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Analyse

Weizen: Trotz Marktproblemen bleiben Preise unten

von , am
25.08.2014

Mit etwas höheren Preisen beendete der Weizen am letzten Freitag eine sonst eher schwache Woche.

© krick/agrar-press
Mit etwas höheren Preisen beendete der Weizen am letzten Freitag eine sonst eher schwache Woche. Hauptgrund für die zwischenzeitliche Preiserholung waren die erneut zunehmenden Befürchtungen über eine Eskalation des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland sowie die möglichen Auswirkungen auf die Weizenexporte beider Länder. Bislang weisen die laufenden Statistiken jedoch für Russland und die Ukraine rekordhohe Ausfuhren bei Weizen und auch bei Gerste aus. Unterstützung erhielten die Preise zeitweise aus Kanada, wo die derzeit erwartete Weizenernte nicht ganz die Erwartungen der Analysten erfüllt. Sowohl Erntemenge als auch die Qualität könnte dort hinter den letzten Schätzungen zurückbleiben. Dennoch reichten diese Nachrichten nicht für einen nachhaltigen Preisanstieg.
 
Qualitätsprobleme beschäftigen den Markt weiter
Qualitätsprobleme wurden zuletzt auch aus den USA gemeldet, wo der Winterweizen wegen der Niederschläge während der Ernte offenbar in beträchtlichem Umfang mit Vomitoxin (Schimmelpilzgift) belastet ist. Gleichzeitig mindern Regenfälle im Norden des Landes die Qualität des Sommerweizens und verzögern zudem die Ernte (wie auch in Kanada). Hinzu kommt die anhaltende Diskussion über das Ausmaß der Qualitätsprobleme in Europa. Hier hatte das europäische Analystenhaus Strategie Grains letzte Woche den (erwarteten) Brotweizenanteil an der europäischen Gesamternte von zunächst erwarteten 67 % auf nur noch 59 % reduziert. Im Vorjahr (2013) betrug der Anteil Brotweizen 71 %. Allerdings ist die europäische Weizenernte insgesamt sehr groß und auch die sehr starken Exporte zum Beginn des Wirtschaftsjahres sprechen eigentlich gegen eine massive Verknappung des verfügbaren Angebots an exportfähigem Brotweizen.
 
EU-Weizenpreise pendeln weiter seitwärts
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise zum Ende der letzten Woche gestiegen (Ukrainekonflikt), nachdem die Kurse in der ersten Wochenhälfte zunächst deutlich abgesackt waren und sich zweitweise nur noch knapp über der psychologisch und technisch wichtigen Marke von 170 Euro/t halten konnten. Am Ende der letzten Woche (22.08) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) in Paris trotz der Preiserholung am Freitag nur 173,75 Euro/t und damit genau so viel wie am Freitag der Woche (173,75 Euro) zuvor und weiterhin 10 Euro weniger als zur Ernte 2013. Der Januarkontrakt notiert am Freitag bei 176,50 Euro/t. Futterweizen wurde am Terminmarkt in London für den November mit 153,6 Euro/t (122,25 GPB) gehandelt. Am heutigen Montag Vormittag (MEZ) beginnen die Weizenpreise den vorbörslichen elektronischen Handel in den USA erneut mit einem Minus. Diesem Trend dürfte sich der Markt in Europa zunächst einmal anschließen.
 
Europäische Kassapreise knapp behauptet
Am Kassamarkt hatten die Weizenpreise in der letzten Woche kaum verändert oder haben nochmals leicht nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen für den Septembertermin am letzten Freitag (22.08) mit 179 Euro/t und damit etwa 1 Euro niedriger als in der Woche davor (180 Euro). Am heutigen Montag (18.08) dürfte es angesichts der zu der Entwicklung am Terminmarkt kaum Veränderung geben. Die Preisvorstellungen für Brotweizen zur die Anlieferung im November lagen am Exporthafen in Hamburg am Freitag (22.08) bei 182 Euro/t und damit ebenfalls 1 Euro niedriger eine Woche zuvor (183 Euro). Futterweizen wurde in Hamburg am Freitag (22.08) unverändert mit 171 Euro notiert. Am südwestdeutschen Großmarkt in Mannheim bewegten sich die Preisangebote franko südwestd. Mühle für Brotweizen in der letzten Woche zwischen 165 Euro und 170 Euro und ab südwestd. Station zwischen 163 Euro und 165 Euro. Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen am letzten Freitag am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 174 Euro/t.
 
US-Weizen startet schwächer in die neue Woche
In den USA hatten die Weizenpreise am Ende der letzten Woche am Terminmarkt in Chicago um 1,0 % zugelegt und auch am Donnerstag gab es einen Preisaufschlag von gut 1,0 %. In der ersten Wochenhälfte hatten die Kurse in den USA allerdings nachgegeben. Derzeit kostete der in Chicago gehandelte Weizen gut 20 % bzw. umgerechnet etwa 38 Euro weniger als Ende August 2013. Der Septembertermin des Chicago-Weizen (SRW) beendete den Handel am Freitag (22.08) mit 153,72 Euro/t (552 Ct/bu) und damit 2,5 Euro teurer als vor einer Woche. Der Dezemberkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 156,57 Euro/t (562,2 Ct/bu ) und damit 2,0 Euro mehr als in der Woche zuvor. Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (September) gingen am Freitag am Terminmarkt mit 176,9 Euro/t (635 Ct/bu) aus dem Handel und der Sommerweizen (HRS) kostete am US-Terminmarkt 174,4 Euro/t (626,2Ct/bu). In die neue Woche startet der US-Weizen am Montag (25.08) im vorbörslichen elektronischen Handel mit einem Minus.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass.
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