korrigiert wurde. Am Montag (09.06.) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF nur noch 190,75 Euro/t und damit knapp 1 Euro weniger als vor einer Woche. Am Kassamarkt haben die Weizenpreise sich letzte Woche behauptet. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (06.06) mit 193 Euro/t und damit eben so teuer wie eine Woche zuvor. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg mit 195 Euro/t notiert. Futterweizen wurde in Hamburg mit 191 Euro/t gehandelt.
 
Exporte: Deutschland wieder vor Frankreich
In der Abrechnungswoche bis zum 03. Juni verkauften die Europäer 285.000 t Weizen (Lizenzen) in Drittländer. In der Woche zuvor wurden 530.000 t verkauft und vor drei Wochen waren es 249.000 t. Deutschland verkaufte in der letzten Abrechnungswoche 145.000 Weizen in Drittländer und Frankreich 90.000 t. Deutschland ist damit ganz knapp vor Frankreich der größte Weizenexporteuer der EU. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich jetzt auf Drittlandsverkäufe von 8,635 Mio. t und Deutschland auf 8,656 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer bis zum 03. Juni einen Umfang von 26,73 Mio. t. Das sind 8,57 Mio. t oder 47 % mehr als im letzten Jahr (17,86 Mio. t) und zudem ein neuer Ausfuhrrekord der Europäer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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