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Analyse

Weizen: Preisrallye zum Wochenbeginn

von , am
14.04.2014

Am Weizenmarkt beginnt die neue Woche mit einer überraschenden Preisrallye.

© landpixel
 
Am Weizenmarkt beginnt die neue Woche mit einer überraschenden Preisrallye. Zumindest liegen die Weizenpreise in Chicago im elektronischen vorbörslichen Handel gegen 10 Uhr MEZ (3:00 Chicago-Zeit) zeitweise 3,5 % (!!!) im Plus und um 11:00 Uhr MEZ betrug der Aufschlag noch 2,5 %. Das dürfte bei Handelsbeginn auch die Weizenpreise in Europa deutlich mit nach oben ziehen. Dabei hatten die Kurse sowohl an den Terminmärkten als auch an den Kassamärkten im Verlauf der letzten Woche kräftig Federn lassen müssen. Auslöser war zunächst der letzte USDA-Report der deutlich größere Endbestände und damit auch schwächere Exporte als zuvor erwartet. Das betraf allerdings vor allem die USA, deren Verkäufe von Weizen aus der alten Ernte letzte Woche auf nur noch 42.000 t abgesackten und damit auf den niedrigsten Stand des Jahres. Dagegen liefen die Exportverkäufe der Europäer weiterhin stetig auf hohem Niveau. Preisdruck lösten am Ende der Woche zudem vereinzelte Regenfälle in den südlichen Weizenanbaugebieten der USA aus. Dieser Regen dürfte aber angesichts des Niederschlagsdefizits in den in den Hauptanbaugebieten von Winterweizen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Weshalb die Preise auch erneut steigen. Preistreibend wirkt natürlich auch die Eskalation des Konfliks zwischen der Ukraine und Russland mit unklaren Folgen für die Getreidemärkte.
 
Neue US-Ernte in kritischem Zustand
In der letzten Woche befanden sich nach den Daten des USDA nur noch 35 % des US-Winterweizens in gutem oder sehr gutem Zustand, während 29 % des Weizens als schlecht oder sehr schlecht eingestuft wurden. Neue Erkenntnisse über die weitere Entwicklung des Weizens beim weltweit größten Exporteur wird der heute Abend (14.04) veröffentlichte neue Crop-Monitoring-Report des USDA bringen. Beim letzten Crop-Monitoring des USDA Ende November 2013 befanden sich immerhin 62 % des Winterweizens in guter oder sehr guter Verfassung und nur 7 % in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Danach hat sich der Anteil des in die beiden besten Kategorien eingestuften Weizens seit dem Herbst um 27 Prozentpunkte verringert, während der Anteil in den beiden schlechtesten Kategorien um 22 Prozentpunkte zugenommen hat. Im April des Vorjahres (2013) befanden sich nach dem Crop-Monitoring des USDA (auch wegen Trockenheit) ebenfalls nur 36 % des Winterweizens in gutem oder sehr gutem Zustand, während 30 % in schlechter oder sehr schlechter Verfassung war.
 
US-Weizenexporte auf Jahrestief
Der Preisanstieg der letzten Wochen hatte die Weizenexporte der USA immer weiter gedrosselt. Vom USDA wurden für die letzte Woche für das noch laufende Wirtschaftsjahr nur noch Export-Verkäufe von 42.000 t Weizen gemeldet. Das war niedrigste Exportmeng in diesem Jahr nochmals etwas kleiner als in der Woche zuvor (336.400 t) und auch kleiner als vor zwei Wochen (400.500 t). Allerdings wurden erneut auch 349.000 t Weizen der nächsten Ernte verkauft (Vorwoche: 310.500 t). Insgesamt verkauften die Amerikaner in diesem Wirtschaftsjahr bisher 30,29 Mio. t Weizen ins Ausland und damit 4,61 Mio. t bzw. 18 % mehr als im letzten Jahr (25,68 Mio. t). Von der neuen Ernte wurden bislang schon 4,76 Mio. t verkauft (Vj. 2,15 Mio. t).

Deutscher Export auf Hochtouren
Die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) halten sich unverändert auf hohem Niveau, und die Ausfuhren blieben im Vergleich zur Vorwoche stabil. In der Abrechnungswoche bis zum 08. April mit insgesamt 585.000 t Weizen in Drittländer verkauft. In der Woche zuvor wurden 586.000 t verkauft und vor drei Wochen waren es 817.000 t. Deutschland verkaufte in der letzten Abrechnungswoche 264.000 t (Vw. 235.000 t) Weizen und Frankreich 197.000 t (Vw. 203.000 t). Deutschland bleibt damit weiterhin vor Frankreich der größte Weizenexporteuer der EU. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich jetzt auf Drittlandsverkäufe von 7,4 Mio. t und Deutschland auf 7,6 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer einen Umfang von 23,86 Mio. t. Das sind 7,93 Mio. t oder 50 % mehr als im letzten Jahr (15,93 Mio. t).
 
US-Weizen zum Wochenbeginn teurer
Am Montag (14.04) Vormittag (11:00 MEZ) lagen die US-Weizenpreise im vorbörslichen Handel deutlich mit 2,5 % im Plus bei 180 Euro/t (676 Ct/bu) und machten einen Teil der Vorwochenverluste wieder gut. Am Freitag (11.04) hatten die Weizenpreise in den USA wegen der (moderaten) Niederschläge in einigen Weizenanbaugebieten und wegen sehr schwachen US-Exporte nochmals leicht und im Wochenverlauf aber um mehr als 3 % nachgegeben . Der Maikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag bei umgerechnet 175,39 Euro/t (660,2 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezember) kostete 180,10 Euro/t (678 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für den Maitermin etwa 4 Euro weniger als vor einer Woche und die neue Ernte hat sich um 7 Euro verbilligt. Gegenüber dem letzten Tiefstand von Ende Januar waren die Weizenpreise in Chicago am Freitag noch immer 19 % höher. Gegenüber der jüngsten Preisspitze vom 20. März haben die US-Preise jedoch wieder um etwa 8 % nachgegeben.
 
EU-Weizenpreise stabil bis fest
In der Europäischen Union haben die Weizenpreise sich Ende der letzten Woche mit der starken Exportnachfrage sogar wieder leicht zugelegt. Am Freitag (11.04) kostete der Weizen für den Maitermin an der MATIF knapp 209,75 Euro/t und damit 1,50 Euro mehr als am Vortag und etwa 3,00 mehr als am Montag letzter Woche. Die neue Ernte (November) wurde am Freitag mit 200,50 Euro/t gehandelt und damit 0,25 Euro teurer als am Vortag und 3,00 Euro teurer als letzten Montag. Am Kassamarkt hatten sich die Weizenpreise Ende der letzten Woche behauptet. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (11. April) mit 207 Euro/t und damit eben so teuer wie am Vortag und 1,0 Euro teurer wie eine Woche zuvor. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg mit 203 Euro/t notiert und damit 2,0 teurer als vor einer Woche und nur 4 Euro unter den aktuellen Preisen. Futterweizen zur Lieferung im April kostete in Hamburg 206 Euro/t und damit 1 Euro mehr als vor einer Woche und A-Weizen wurde mit 210 Euro/t notiert und damit 2,00 über dem Vorwochenpreis.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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