Login
Analyse

Weizen: Niedrige Weizenpreise und schwacher Euro bringen Ausfuhrrekord

von , am
23.09.2014

Bis Mitte September haben die Europäer mehr Weizen ins Ausland verkauft als im letzten Jahr.

© Mühlhausen/landpixel
Bis Mitte September haben die Europäer mehr Weizen ins Ausland verkauft als im letzten Jahr. Dabei befanden sich die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) bereits im vorigen Wirtschaftsjahr auf Rekordniveau. Die Ursachen für die überraschend hohen und in diesem Umfang nicht erwarteten Weizenausfuhren sind neben der sehr großen Weizenernte (Rekordernte) und den kräftig gefallenen Preisen in der EU, auch die Schwäche des Euros und die davon ausgehenden Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Anbietern an den Exportmärkten. Allerdings verzeichnen auch die beiden Schwarzmeerländer bislang rekordhohe Weizenausfuhren. In den ersten zwölf Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres 2014/15 wurden nach den Daten der EU-Kommission etwa 5,8 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) ins Ausland verkauft. Das ist (bisher) eine größere Exportmenge als im Rekordjahr 2013/14. Damals wurden bis zu diesem Termin 5,73 Mio. t Weizen exportiert und im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2012/13 (2,97 Mio. t) sind die Exporte derzeit fast doppelt so hoch.
 
Deutschland auch diese Woche an der Spitze
In der aktuellen Abrechnungswoche bis 16. September erreichte die in Drittländer verkaufte Weizenmenge (Lizenzen) einen Umfang von 505.000 t, nach 661.000 t in der Vorwoche und 852.000 t in der Woche davor. In der vergleichbaren Vorjahreswoche (2013/14) lag die Ausfuhrmenge bei 546.000 t und war damit geringfügig größer. Vor zwei Jahren (2012/13) verkauften die Europäer in dieser Woche 390.000 t Weizen ins Ausland. Größter Einzelexporteur in der Woche bis zum 16. September war (erneut) Deutschland, mit einer Ausfuhrmenge von 130.000 t (Vw: 322.000 t). Die zweitgrößte Ausfuhrmenge kam mit 107.000 t aus Litauen (Vw: 33.000 t). Auf Position drei der größten Exporteure lag in der letzten Woche Rumänien mit 72.000 t (Vw.: 27.000 t) Weizen. Aus Frankreich wurden ebenfalls 72.000 t (Vw. 115.000 t) Weizen verkauft, aus Polen 61.000 t (Vw: 0 t), aus Schweden 27.000 t (Vw: 30.000 t). Über die niederländischen Exporthäfen wurden 32.000 t (Vw: 94.000) Weizen vermarket.
 
Deutschland hat schon 1,5 Mio. t Weizen exportiert
Größter Einzelexporteur in den ersten zwölf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres ist mit knappem Vorsprung weiterhin Frankreich, mit einer Ausfuhrmenge von insgesamt 1,67 Mio. t. Die zweitgrößte Liefermenge kommt bislang mit 1,54 Mio. t Weizen aus Deutschland. Auf Position drei der größten Exporteure liegt in den ersten zwölf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres Rumänien mit 1,03 Mio. t Weizen. Über die niederländischen Exporthäfen wurden 0,46 t Weizen vermarket und aus Bulgarien gingen bisher 0,26 Mio. t Weizen auf den internationalen Markt. Litauen exportierte bislang 0,29 Mio. t, Polen 0,24 Mio. t. Kleinere Mengen Weizen wurden zudem aus Schweden, Lettland, Ungarn, Österreich und Dänemark exportiert.
 
Weizenpreise weiter kräftig gefallen
In der Europäischen Union standen die Weizenpreise auch zum Beginn der vierten Septemberwoche unter Druck. Am Montag (22.09) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris noch knapp 151,25 Euro/t und damit rund 10 Euro/t weniger als vor einer Woche (161,5 Euro). Gleichzeitig sind die Preise jetzt 38 Euro niedriger als im September 2013 (189 Euro). Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am Montag (22.09) mit 163 Euro/t und damit 7 Euro niedriger als vor einer Woche (170 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen (12 % Protein) zur die Anlieferung im November lagen am Montag bei 165 Euro/t (Vw. 175 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein (September) wurden in Hamburg 168 Euro (Vw: 175 Euro/t) geboten und Futterweizen wurde nur noch mit 152 Euro/t (Vw.164 Euro) notiert. Im Großhandel in Frankreich kostete der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 158 Euro/t (Vw: 160 Euro/t).
 
Auch Frankreich und Deutschland importieren Weizen
Importiert wurden in den ersten zwölf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres rund 1,18 Mio. t Weizen und damit etwa  viermal so viel wie im vorigen Wirtschaftsjahr (304.000 t). Außerdem ist die Importmenge etwas größer als vor zwei Jahren. Damals waren in den ersten zwölf Wochen 1,03 t Weizen aus Drittländern auf den europäischen Markt geflossen. Bislang gingen 474.000 t Weizen nach Spanien, 232.225 t nach Italien, 141.721 t nach Deutschland, 93.964 t nach Griechenland, 78.432 t ins Vereinigte Königreich, 62.898 t nach Frankreich sowie 52.442 t in die Niederlande.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant