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Analyse

Weizen: Preise klettern auf alte Höchststände

von , am
28.04.2014

Am Weizenmarkt zeigt die Preiskurve nach oben.

© landpixel
Am Weizenmarkt zeigt die Preiskurve nach oben. Am letzten Freitag beendete der Weizen den Handel in den USA und in Europa mit einem dicken Plus. In den USA haben die Weizenpreise letzte Woche um knapp 5 % und in Europa um gut 4 % zugelegt. Auch am heutigen Montag liegen die Kurse im vorbörslichen elektronischen Handel wieder Plus. Die Gründe für den erneuten Preisanstieg sind dabei eigentlich die gleichen wie in den Wochen zuvor. Da sind zum einen die immer schlimmeren Folgen der Trockenheit in den südlichen Winterweizenanbaugebieten der USA. Immer mehr. Zweiter Preistreiber ist die sich ausweitende Krise zwischen Russland und der Ukraine. Die fortschreitende Eskalation des Konflikts bleibt nach Meinung vieler Analysten nicht ohne Auswirkungen auf den Export der Schwarzmeerländer und auch auf die neue Weizenernte. Zudem wurde die neue europäische Ernte (wegen Trockenheit) letzte Woche von europäischen Analysten (Strategie Grains und Töpfer) nach unten korrigiert. Gleichzeitig erwartet man den Export der Europäer wegen der Probleme am Schwarzen Meer größer. Das stützt natürlich die Weizenpreise in Europa.
 
Europäische Weizenernte kleiner, aber mehr Exporte
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte seine Prognose zur die europäischen Weichweizen letzte Woche um 0,5 Mio. t auf 137,2 Mio. t gesenkt. Im Vergleich zum letzten Jahr (134,9 Mio. t) wäre die Produktion allerdings immer noch 2,3 Mio. t größer und weiterhin die zweitgrößte Weizenernte überhaupt. Grund für die Korrektur ist unter anderem die etwas kleinere Ernteerwartung für das Baltikum sowie die wegen des Niederschlagsdefizits reduzierten Ernteprognose für Zentraleuropa. Diese Auffassung vertraten auch die Analysten von Töpfer International die ihre Ernteprognose sogar auf 136,5 Mio. t senkten. Für Deutschland reduzierte Töpfer seine Erwartung um  auf 23,85 Mio. t und bleibt damit 0,92 Mio. t unter dem guten Vorjahresergebnis. Für Frankreich liegt die Prognose mit 36,5 Mio. t etwa auf dem Stand vom Vorjahr (36,6 Mio. t) und das Vereinigte Königreich übertrifft die schlechte Vorjahresernte mit 15,1 Mio. t um 3,2 Mio. t. Den Export der Europäer hat Strategie Grains für die nächsten Saison 2014/15 um 0,5 Mio. t auf 22,9 Mio. t nach oben geschätzt und die Ausfuhren für das laufen Jahr 2013/14 wurden um weitere 1,2 Mio. t auf den Rekordwert von 26,8 Mio. t nach oben geschraubt.
 
Neue US-Ernte im Trockenstress
In den USA befanden sich nach den Daten des USDA in der vorigen Woche noch 34 % des US-Winterweizens in gutem oder sehr gutem Zustand, während 33 % des Weizens als schlecht oder sehr schlecht eingestuft wurden. Trotz der vereinzelten Regenfälle ist dies eine weitere Verschlechterung des Zustandes des US-Winterweizens und damit auch eine weiter reduzierte Ertragsprognose. Neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Weizens beim weltweit größten Exporteur wird der heute Abend (28.04) veröffentlichte neue Crop-Monitoring-Report des USDA bringen. Im wegen Trockenheit ebenfalls schon sehr kritischen Vorjahr befanden zum aktuellen Termin ebenfalls nur 35 % des Winterweizens in guter oder sehr guter Verfassung und 33 % in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Immer mehr US-Analysten gehen derzeit davon aus, dass sich viele Weizenpflanzen auch bei Regen nicht mehr erholen.
 
US-Weizenexporte wieder etwas besser
In den USA hat sich der Weizenexport nach dem sehr kräftigen Rückgang der letzten Wochen wieder etwas erholt. Gleichzeitig wird immer mehr Weizen der kommenden Ernte ins Ausland verkauft. Vom USDA wurden für die letzte Woche für das noch laufende Wirtschaftsjahr Export-Verkäufe von 438.000 t Weizen gemeldet. In der Woche zuvor war die ausfuhr auf den niedrigste Stand des Jahres abgesackt (42.000 t). Auch in den beiden Wochen davor waren die Ausfuhrmengen mit 336.400 t und 400.500 t relativ überschaubar. Grund für die zuletzt deutlich gedrosselte Ausfuhr waren offenbar die relativ hohen US-Weizenpreise. Allerdings wurden auch diese Woche 360.000 Weizen der nächsten Ernte verkauft, nach 349.000 t und 310.500 t in den beiden Vorwochen. Insgesamt verkauften die Amerikaner im aktuellen Wirtschaftsjahr bisher 30,7 Mio. t Weizen ins Ausland und damit 4,5 Mio. t bzw. 17 % mehr als im letzten Jahr (26,2 Mio. t). Von der neuen Ernte wurden bislang 4,64 Mio. t verkauft (Vj 2,5 Mio. t).
 
Europäische Exporte zuletzt rückläufig
Die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) haben sich zuletzt mit wieder steigenden Weizenpreisen abgeschwächt. In der Abrechnungswoche bis zum 22. April wurden insgesamt 378.000 t Weizen in Drittländer verkauft. Das ist die kleinste Exportmenge seit 10 Wochen. In der Woche zuvor wurden 421.000 t verkauft und vor drei Wochen waren es 585.000 t. Deutschland ist bei der gesamten Ausfuhrmenge jetzt knapp hinter Frankreich zurückgefallen. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich bislang auf Drittlandsverkäufe von 7,88 Mio. t, Deutschland auf 7,81 Mio. t sowie Rumänien auf 2,0 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer bis zum 22. April einen Umfang von 24,66 Mio. t. Das sind 8,1 Mio. t oder 49 % mehr als im letzten Jahr (16,56 Mio. t).
 
US-Weizen verteuert sich weiter
Am Montag (28.04) Vormittag (11:00 MEZ) lagen die US-Weizenpreise im vorbörslichen Handel erneut 0,5 % im Plus bei 186,50 Euro/t (703 Ct/bu). Am Freitag (25.04) hatten die Weizenpreise in den USA wegen des anhaltenden Niederschlagsmangels in den wichtigen Weizenanbaugebieten und wegen der Krise in der Ukraine um 1,6 % und im gesamten Wochenverlauf um knapp als 5 % zugelegt. Der Maikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag bei umgerechnet 185,4 Euro/t (700,2 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezember) kostete 189,74 Euro/t (716,4 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für den Maitermin etwa 7 Euro mehr als vor einer Woche und die neue Ernte hat ebenfalls um 7 Euro zugelegt. Gegenüber dem letzten Tiefstand von Ende Januar waren die Weizenpreise in Chicago am Freitag 25 % höher. Gegenüber der letzten Preisspitze vom 20. März sind die US-Preise nur noch gut 2 % niedriger.
 
EU-Weizenpreise steigen kräftig
In der Europäischen Union haben die Weizenpreise Ende der letzten Woche trotz der etwas schwächeren Exportnachfrage zugelegt. Am Freitag (25.04) kostete der Weizen für den Maitermin an der MATIF knapp 217 Euro/t und damit 1,20 Euro mehr als am Vortag und etwa 8,00 mehr als am Montag letzter Woche. Die neue Ernte (November) wurde am Freitag mit 207 Euro/t gehandelt und damit 2,00 Euro teurer als am Vortag und knapp 7,00 Euro teurer als letzten Montag. Am Kassamarkt haben die Weizenpreise Ende der letzten Woche ebenfalls weiter zugelegt. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (25. April) mit 216,50 Euro/t und damit eben 3 Euro teurer wie am Vortag und 9,50 Euro teurer als eine Woche zuvor. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg mit 208 Euro/t notiert und damit 3,0 teurer als vor einer Woche und 5 Euro teurer als letzte Woche. Futterweizen kostete in Hamburg 214 Euro/t und damit 8 Euro mehr als vor einer Woche und A-Weizen wurde mit 219,50 Euro/t notiert und damit knapp 10,00 über dem Vorwochenpreis.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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