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Analyse

Weizen: Preise fallen unter 200-Euro-Marke

von , am
16.05.2014

Die Weizenpreise sind diese Woche massiv unter Druck geraten.

© krick/agrar-press
 
Die Weizenpreise sind diese Woche massiv unter Druck geraten. Innerhalb einer Woche sind Kurse in den USA um über 5 % gefallen und in Europa haben die Preise in wenigen Tagen rund 4 % verloren und zudem am Donnerstag erstmals seit Februar wieder die 200-Euro-Marke nach unten durchbrochen. Auch in den USA konnten wichtige technische Unterstützungslinien nicht gehalten werden und lösten bei den technisch orientierten Anlegern am Terminmarkt eine regelrecht Verkaufswelle die Orientierung (Short) auf weiter fallende Preise aus. Diese Woche war zumindest in den USA der stärkste Rückgang der Weizenpreise innerhalb einer Woche seit dem Juni 2013 zu beobachten. Allerdings sieht es am heutigen Freitag im vorbörslichen elektronischen Handel in den USA nach einer Preiserholung aus der sich auch die Weizenpreise in Europa anschließen dürften.
 
Preise entscheiden sich im Export
Dabei sind die Weizenpreise in den USA gefallen obwohl sich der Zustand des Winterweizens dort in der letzten Woche weiter verschlechtert hat und das USDA die neue US-Ernte wegen der Trockenheit noch weiter nach unten korrigiert hat als zuvor schon von Analysten erwartet wurde. Aber das hat alles nicht genützt. Wie so oft in letzter Zeit entscheiden sich die Preise im Export. Und hier hat der kräftigen Preisanstieg der letzten Wochen in den USA zu einem deutlichen Rückgang der Weizenausfuhren geführt und in Verbindung mit den bärischen Produktions- und Bestands-Prognosen aus dem neuen USDA-Report die Preise unter Druck gesetzt. Die sehr schwachen US-Exportdaten der letzten Woche haben den nach unten gerichteten Preistrend dann noch verstärkt.
 
US-Preisrückgang drückt auch EU-Preise
Dem vom US-Markt ausgehenden Preisdruck konnten sich auch der Weizen in Europa nicht entziehen, zumal die Nachfrage von den Exportmärkten auch für die hohen Preise in Europa verantwortlich war. Der scharfe Rückgang der US-Preise hat auch hierzulande die Wettbewerbssituation an den Exportmärkten verändert und den Preisrutsch ausgelöst. Die Europäer werden in diesem Jahr einen neuen Ausfuhrrekord beim Weizen aufstellen und könnten die USA im kommenden Wirtschaftsjahr als größten Weizenexporteur überholen. Die neue europäische Weizenernte wird jedenfalls von allen Analysten als sehr gut eingeschätzt und die Aufwuchsbedingungen (und das Ertragspotential) hat sich für europäischen Weizen mit den Regenfällen im Mai merklich verbessert. In Frankreich befinden sich derzeit 73 % des Weizens in gutem oder sehr gutem Zustand. In den USA kamen zuletzt nur noch 30 % in diese Kategorie.
 
US-Weizenexporte sehr schwach
In den USA ist der Weizenexport in der letzten Abrechnungswoche noch einmal deutlich zurückgegangen und hat auch die Erwartungen der verfehlt. Offenbar war der US-Weizen vielen Importeuren weiterhin zu teuer. Vom USDA wurden für die letzte Woche für das noch laufende Wirtschaftsjahr Netto-Export-Verkäufe von 43.600 t Weizen gemeldet. Da war die zweitschlechteste Verkaufsmenge in diesem Wirtschaftsjahr. In der Woche zuvor wurden netto immerhin 320.575 t Weizen verkauft und vor zwei Wochen 214.942 t. Grund für die deutlich gedrosselte Ausfuhr sind die immer noch relativ hohen US-Weizenpreise. Allerdings wurden erneut 197.134 t (netto) Weizen der nächsten Ernte verkauft (Vw.: 125.000t). Insgesamt verkauften die Amerikaner im aktuellen Wirtschaftsjahr bisher 31,65 Mio. t Weizen ins Ausland und damit 4,79 Mio. t bzw. knapp 18 % mehr als im letzten Jahr (26,86 Mio. t).
 
Europäische Exporte wieder besser
Die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) sind vor zwei Wochen (bis 6. Mai) zwar deutlich auf nur noch 130.000 abgesackt , haben sich aber die aktuellen Woche bis 13. Mai wieder etwas erholt. In der Abrechnungswoche bis zum 13. mai wurden insgesamt 424.000 t Weizen in Drittländer verkauft. In der Woche zuvor wurden 130.000 t verkauft und vor drei Wochen waren es 448.000 t. Deutschland verkaufte in der letzten Abrechnungswoche 164.000 Weizen und Frankreich 155.000 t. Deutschland ist weiterhin nur ganz knapp hinter Frankreich der zweitgrößte Weizenexporteuer der EU. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich jetzt auf Drittlandsverkäufe von 8,25 Mio. t und Deutschland auf 8,23 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer bis zum 13. Mai einen Umfang von 25,66 Mio. t. Das sind 8,3 Mio. t oder 48 % mehr als im letzten Jahr (17,36 Mio. t) und zudem ein Ausfuhrrekord der Europäer.
 
US-Weizen bricht ein
Am Freitag Vormittag (15.05) können sich die US-Weizenpreise(SRW) im vorbörslichen elektronischen Handel in Chicago erstmals nach dem Preisrutsch der letzte Tage wieder etwas erholen. Am Donnerstag (14.05) hatten die Weizenpreise in Chicago erneut um 1,7 % und im Verlauf der Woche um etwa 5,3 % nachgegeben. Der Julikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Donnerstag bei umgerechnet 181,65 Euro/t (678,2 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezember) kostete 188,21 Euro/t (702,6 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die neue 8 Euro weniger und für die alte Ernte 7 Euro weniger wie vor einer Woche. Gegenüber dem letzten Tiefstand von Ende Januar waren die Weizenpreise in Chicago am Donnerstag (trotz des Preisrückgangs) immer noch 21 % höher
 
EU-Weizenpreise fallen unter 200-Euro
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche ebenfalls deutlich gefallen und rutschten erstmals seit Februar wieder unter die 200-Euro-Marke. Am Freitag (16.05) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF nur noch 199 Euro/t und damit 8,0 Euro weniger als vor einer Woche. Am heutigen Freitag könnten sich die Preise jedoch mit dem US-Weizen etwas erholen und die 200-Euro-Marke erneut überwinden. Am Kassamarkt haben die Weizenpreise im Wochenverlauf ebenfalls nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Donnerstag (15. Mai) mit 203 Euro/t und damit 5 Euro billiger als am Montag dieser Woche. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg mit 203 Euro/t notiert und damit 4 Euro billiger als zum Beginn der Woche.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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