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Analyse

Weizen: Preise auf 4Jahrestief, Qualitätsprobleme in Europa

von , am
04.08.2014

In der letzten Juliwoche sind die Weizenpreise in Europa auf den tiefsten Stand seit 4 Jahren gefallen

© landpixel
 
In der letzten Juliwoche sind die Weizenpreise in Europa auf den tiefsten Stand seit 4 Jahren (Juli 2010) gefallen. Zeitweise rutschten die Kurse am Terminmarkt in Paris sogar unter die Marke von 168 Euro/t. Auch am Kassamarkt blieb der Preisdruck ungeachtet der witterungsbedingt deutlich verzögerten Ernte bestehen. Zum Ende der letzten Woche konnten sich die Weizenpreise dann jedoch wieder erholen und beendenden den Handel am Freitag bei knapp 172 Euro und auch am Montag Vormittag (04.08) legen die Kurse zunächst einmal zu.
 
Qualitätsprobleme bei EU-Weizen, Russland mit großer Ernte
Ursache für die jüngste Preiserholung waren die Befürchtungen von Händlern und Analysten hinsichtlich der Qualität der laufenden europäischen Weizenernte. Im Mittelpunkt dieser Befürchtungen standen zunächst die Weizenqualitäten der neuen Ernte in Frankreich und Rumänien. Immer mehr Beobachter rechnen jedoch auch mit witterungsbedingten Qualitätseinbußen in Deutschland. Sollten sich diese Befürchtungen bestätigen, dürfte sich auch das Exportpotential der Europäer reduzieren und zudem könnte der Druck auf die Futtergetreidepreise zunehmen. Gleichzeitig dürften Russland und die Ukraine an den Exportmärkten Marktanteile gewinnen, denn die Winterweizenernten in beiden Schwarzmeerländer (insbesondere ein Russland) fallen deutlich größer aus als zunächst erwartet und auch die Qualität stimmt.
 
EU-Weizenpreise auf Vierjahrestief
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise mittlerweile deutlich unter das Preisniveau der Ernte 2013 gefallen und liegen auf dem tiefsten Stand 4 Jahren (Juli 2010). Im letzten Jahr  (2013) erreichten die Weizenpreise am Terminmarkt in Paris ihren Tiefpunkt  etwa Mitte August bei rund 183,00 Euro/t. Am Ende der letzten Woche (01.08) kostete der Weizen in Paris trotz einer moderarten Preis-Erholung nur noch 171,75 Euro/t und damit rund 7 Euro weniger wie eine Woche zuvor und gut 10 Euro weniger als zur Ernte 2013. Am heutigen Montag Vormittag (MEZ) beginnen die Weizenpreise den Handel an der MATIF mit erneut mit einem leichten Plus. Grund für die leichte Erholung sind neben den befürchteten witterungsbedingten Qualitätseinbußen beim europäischen Weizen die Kursgewinne im vorbörslichen Handel in den USA.
 
Kassamarkt ebenfalls schwächer
Am Kassamarkt haben die Weizenpreise für die neue Ernte letzte Woche ebenfalls nachgegeben, wenn auch nicht so kräftig wie am Terminmarkt. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen für den Septembertermin am letzten Freitag (01.08) mit 180 Euro/t und damit rund 3 bis 4 Euro billiger wie letzte Woche. Seit Anfang Juli haben die Kassapreise in Hamburg damit fast 10 Euro verloren. Die Preisvorstellungen für den November lagen in Hamburg bei 182 Euro/t. Futterweizen wurde in Hamburg mit 178 Euro/t notiert.
 
US-Weizenpreise erholen sich
In den USA haben sich die Weizenpreise in der letzten Woche kräftig um mehr als 4 % erholt. Trotz dieser Erholung kostet auch der US-Weizen so wenig wie zuletzt vor 4 Jahren im Juli 2010. In die neue Woche startet der US-Weizen am Montag (04.08) im vorbörslichen elektronischen Handel erneut mit einem Plus von 1,7 %. Eine Ursache für den jüngsten Preisanstieg ist der deutlich über den Erwartungen liegende Export der letzten Woche mit anhaltend starken Verkäufen Richtung Brasilien. Der Septembertermin beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag mit umgerechnet 146,26 Euro/t (534,2 Ct/bu). An den US-Exporthäfen (fob-Golf) kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) am Freitag (01.08) für die Verladung im August 244 USD/t (182 Euro/t) und für den Oktober 257 USD/t (192 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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