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Analyse

Weizen: Rekordernte verschärft Wettbewerb im Export

von , am
12.10.2015

IM Oktober hat das USDA die erwartete neue Weizenernte 2015/16 und auch die Endbestände nochmals leicht auf einen neuen Rekordwert nach oben korrigiert.

© Mariusz Szczygiel/Fotolia
 
Keine wirklichen Überraschungen gab es im Oktoberreport des USDA für den globalen Weizenmarkt. Allerdings hat man die erwartete neue Weizenernte 2015/16 und auch die Endbestände nochmals leicht auf einen neuen Rekordwert nach oben korrigiert. Grund für die moderate Aufwärtskorrektur des USDA waren die im Vergleich zur vorigen Schätzung noch einmal nach oben gesetzten Erntemengen für die Europäische Union sowie die Ukraine.Außerdem wurden die Weizenernten für Kanada und Australien nach oben korrigiert und die US-Ernte relativ deutlich nach unten.
 
Insgesamt ergibt sich per Saldo im Oktober jedoch ein weiteres Plus in den globalen Bilanzen. Zudem setzte das USDA die Exporte der Europäer und der Schwarzmeerländer noch weiter nach oben. Auf der anderen Seiten fielen die erwarteten US-Weizenausfuhren auf den tiefsten Stand seit 44 Jahren. Trotz der kleineren Ernte sind die Weizenpreise in den USA nach der Veröffentlichung der neuen Daten leicht zurückgegangen und in Europa leicht gestiegen.
 
Globale Ernte noch etwas größer
Die Oktober-Schätzung des USDA zur Weizenernte 2015/16 lag bei 732,8 Mio. t und damit 1,2 Mio. t höher als im Vormonat (731,6 Mio. t). Damit wird die bisherige Rekordernte des vorigen Wirtschaftsjahres 2014/15 von 725,5 Mio. t um rund 7,3 Mio. t übertroffen. Damit wäre die neue Weizenernte 2015/16 die mit Abstand größte jemals eingebracht globale Weizenernte und zudem die dritte Weizenernte hintereinander über der Marke von 700 Mio. t.
 
Außerdem hat das USDA den für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwarteten globalen Weizenverbrauch auf dem neuen Rekordwert von 716,4 Mio. t belassen nicht weiter angehoben. Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 lag der globale Weizenverbrauch noch bei 707,5 Mio. t und war damit 9,4 Mio. t niedriger.
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Endbestände auf Allzeithoch
Die im Oktoberreport des USDA für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwarten Endbestände wurden mit 228,5 Mio. t nochmals um knapp 2,0 Mio. t auf einen Rekordwert nach oben gesetzt und sind damit rund 16,4 Mio. t größer als im vorigen Jahr (212,1 Mio. t). Die globale Handelsmenge erwartete das USDA für das neue Wirtschaftsjahr bei 160,4 Mio. t und damit rund 2,0 Mio. t größer als noch im September (158,3 Mio. t), und nur noch geringfügig kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 161 Mio. t.
 
Im Vergleich zur vorigen Prognose setzte das USDA die erwarteten Exportmengen für die Europäische Union, für Russland und die Ukraine und für Kasachstan weiter nach oben. Auch für Kanada und Australien werden größere Exportmengen erwartet als im Vormonat. Für die USA ging es mit den Weizenexporten hingegen auf den tiefsten Stand seit 44 Jahren nach unten und für Argentinien senkte das USDA die Exportprognose.
 
Europäer bauen Exporte weiter aus
Die neue Weizenernte (Weichweizen und Durum) der Europäischen Union hat das USDA im Oktober noch einmal leicht um 1,2 Mio. t auf 155,3 Mio. t nach oben korrigiert (Sept.: 154,1 Mio. t). Damit wäre die neue europäische Ernte nur noch 1,2 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem vorigen Jahr (156,5) und die bislang zweitgrößte europäische Weizenernte überhaupt.
 
Die Erwartungen an den europäischen Export hat das USDA im Oktober wegen der größeren Ernte auf 33,0 Mio. t (Sept:; 32,5) nach oben korrigiert. Damit würde die Rekordausfuhr aus dem vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 von 35,4 Mio. nur noch um 2,4 Mio. t verfehlt, die Weizenexporte aus dem Jahr 2013/14 (32,0 Mio. t) würden jedoch um 1,0 Mio. t übertroffen. Mit dieser Ausfuhrmenge wären die Europäer deutlich vor Russland (23,5), den USA (23,0), Kanada (18,5) und Australien (18,5) der mit Abstand größte globale Weizenexporteur.
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Russland mit reichlich Weizen
Nicht verändert hat das USDA im Oktober die Weizenernte für Russland.. In seinem Oktober-Report geht das USDA weiterhin von einer russischen Weizenernte von 61,0 Mio. t aus. Die sehr gute Ernte aus dem vorigen Jahr von 59,0 Mio. t wird damit um 2,0 Mio. t übertroffen. Die Ernte 2015 wäre nach 2008 und 2009 die bislang drittgrößte Weizenernte und zudem die dritte russische Ernte über 60 Mio. t.
 
Das Exportpotential der Russen erwarten die USDA-Analysten etwas größer als bei der vorigen Schätzung bei 23,5 Mio. t und damit auch höher als im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 22,8 Mio. t. 
 
Ukraine mit mehr Weizen und Rekordexporten
Für die Ukraine meldet das USDA im Oktoberreport eine Weizenernte von 27,0 Mio. t und damit nochmals 0,5 Mio. t mehr Weizen als vor vier Wochen (26,5). Damit wird die sehr gute Ernte aus dem Vorjahr von 24,75 Mio. t um 2,3 Mio. t übertroffen. Das ukrainische Exportpotential hat das USDA noch einmal sehr deutlich von 13,5 auf 15,0 Mio. t nach oben gesetzt. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 hatte die Ukraine 11,3 Mio. t Weizen exportiert.
 
Für Kasachstan hat das USDA die Erntemenge bei 14,0 Mio. t belassen. Im vorigen Jahr erntete man in Kasachstan 13,0 t Weizen. Die kasachischen Exporte wurden vom USDA um 0,5 Mio. t auf 6,5 Mio. t nach oben gesetzt, nach 5,5 Mio. t in der zurückliegenden Saison.
 
US-Weizen verliert Marktanteile im Export
Die neue Weizenernte der USA wurde im Oktober im Vergleich zum Vormonat deutlich nach unten korrigiert. Die US-Gesamtweizenernte wir jetzt mit 55,8 Mio. t angegeben und damit 2,3 Mio. t kleiner als vor vier Wochen mit 58,1 Mio. t. Im Vergleich zur schwachen Ernte aus dem Vorjahr (2014) von 55,1 Mio. t, wäre die neue Weizenernte nur noch 0,7 Mio. t größer.
 
Die erwarteten US-Exporte hat das USDA auf 23,0 Mio. t veranschlagt und damit 2,0 Mio. t kleiner als im Vormonat mit 25,0 Mio. t und gleichzeitig auf dem niedrigsten Stand seit 44 Jahren. Ursache sind die im Vergleich zu den Wettbewerbern aus Europa und vom Schwarzen Meer zu hohen US-Weizenpreise.
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Kanada und Australien mit größeren Ernten
Nach oben korrigiert wurde vom USDA im Oktober die Ernteerwartung für Kanada. Nach der aktuellen Einschätzung des USDA ernten die Kanadier 27,0 Mio. t Weizen und nicht nur 26,0 Mio. t wie im Vormonat erwartet wurde. Die gute Ernte aus dem vorigen Jahr von 29,3 Mio. t wird indessen deutlich um 3,3 Mio. t verfehlt.
 
Die Weizen-Exporte Kanadas hat das USDA im Oktober von 18,5 Mio. t auf 19,5 Mio. t angehoben. Im vorigen Jahr (2014/15) lag die Ausfuhrmenge allerdings noch bei 24,9 Mio. t, so dass die Kanadier nach den Europäern der zweitgrößte globale Weizen-Exporteur waren.
 
Für Australien hat das USDA die erwartete Weizenernte im Oktober von 26,0 Mio. t auf 27,0 Mio. t nach oben korrigiert. Im vorigen Wirtschaftsjahr ernteten die Australier nur 23,7 Mio. t Weizen. Auch die Exporte wurden von 18,0 Mio. t auf 18,5 Mio. t angehoben, nach Weizenausfuhren 16,6 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr.
 
Dr. Olaf Zinke
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