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Analyse

Weizen: Preise bewegen sich seitwärts, Ernteprognosen schon eingepreist?

von , am
23.06.2014

Am Weizenmarkt kämpfen Bullen und Bären derzeit um die Vorherherrschaft. Dabei waren die Preise in Europa Ende in der letzten Woche relativ stabil obwohl hierzulande ein Analystenhaus nach dem anderen die Ernteprognose für Weizen nach oben schraubte.

© landpixel
 
Am Weizenmarkt kämpfen Bullen und Bären derzeit um die Vorherherrschaft. Dabei waren die Preise in Europa Ende in der letzten Woche relativ stabil obwohl hierzulande ein Analystenhaus nach dem anderen die Ernteprognose für Weizen nach oben schraubte und die erwartete sehr große Erntemenge das Potential für eine Preiserholung deutlich beschränkt. Ende letzter Woche korrigierten die Analysten Strategie Grains und COCERAL ihre Prognosen ebenfalls weiter nach oben. Gestützt werden die Preise indessen sowohl von den noch laufenden Exporten aus der alten Ernte als auch aus den Vorverkäufen für die neue Saison. Obwohl die Europäer im neuen Wirtschaftsjahr mit der Ausfuhrmenge etwas nach unten gehen,wird  im nächsten Jahr dennoch die zweitgrößte Exportmenge der EU bei Weizen überhaupt erwartet.
 
Regen bringt Qualitätseinbußen für US-Ernte
In den USA wurde (anders als in Europa) wurde die bereits angelaufene Ernte wegen trockenheitsbedingter Ertragsausfälle in den letzten Wochen mehrfach nach unten korrigiert. Hinzu kommen jetzt sehr ergiebige Regenfälle in den südlichen Plains, die weitere Ertragsdepressionen sowie Krankheitsdruck und Qualitätseinbußen bringen. Gleichzeitig drückt die angelaufene Ernte auf den Markt und hält die Preise erst einmal unten. Trotz des scharfen Preisrückgangs ist der US-Weizen am Weltmarkt im Vergleich weiterhin relativ teuer. Das haben unter anderem die letzten Exportausschreibungen Ägyptens und auch anderer großer Importeure gezeigt, wo die USA an die Schwarzmeerländer und an die Europäer Marktanteile verlorenen haben.
 
Exportmärkte entscheiden über Preisentwicklung
Sowohl in Russland als auch in der Ukraine und in Rumänien beginnt die Ernte dieses Jahr früher und der Weizen dürfte über die dortigen Schwarzmeerhäfen relativ schnell seinen Weg auf den Weltmarkt finden und wird das neue Preisniveau entscheidend mitbestimmen. Die Nachfrage nach der neuen Ernte ist jedenfalls groß, wie dieser Tage Exportauktionen und Einkäufe Ägyptens, Saudi-Arabiens, Pakistans und Jordaniens zeigen. Aus den USA wurde zudemletzte Woche neuer Weizen nach Brasilen und auch nach Asien verkauft. Seit dem 1. Juni hat in den USA (bei Weizen) das neue Wirtschaftsjahr begonnen. Neue Impulse und Eckdaten für die internationalen Märkte bringen diese Woche zudem aktuelle Anbau- und Produktionsschätzungen für Kanada (StatCanada). Auch dort hatte zuletzt anhaltender Regen in den Prärieprovinzen die Aussaat des dominierenden Sommerweizens verzögert und das Produktionspotential möglicherweise reduziert.
 
US-Weizen startet etwas fester
Am heutigen Montag Vormittag (MEZ) beginnen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in den USA die Woche im grünen Bereich. Am Freitag (20.06.) hatten die Preise am US-Terminmarkt jedoch deutlich um knapp 1,5 % nachgegeben, während des in den Tagen zuvor moderat nach oben ging. Im gesamten Wochenverlauf haben sich die Kurse in Chicago damit knapp behauptet. Der Julikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag (20.06) mit umgerechnet 158 Euro/t (585,2 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezembertermin) kostete 166,5 Euro/t (615,6 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die alte und für die neue Ernte 0,5 Euro weniger als vor einer Woche und der Preisabstand zwischen beiden Terminen beträgt 8,50 Euro. Seit dem 6. Mai haben die US-Weizenpreise rund 21 % oder umgerechnet 44 Euro/t verloren.
 
EU-Weizen bewegt sich seitwärts
In der Europäischen Union haben sich die Weizenpreise in der letzten Woche mit relativ geringen Schwankungen um die Marke von 188 Euro/t bewegt. Im Vergleich zur Vorwoche sind die Preise sogar um 0,5 % oder knapp 1,0 Euro gestiegen. Dennoch ist dies der niedrigste Weizenpreis seit der Ente 2013. Am letzten Freitag (20.06.) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF allerdings 188,25 Euro/t und damit knapp 1 Euro mehr als vor einer Woche. Am heutigen Montag Vormittag (MEZ) beginnen die Weizenpreise an der MATIF (unterstützt von der Entwicklung in den USA) die Woche mit einem leichten Plus. Am Kassamarkt haben sich die Weizenpreise für die alten Ernte behauptet oder sich für die neuen Ernte leicht erholt. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen für den Junitermin am Freitag (20.06) mit 193 Euro/t und damit eben so teuer wie eine Woche zuvor. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg hingegen mit 193 Euro/t notiert und damit 3 Euro über dem Preis der letzten Woche. Damit kostet die neue Ernte eben so viel wie die alte Ernte.
 
Deutschland mit Rekordexporten
In der Abrechnungswoche bis zum 18. Juni verkauften die Europäer 348.000 t Weizen (Lizenzen) in Drittländer. In der Woche zuvor wurden 464.000 t verkauft und vor drei Wochen waren es 285.000 t. Deutschland verkaufte in der letzten Woche 97.000 Weizen in Drittländer und Frankreich 177.000 t. Deutschland ist damit ganz knapp hinter Frankreich der zweitgrößte Weizenexporteuer der EU. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich jetzt auf Drittlandsverkäufe 9,04 Mio. t und Deutschland auf den neuen Rekordwert von 8,89 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weichweizen in Drittländer bis zum 18. Juni einen Umfang von 27,54 Mio. t. Das sind 8,98 Mio. t oder 48 % mehr als im letzten Jahr (18,56 Mio. t) und zudem ein neuer Ausfuhrrekord der Europäer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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