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Analyse

Weizen: Preise in den USA stürzen ab

von , am
09.01.2014

Mit einem heftigen Preisrutsch in den USA positioniert sich der Weizenmarkt vor der Veröffentlichung des neuen USDA-Reports am Freitag

© krick/agrar-press
 
Mit einem heftigen Preisrutsch in den USA positioniert sich der Weizenmarkt vor der Veröffentlichung des neuen USDA-Reports am Freitag. Die Preise fielen in Chicago sogar deutlich unter die technisch und psychologisch ausgesprochen wichtige Marke von 600 Ct je Bushel bzw. unter 160 Euro/t. Das ist der niedrigste Weizenpreis in den USA seit Dezember 2011 und ein neues Kontrakttief. Auch in Europa folgen die Preise den Vorgaben aus Übersee und der Märzkontrakt am Terminmarkt in Paris fiel unter die Marke von 200 Euro/t und der auch der Januar rutschte bis auf 204 Euro nach unten. An den Kassamärkten in Europa gerieten die Preise daraufhin ebenfalls unter Druck.
 
Viele bärische Faktoren
Ein Auslöser für den Preisrutsch dürfte die von Analysten erwartete weitere Korrektur der zurückliegenden Maisernte in den USA nach oben und der davon auch auf den Weizenmarkt ausgehende Preisdruck sein. Hinzu kommen der massive Angebotsdruck aus der kanadischen Rekordernte und die besser als zunächst erwartete Weizenernte in Australien. Auch für Südamerika haben sich die Ernteaussichten beim Mais in Folge der jüngsten ergiebigen Regenfälle deutlich verbessert. Negativen Einfluss auf die Preisentwicklung hat zudem die kräftige Anbauausweitung beim Winterweizen in den USA und die nach Einschätzung vieler Analysten eher begrenzten Schäden durch die aktuelle extreme Kältewelle. Hinzu kamen am Donnerstag Nachmittag (MEZ) noch deutlich unter den Analystenschätzungen bleibende wöchtentliche Exportverkäufe der USA bei Weizen (und bei Mais).
 
US-Weizen fällt unter 160-Euro-Marke
Am Mittwoch (08.01) gaben die Weizenpreise in Chicago (SRW) für den aktuellen Märzkontrakt um rund 2,3 % auf umgerechnet nur noch 159 Euro/t (588,6 Ct/Bu) nach und der Maikontrakt kostete rund 160,5 Euro (594,4 Ct/bu). Damit liegen die Weizenpreise in Chicago für alle Termine bis September 2014 unterhalb der Marke von umgerechnet 165 Euro/t (610 Ct/bu) und für die Termine März bis Juli 2014 wird sogar die wichtige 600-Ct-Bushel-Marke (162 Euro/t) verfehlt.
 
US-Preise seit Dezember um 12 % gefallen
Im elektronischen Handel notierte der Märztermin am heutigen Donnerstag (09.01) in Chicago zunächst ganz leicht im Plus, bei knapp 159 Euro/t (590 Ct/Bu) und der Mai bewegte sich bei umgerechnet knapp 161 Euro/t (595 Ct/bu). Im Vergleich zum letzten Tiefstand vom Jahresbeginn (02.01) sind die US-Weizenpreise damit um rund 3 % niedriger. Seit Anfang Dezember 2013 haben die US-Weizen-Preise (SRW) um gut 12 Prozent nachgegeben und seit Ende Oktober beträgt der Preisrückgang sogar 18 Prozent. Technisch gesehen fielen die Preise (März) zudem auf ein neues Kontrakttief und liegen auch unter dem 10-, 20- und 40-Tage-Durchschnitt.
 
US-Brotweizen ebenfalls unter Druck
Der in Kansas gehandelte US-Brotweizen (HRW) beendete den Handel am Mittwoch (08.01) für den Märzkontrakt mit umgerechnet 172 Euro/t (637 Ct/bu) und für den Mai mit knapp 172 Euro (636 Ct/bu) damit 1,3 % niedriger als am Vortag. Beim US-Sommerweizen aus Minneapolis kostete der Märzkontrakt am US-Terminmarkt umgerechnet 169 Euro/t (627 Ct/bu) und der Mai 170 Euro/t (629 Ct/bu). Im elektronischen Handel lagen die Preise für Brot- und für Sommerweizen am Donnerstag zunächst leicht im Plus.
 
Kanadischer Weizen am billigsten
In Kanada haben sich die Weizenpreise mit dem fallenden US-Markt am Donnerstag ebenfalls nach unten bewegt. In Winnipeg wurde Brotweizen für den Märztermin mit umgerechnet 123 Euro/t gehandelt (181 CAD) und  der Maitermin kostete noch 127 Euro/t (187 CAD). Kanadischer Hartweizen (Durum) wurde für den Märztermin mit 167 Euro (242 CAD) notiert und der Mai mit 170 Euro/t (246 CAD). Der Preis für Futter-Gerste lag am kanadischen Terminmarkt in Winnipeg am Mittwoch nur noch bei umgerechnet knapp 100 Euro (146 CAD).
 
Europäische Weizenpreise geben nach
In der Europäischen Union sind Preise für Weizen mit den fallenden US-Preisen ebenfalls unter Druck geraten. Sowohl am Terminmarkt als auch an den wichtigsten physischen Handelsplätzen gaben die Kurse am Mittwoch und am Donnerstag nach. Am Mittwoch (08.01) kostete der Weizen für den Januar an der MATIF 204 Euro und für den März nur noch 199,50 Euro/t. Im Vergleich zum Wochenbeginn sind die Weizenpreise damit um 4 Euro gefallen. Gleichzeitig rutschte der Märzkontrakt unter die 200-Euro-Marke.
 
Kassapreise auch unter Druck
Am Kassamarkt haben die Weizenpreise ebenfalls weiter nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man Brotweizen am Donnerstag (09. Januar) mit 202 Euro/t (-3). Futterweizen zur Lieferung im Januar kostete in Hamburg 201 Euro/t (-2) und A-Weizen wurde mit 204 Euro/t (-3) notiert. In Frankreich wurde Brotweizen am Donnerstag (fob-Rouen) mit 197 Euro/t (-5)und  damit unter der 200-Euro-Marke notiert.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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