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Analyse

Weizen: Qualität der deutschen Weizenernte besser als erwartet

von , am
30.09.2014

Die Qualität der deutschen Weizenernte ist besser als zunächst gedacht.Der durchschnittliche Proteingehalt der deutschen Weizenernte erreicht danach auf der Grundlage der bis dahin untersuchten Proben einen Wert von 13,1 Prozent.

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
Die Qualität der deutschen Weizenernte ist besser als zunächst gedacht. Das bestätigt jetzt das Max Rubener Institut für Sicherheit und Qualität bei Getreide (MRI) mit einer aktuellen Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zur Weizenqualität. Dabei hat sich die Qualität im Vergleich zu den ersten Ergebnissen von Anfang September zum Teil deutlich verbessert und erreicht in einer ganzen Reihe von Parametern die sehr guten Vorjahresergebnisse und auch das langjährige Mittel.
 
Proteingehalt von 13,1 Prozent
Der durchschnittliche Proteingehalt der deutschen Weizenernte erreicht danach auf der Grundlage der bis dahin untersuchten Proben einen Wert von 13,1 Prozent. Im Vergleich zu den ersten Ergebnissen von Anfang September (12,8 %) wäre dies eine deutliche Verbesserung. Gleichzeitig erreicht der durchschnittliche Proteingehalt der deutschen Weizenernte damit das Ergebnis des Vorjahres von ebenfalls 13,1 Prozent. Der  Mittelwert der letzten 5 Jahre von 13,4 Prozent wird indessen nicht erreicht.  Im deutschen Landhandel werden für Brotweizen mindestens 11,5 % Protein gefordert, für A-Weizen 13 % Protein und ein E-Weizen braucht mindestens 14 % Proteingehalt. Die aktuelle französische Weizenernte erreicht nur einen Proteingehalt von 11,1 Prozent nach 11,2 Prozent im letzten Jahr.
 
Fallzahlen von 330 Sekunden
Die durchschnittliche Kornfallzahl (nach Hagenberg) ist ein wichtiger Parameter für die Ermittlung der Backqualität des Weizens und wird vom MIR für die Ernte 2014 mit 333 Sekunden angegebenen. Bei der ersten Untersuchung Anfang September lagen die Fallzahlen noch bei 320 Sekunden. Das Ergebnis des letzten Jahres (352 Sekunden) wird zwar verfehlt, das fünfjährige Mittel von 328 Sekunden wird hingegen sogar leicht übertroffen. Im deutschen Landhandel werden für Brotweizen Fallzahlen von mehr als 220 Sekunden gefordert, A-Weizen benötigt Fallzahlen von mehr als 240 Sekunden und E-Weizen von mindestens 250 Sekunden. In Frankreich Jahr erreichen in diesem Jahr nur 46 Prozent der Weizenernte Fallzahlen von mehr als 220 Sekunden (Backqualität). Im letzten Jahr waren es mehr als 90 Prozent.
 
Hoher Sedimentationswert und hohe Mehlausbeute
Der durchschnittliche Sedimentationswert wird vom MIR für die aktuelle Ernte mit 50 ml angegeben. Der Sedimentationswert dient Bestimmung der Kleberqualität beim Weizen. Anfang September lag der vom MIR für die deutsche Weizenernte ermittelte Sedimentationswert bei 46 ml und die Ernte im letzten Jahr erreichte einen Wert von 50 ml. Im fünfjährigen Mittel gibt das MIR für die deutsche Weizenernte einen Sedimentationswert von 53 ml an. Für E-Weizen sind Sedimentationswerte von über 50 ml üblich, bei A-Weizen sind es mindestens35  ml und Brotweizen erreicht mehr als 25 ml. Der Klebergehalt lieg für die neue Weizenernte bei 26,6 % (September 26,2 %) und ist damit etwas größer als zur Ernte 2013 mit 26,5 %. Das fünfjährige Mittel von 27,6 % wird allerdings deutlich verfehlt. Die Mehlausbeute wird für die neue Ernte mit 79,9 % Prozent angegeben und ist damit etwas besser als Anfang September erwartet (79,0 %) und liegt zudem sowohl über dem Ergebnis des Jahres von 79,7 % als auch recht deutlich über dem fünfjährigen Mittelwert von 78,6 %.
 
Großer Preisabstand zwischen Brot- und Futterweizen
Die derzeitigen Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Weizenqualitäten sind (außer zum Futterweizen) kleiner als im letzten Jahr, wie die aktuelle Großhandelspreise am Exporthafen in Hamburg zeigen. Dort handelte man Brotweizen mit 12 % Protein kurz von dem Monatsende (29.09) für den Septembertermin mit 162 Euro. Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 167 Euro geboten. Die Preise für E-Weizen mit 14 % Protein lagen in Hamburg bei etwa 177 Euro. Futterweizen wurde mit 155 Euro notiert. Damit war der deutsche E-Weizen Ende September 10 Euro teurer als der A-Weizen, 15 Euro teurer als der Brotweizen und 22 Euro teurer als der Futterweizen. Vor einem Jahr Ende September 2013 wurde der E-Weizen in Hamburg mit 215 Euro gehandelt, A-Weizen mit 195 Euro und Brotweizen mit 190 Euro. Futterweizen kostete zu diesem Termin 188 Euro und damit ähnlich viel wie Brotweizen. Damit waren die Preise für E-Weizen vor einem Jahr etwa 20 Euro höher als als für A-Weizen und 25 Euro höher als für Brotweizen sowie 27 Euro höher als für Futterweizen. Deutlich wird damit, dass sich der Preisabstand zwischen Futterweizen und Brotweizen 2014 erheblich vergrößert hat, während die Differenz zwischen den verschiedenen Qualitätsweizenarten 2013 sogar größer war als in diesem Jahr.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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