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Analyse

Weizen: Trockenheit und Krimkrise beflügeln Weizenpreise

von , am
20.03.2014

Die Weizenpreise in den USA sind auf schon lange zurückliegende Höchststände geklettert und ziehen auch die Preise in Europa mit nach oben.

© landpixel
 
Die Weizenpreise in den USA sind auf den höchsten Stand seit 10 Monaten geklettert und ziehen auch die Weizenpreise in Europa und anderen Exportländern (Kanada, Australien) mit nach oben. Seit Ende Januar sind die Weizenpreise in den USA um 29 % oder etwa 40 Euro/t gestiegen. Allein in den letzten beiden Tagen schossen die Preise um mehr als 6 % nach oben. Am Mittwoch Abend (MEZ) lagen die Weizenpreise am Terminmarkt Chicago im noch laufenden Handel 3,6 % im Plus und in Kansas betrug der Aufschlag 3,1 %. Erstmals seit Oktober 2013 wurde zudem in Chicago die technisch wichtige Marke von 700-Ct-Buschel (185 Euro) nach oben durchbrochen und zugleich deutlich hinter sich gelassen.
 
Trockenheit und in den USA und Europa
Der Rallye in den USA folgten auch die Weizenpreise an den europäischen und kanadischen Börsen. Hauptgrund für den rasanten Preisanstieg sind die sich dramatisch verschlechternden Wachstumsbedingungen für den Weizen in den südlichen Anbaugebieten der USA. Hinzu kamen zuletzt die Befürchtungen über mögliche Produktions- und Exportausfälle der Schwarzmeerländer spätestens im nächsten Wirtschaftsjahr. Der Währungsverfall in der Ukraine und in Russland und die immer ungünstigeren Investitions- und Kreditbedingungen beeinflussen die kommende Ernte in beiden Ländern. Außerdem ist es mittlerweile auch in Europa deutlich zu trocken. In weiten Teilen Deutschlands, in Frankreich, Polen und Tschechien hat es im Februar und März deutlich zu wenig geregnet.
 
Trockenheit drückt Ertragsaussichten
Hauptgrund für die aktuelle Rallye ist allerdings die dramatische Verschlechterung des Zustands des Winterweizens in den wichtigsten US-Anbaustaaten Kansas, Texas und Oklahoma und Colorado. Die dramatische Verschlechterung des Zustands der Pflanzen hat das USDA in seinem aktuellen Crop-Monitoring deutlich gemacht. Danach wurden im mit Abstand wichtigsten Weizenanbaustaat Kansas nur noch 34 % des Weizens in die beiden besten Kategorien gut und sehr gut eingestuft, nach 37 % in der Vorwoche und 46 % im langjährigen Mittel. In Oklahoma kamen lediglich 18 % der Weizenbestände in die beiden besten Kategorien, in Texas fand das UASDA nur noch 15 % des Weizen in gutem und sehr guten Zustand und in Colorado waren es nur 35 % und damit 8 Prozentpunkte weniger als zwei Wochen zuvor.
 
US-Weizen schon 30 % teurer als im Januar
Am Mittwoch Abend (19.03) kletterten die Weizenpreise in den USA wegen der befürchteten Produktionsausfälle weiter deutlich nach oben. Nach einem Aufschlag von 2,7 % am Dienstag lagen die Preise am Mittwoch Abend (18:30 MEZ) erneut 3,6 % im Plus. Dabei notierte der Maikontrakt am Terminmarkt in Chicago (SRW) zu diesem Zeitpunkt bei umgerechnet 189 Euro/t (716 Ct/Bu) und der Dezemberkontrakt (neue Ernte) kletterte auf 193 Euro/t (732 Ct/bu). Die Preise für den in Kansas gehandelten US-Brotweizen (Hard Red Winter) legten am Mittwoch (19.03) um 3,1 % zu. Für den Maikontrakt kletterten die Kurse auf umgerechnet 209 Euro/t (791 Ct/bu) und der Dezembertermin (neue Ernte) ging ebenfalls mit rund 209 Euro (790 Ct/bu) aus dem Handel. Mittweile kostete der in Chicago gehandelte Weizen rund 29 % mehr als Ende Januar und war damit so teurer wie zuletzt vor 10 Monaten.
 
Europäische Weizenpreise steigen deutlich
In der Europäischen Union haben die Weizenpreise am Mittwoch im Sog der steigenden US-Preise sowie wegen der anhaltend (sehr) guten Exportaussichten ebenfalls kräftig zugelegt. Der Maikontrakt kostete an der MATIF knapp 213,50 Euro/t und damit knapp 5 Euro oder gut 2,3 % mehr wie am Vortag. Die neue Ernte (November) kostete mit knapp 206 ebenfalls 5 Euro mehr. Die zunehmeden Befürchtungen über Ertragsausfälle wegen Niederschlagsmange in Zentraleuropa gaben den Preisen zusätzlichen Schub.
 
Kassamarktpreise ziehen nach
Am Kassamarkt wurde Weizen am Mittwoch Nachmittag zunächst noch mit moderaten Preisaufschlägen gehandelt. Hier ist angesichts des Anstiegs an den Terminmärkten wohl am Donnerstag ebenfalls mit weiter steigenden Preisen zu rechnen. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Mittwoch (19. März) noch mit 210 Euro/t und damit 1 Euro teurer als am Vortag. Die neue Ernte (September) wurde mit 204 Euro/t (+1) notiert. Gleichzeitig lagen die Exportpreise für Brotweizen an den deutschen Ostseehäfen (fob) am Mittwoch zwischen 215 Euro und 220 Euro/t. Die Exportpreise für deutschen A-Weizen (fob Ostseehafen) bewegten sich zwischen 217 Euro und 222 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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