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Analyse

Weizen: Proteingehalt ist höher, Prämien wie 2014

von , am
18.09.2015

Der Proteingehalt der deutschen Weizenernte ist höher als im vorigen Jahr

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
 
Der Proteingehalt der deutschen Weizenernte ist höher als im vorigen Jahr. Die Qualität der deutschen Weizenernte ist 2015 jedoch sehr heterogen. Das meldete jetzt Max Rubener Institut für Sicherheit und Qualität bei Getreide (MRI) im Rahmen einer ersten vorläufigen Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zur Weizenqualität. Die vorliegende Erhebung des MRI basiert ausschließlich auf dem aus der Inlandsernte verfügbaren Mühlengetreide. Dabei lassen die ersten vorläufigen Mühlenmuster noch keine generelle flächendeckende Qualitätsaussage zur deutschen Weizenernte zu.
 
Das für die Mühlen ungeeignete Getreide (Nassproben, sensorische Beanstandungen) wurde bei der Qualitätsermittlung nicht untersucht und auch nicht berücksichtigt. Außerdem können die Durchschnittwerte der Gesamternte am Ende deutlich von den Stichprobenwerten abweichen. Das zeigen insbesondere die vom BMEL für die Gesamternte ermittelten durchschnittlichen Eiweißgehalte der gesamten deutschen Weizenernte (einschließlich Futterweizen), die im Schnitt der letzten Jahre 0,8 Prozentpunkte niedriger waren als der vom MRI für den Mühlenweizen ausgewiesene Wert.
 
Weizenqualität - Konventioneller Anbau       
Zwischenstand 31.08.2015        
  Kornfallzahl Protein Sedimenta- Schrot- Kornmineral- Mehlaus-
      tionswert klebergehalt stoffgehalt beute (550)
Einheit Sekunden % TS mL % % TS %
Proben 145 144 157 144 125 117
2015 357 13,4 52 26,3 1,6 77,8
2014 333 13,0 50 26,6 1,5 79,9
5-Jähr. Mittel 324 13,4 52 27,4 1,6 79,0
Quelle: MIR            
 
Proteingehalt der Stichproben bei 13,4 %
Der durchschnittliche Proteingehalt der vom Max Rubner Institut untersuchten Stichproben des deutschen Mühlen-Weizens erreicht auf der Grundlage der bis bislang untersuchten Proben einen Wert von 13,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr (2014) wäre dies eine relativ deutliche Verbesserung. Vor einem Jahr lag der durchschnittliche Proteingehalt nur bei 13,0 Prozent. Der Mittelwert der letzten 5 Jahre von 13,4 Prozent wird mit diesem Ergebnis erreicht. Im deutschen Landhandel werden für Brotweizen mindestens 11,5 % Protein gefordert, für A-Weizen 13 % Protein und E-Weizen braucht mindestens 14 % Proteingehalt.
 
Eiweiß der Gesamternte ist niedriger
Das BMEL hatte den Proteingehalt der gesamten deutschen Weizenernte (aller Qualitäten) Anfang September auf 12,6 % geschätzt und damit 0,8 Prozentpunkte niedriger als für den vom MRI untersuchten Mühlenweizen. Im vorigen Jahr waren die Relationen ähnlich, während das MRI für den Mühlenweizen einen Eiweißgehalt von 13,0 % ausgewiesen hat, lag der Proteingehalt für die Gesamternte bei 12,2 % und damit ebenfalls 0,8 Prozentpunkte niedriger.
 
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Der durchschnittliche Eiweißgehalt der französischen Weizenernte wird vom französischen Landwirtschaftsamt FranceAgrimer allerdings nur mit 11,0 Prozent angegeben nach 11,1 Prozent im vorigen Jahr. Das ist der schwächste Wert seit dem Jahr 2001 (10,8).
 
Fallzahlen von 357 Sekunden
Die durchschnittliche Kornfallzahl (nach Hagenberg) ist ein wichtiger Parameter für die Ermittlung der Backqualität des Weizens und wird vom MIR für die Ernte 2014 mit 357 Sekunden angegebenen. Das Ergebnis des vorigen Jahres (333 Sekunden) wird damit eben so deutlich übertroffen, wie der fünfjährige Mittelwert (324).
 
Im deutschen Landhandel werden für Brotweizen Fallzahlen von mehr als 220 Sekunden gefordert, A-Weizen benötigt Fallzahlen von mehr als 240 Sekunden und E-Weizen von mindestens 250 Sekunden.
 
Hoher Sedimentationswert, schwächere Mehlausbeute
Der durchschnittliche Sedimentationswert wird vom MIR für die aktuelle Ernte mit 52 ml angegeben. Der Sedimentationswert dient Bestimmung der Kleberqualität beim Weizen. Die Ernte im letzten Jahr erreichte einen Wert von 50 ml. Im fünfjährigen Mittel gibt das MIR für die untersuchten Proben einen Sedimentationswert von 50 ml an. Für E-Weizen sind Sedimentationswerte von über 50 ml üblich, bei A-Weizen werden mindestens 35 ml gefordert und Brotweizen muss mehr als 25 ml ereichen.
 
Der Klebergehalt liegt für die neue Weizenernte bei 26,3 % und ist damit etwas kleiner als zur Ernte 2014 mit 26,6 %. Das fünfjährige Mittel von 27,4 % wird allerdings deutlich verfehlt. Die Mehlausbeute wird für die neue Ernte mit 77,8 % Prozent angegeben und ist damit schlechter als im vorigen Jahr mit 79,9 % und auch niedriger als im fünfjährigen Mittel (79 %).
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Qualitätsprämien wie im Vorjahr, Futterweizen teurer
Die derzeitigen Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Weizenqualitäten sind (außer zum Futterweizen) ähnlich groß wie im vorigen Jahr zu diesem Termin. Das zeigen jedenfalls die aktuellen Großhandelspreise am Exporthafen in Hamburg. Dort handelte man Brotweizen mit 12 % Protein am Ende dieser Woche (17.09) für den Septembertermin mit 169 Euro. Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 175 Euro geboten. Die Preise für E-Weizen mit 14 % Protein lagen in Hamburg bei etwa 184 Euro. Futterweizen wurde(wie Brotweizen) mit 169 Euro notiert. Damit war der deutsche E-Weizen Mitte September 9 Euro teurer als der A-Weizen, 15 Euro teurer als der Brotweizen und ebenfalls 15 Euro teurer als der Futterweizen.
 
Vor einem Jahr (September 2014) wurde der E-Weizen in Hamburg  mit 185 Euro ähnlich teuer wie im September 2015 gehandelt, für A-Weizen lagen die Preise bei 175 Euro und für Brotweizen bei 170 Euro. Futterweizen kostete zu diesem Termin etwa 162 Euro und damit 8 Euro weniger wie Brotweizen. Damit waren Preisabstände zwischen E-Weizen, A-Weizen und Brotweizen ähnlich hoch wie in diesem Jahr. Nur der Abstand vom Brotgetreide zum Futterweizen war  im Jahr 2014 größer.
 
Dr. Olaf Zinke
 
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