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Analyse

Weizen: Ukrainekrise stützt Preise, Rekordernte bringt Druck

von , am
18.08.2014

Am Weizenmarkt beeinflussen weiterhin eine Reihe von Faktoren die Preise.

© landpixel
Am Weizenmarkt beeinflussen weiterhin eine Reihe von Faktoren die Preise. Neben der Ukrainekrise ist es vor allem die sehr große Ernte bei gleichzeitigen Qualitätsproblemen die den Markt beschäftigten. Nachdem die Weizenpreise die letzte Woche mit einer kräftigen Preiserholung beendeten, stehen die Kurse im vorbörslichen elektronischen Handel in den USA zum Beginn der neuen Woche bereits wieder unter Druck. Diese erneute Korrektur dürfte auch die Preise in Europa mit nach unten ziehen. Der Grund für den Preisanstieg vom Freitag und die Preisschwäche am heutigen Montag ist beide Male der Selbe: Der Konflikt im Osten der Ukraine und die vor diesem Hintergrund vom Markt erwarteten Auswirkungen auf das Weizen-Angebot an den Exportmärkten. Zunehmenden Einfluss auf die Weizenpreise gewinnen zudem auch Meldungen über eine schwache Weizenqualität in Europa und die Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von exportfähigem Brotweizen in den verschiedenen europäischen Ländern.
 
Zu wenig Brotweizen in Europa?
Die Analysten von Strategie Grains hatten den Anteil von Brotweizen an der (rekordhohen) europäischen Gesamternte zuletzt immer weiter reduziert. Dabei dürfte die zuletzt immer größer werdende europäische Weichweizen-Ernte den Rückgang des Brotweizen-Angebotes begrenzen. Zuletzt hatten die Analysten die Weizenernte für Polen und für das Vereinigte Königreich kräftig nach oben korrigiert und gleichzeitig eine europäische Rekordproduktion an Weichweizen vorhergesagt. Strategie Grains hat den Anteil von Brotweizen an der europäischen Gesamternte zuletzt von 67 % auf 59 % reduziert. Im Vorjahr (2013) betrug der Anteil Brotweizen 71 %. Der europäische Weizenexport läuft allerdings in den ersten sieben Wochen des neuen Wirtschaftsjahres ganz hervorragend, wie die aktuellen Daten der EU-Kommission zeigen. Mit 2,54 Mio. t liegt die Exportmenge nur ganz knapp unter den Rekordausfuhren des Vorjahres (2,65 Mio. t).
 
Große Ernte am Schwarzen Meer
Die letzten Meldungen von Schwarzen Meer lassen jedoch auch in Russland und der Ukraine sehr große Weizenernten erwarten. Allerdings meldete man derzeit auch aus Russland deutlich schwächere Weizenqualitäten als im Vorjahr. (durchschnittlich ein Prozent weniger Protein als 2013). Dennoch sind auch in Russland die Weizenpreise mit den sehr guten Erträge und dem sehr großen Angebot am russischen Binnenmarkt kräftig gefallen und machen den russischen Weizen am Weltmarkt sehr konkurrenzfähig, wie auch die laufenden Exporte verdeutlichen. Sowohl aus Russland als auch aus der Ukraine bewegen sich die Ausfuhren in den ersten Wochen des neuen Wirtschaftsjahres auf sehr hohem Niveau.
 
EU-Weizenpreise bewegen sich seitwärts
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise am Ende der letzten Woche gestiegen (Ukrainekonflikt), nachdem die Kurse zuvor die gesamte Woche unter Druck standen. Vor allem die Daten aus dem neuen USDA-Report über eine weltweite und europäische Rekordernte sowie sehr guten Ernten in Russland und Ukraine hatten die Weizenpreise massiv unter Druck gesetzt. Am Ende der letzten Woche (15.08) kostete der Weizen in Paris trotz der Preiserholung am Freitag nur 173,75 Euro/t und damit etwas weniger als eine Woche (174,25 Euro) zuvor und weiterhin rund 10 Euro weniger als zur Ernte 2013. Am heutigen Montag Vormittag (MEZ) beginnen die Weizenpreise den vorbörslichen elektronischen Handel in den USA mit einem Minus von 1 %. Diesem Trend dürfte sich der Markt in Europa zunächst einmal anschließen.
 
Kassapreise letzte Woche gefallen
Am Kassamarkt hatten die Weizenpreise in der letzten Woche zunächst zugelegt, sind dann aber am Ende der Woche wieder unter Druck geraten. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen für den Septembertermin am letzten Freitag (15.08) mit 180 Euro/t und damit deutlich niedriger als zum Ende der letzten Woche (186 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen zur die Anlieferung im November lagen am Exporthafen in Hamburg am Freitag (15.08) bei 183 Euro/t und damit ebenfalls deutlich niedriger als Euro eine Woche zuvor. Futterweizen wurde in Hamburg am Freitag mit 171 Euro notiert und damit noch und damit sogar 7 Euro preiswerter als vor einer Woche. Am Großmarkt in Mannheim lagen die Preisangebote franko südwestd. Mühle für Brotweizen Mitte letzter Woche zwischen 176 Euro und 178 Euro und ab Station zwischen 172 Euro und 174 Euro. .
 
US-Weizen zum Wochenbeginn unter Druck
In den USA hatten die Weizenpreise am Ende der letzten Woche am Terminmarkt in Chicago zunächst kräftig um 2,6 % zugelegt. In der ersten Wochenhälfte standen die Kurse nach dem USDA-Report allerdings massiv unter Druck und verloren fast 4 %. Derzeit kostete der in Chicago gehandelte Weizen gut 15 % weniger als im August  2013. In die neue Woche startet der US-Weizen am Montag (18.08) im vorbörslichen elektronischen Handel erneut mit einem Minus von 1,0 %. Der Septembertermin des Chicago-Weizen (SRW) beendete den Handel am Freitag (15.08) mit 151,3 Euro/t (551,2 Ct/bu) und damit 0,5 Euro teurer als vor einer Woche. Der Dezemberkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 154,65 Euro/t (563,4 Ct/bu ) und damit 0,5 Euro weniger.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
 
 
Ausführliche Informationen zu den Qualitätsproblemen in Europa finden Sie in dem Beitrag:
http://marktkompass.agrarheute.com/strategie-grains-weizen-august-2014
 
Hier finden Sie weitere Informationen und Ernteprognosen am Weltmarkt: http://marktkompass.agrarheute.com/s/usdaweizenaugust14
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