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Analyse

Weizen: US-Weizen immer teurer, EU-Preise stabil

von , am
17.03.2014

Seit dem letzten Tiefstand von Ende Januar sind die Weizenpreise in Chicago um 23 % gestiegen. Am Montag Vormittag beginnen die Weizenpreise in den USA und Europa den Handel allerings mit einem deutlichen im Minus.

© landpixel
 
Die politischen und ökonomischen Folgen der Krimkrise bleiben für die Entwicklung am Weizenmarkt ein permanenter Unsicherheitsfaktor. Das betrifft sowohl die Befürchtungen über eine mögliche Verknappung des Angebots an den Exportmärkten als auch die längerfristigen Konsequenzen für die landwirtschaftlichen Unternehmen und Getreidehändler in der Ukraine und in Russland. Darüber hinaus sorgten Ende der letzten Woche neue Daten über die immer dramatischer werdende Trockenheit in den wichtigsten US-Anbaustaaten für Winterweizen Kansas, Texas und Oklahoma für einen kräftigen Anstieg der US-Weizenpreise zum Wochenausklang.
 
US-Winterweizen mit immer schlechteren Aussichten
Ende der letzten Wochen wurden im Rahmen des US-Trockenheits-Monitors rund 67 % der Fläche in Kansas als zu trocken oder sogar extrem trocken eingestuft. Auch in Oklahoma und Texas nimmt die Trockenheit weiter zu und gefährdet Wachstum und Produktion des in diesen Staaten angebauten Winterweizens der Sorte Hard Red Winter (HRW). Dort ist seit einigen Wochen kein oder deutlich zu wenig Regen gefallen und auch in den nächsten Wochen erwarten US-Wetterdienste nur wenig Niederschlag. Beim weiter nördlich angebauten Weizen der Sorte Soft Red Winter (SRW) könnte die Produktion in Folge des extrem kalten Winters ebenfalls deutlich zurückgehen. In der letzten Woche schätzte der Verband der Mühlen in den USA, dass die Produktion von SRW von 15,3 Mio. t (565 Mio. bu) auf 11,9 Mio. t (437 Mio. t) in diesem Jahr einbricht. Das wäre ein Rückgang von 22 % bzw. 3,4 Mio. t.
 
Preisanstieg bremst US-Weizenexporte
Die laufenden US-Weizenpreise haben sich mit den weiter steigenden Preisen wieder abgeschwächt. In der letzten Woche bewegten sich die Weizen-Exporte der USA zudem am unteren Ende der Analysten-Erwartungen von 450.000 t bis 800.000 t. Vom USDA wurden Export-Verkäufe von 477.000 t Weizen gemeldet. Damit war die verkaufte Menge wieder kleiner als in der Woche zuvor (556.000 t) jedoch größer als vor zwei Wochen (365.500 t). Hauptabnehmer waren diesmal Nigeria (89.0000 t), Taiwan (83.100 t), Indonesien (71.500 t), Thailand (50.000 t), Mexiko, Japan und Vietnam. Insgesamt verkauften die Amerikaner in diesem Wirtschaftsjahr bisher 29,1 Mio. t Weizen ins Ausland und damit 4,9 Mio. t bzw. 20 % mehr als im letzten Jahr (24,22 Mio. t). Der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr ist zuletzt immer kleiner geworden.
 
Europäischer Export läuft weiter stabil
Die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) sind in der letzten Abrechnungswoche bis zum 11. März mit 571.000 t etwa stabil geblieben, nachdem in der Woche zuvor 563.000 t exportiert wurden. Deutschland verkaufte in der aktuellen Abrechnungswoche 91.000 t (Vw.: 362.000 t) Weizen in Drittländer und Frankreich 217.000 t (Vw. 126.000 t). Insgesamt bleiben die Deutschen knapp vor den Franzosen der größte Weizenexporteuer der EU. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich bislang  auf Drittlandsexporte von 6,54 Mio. t und Deutschland auf 6,61 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer bisher einen Umfang von 21,33 Mio. t. Das sind 7,17 Mio. t oder 50 % mehr als im letzten Jahr (14,16 Mio. t).
 
Weizenpreise in Chicago klettern immer weiter
Am Freitag (14.03) kletterten die Weizenpreise in den USA wegen der Trockenheit in den südlichen Anbaugebieten (HRW) für Winterweizen und den möglichen Ertragsausfällen im Norden (SRW) erneut deutlich nach oben. Dabei beendete der Märzkontrakt am Terminmarkt in Chicago (SRW) den Handel mit einem Aufschlag von 2 % bei umgerechnet 182,33 Euro/t (690,2 Ct/Bu) und der Maikontrakt kletterte auf 181,50 Euro/t (687,2,0 Ct/bu). Damit koste der Weizen in Chicago rund 10 Euro bzw. 6 % mehr als vor einer Woche. Die Preise für den in Kansas gehandelten US-Brotweizen (Hard Red Winter) legten am Freitag (14.03) ebenfalls um 2,0 % zu. Für den Maikontrakt kletterten die Kurse auf umgerechnet 198,5 Euro/t (751,4 Ct/bu) und der Julitermin ging mit rund 197 Euro (745,6 Ct/bu) aus dem Handel. Seit dem letzten Tiefstand von Ende Januar sind die Weizenpreise in Chicago damit um 23 % gestiegen. Am Montag Vormittag lagen die US-Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel allerdings deutlich im Minus.
 
Europäischer Weizen zuletzt wenig verändert
In der Europäischen Union haben sich die Weizenpreise am Freitag behauptet (Mai) oder für die späteren Termine sogar leicht nachgegeben. Ein Grund für den moderaten Preisrückgang dürfte die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar sein. Am Freitag (14.03) kostete der Weizen für den Mai an der MATIF knapp 211,50 Euro/t und eben so viel wie am Vortag und 1,50 mehr wie letzte Woche. Die neue Ernte (November) kostete am Freitag mit 201,75 Euro/t einen Euro weniger. Am europäischen Kassamarkt haben die Weizenpreise Ende der Woche ebenfalls etwas nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (14. März) mit 213 Euro/t und damit 3 Euro preiswerter als am Vortag, jedoch 1,0 Euro teurer wie eine Woche zuvor. A-Weizen wurde mit 215 Euro/t (-3) notiert. Gleichzeitig lagen die Exportpreise für Brotweizen an den deutschen Ostseehäfen (fob) zwischen 218 und 223 Euro/t (Vw.: 217 und 222 Euro/t). Die Exportpreise für deutschen A-Weizen (fob Ostseehafen) bewegten sich zwischen 220 und 225 Euro (Freitag: 219 und 224 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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