Login
Analyse

Weizen: USDA-Report drückt Weizenpreise auf neue Tiefs

von , am
12.09.2014

Wann finden die Weizenpreise endlich einen neuen Haltpunkt? Der neue USDA-Report hat jedenfalls nicht zu einer Marktstabilisierung beigetragen.

© landpixel
Wann finden die Weizenpreise endlich einen Haltpunkt? Der neue USDA-Report hat jedenfalls nicht zu einer Marktstabilisierung beigetragen obwohl die neuen Daten indirekt auch die (massiven) Qualitätsprobleme einer ganzen Reihe von Exporteuren widerspiegeln. Das lässt sich auch an dem noch einmal kräftig nach oben gesetzten globalen Anteil Futterweizen erkennen. Der Weizenmarkt hat auf die neuen Marktdaten des USDA mit einem weiteren kräftigen Preisrückgang reagiert. Am US-Terminmarkt gaben die Weizenpreise für den Dezembertermin am Donnerstag um 2 % nach. Am Ende des Handelstages notierte der Weizen in Chicago für den Dezembertermin nur noch knapp über der 500 Ct/Bushel-Marke bei umgerechnet knapp 145 Euro/t (509 Ct/bu). Seit Mai 2014 sind die Weizenpreise in den USA damit um 33 % oder  67 Euro zurückgegangen. Das sind die niedrigsten Preise seit Ende Juni 2010 also seit gut 4 Jahren. Am Freitag beginnen die Weizenpreise in den USA den vorbörslichen Handel erneut im Minus.
 
Europäischer Weizenpreis fällt unter 165 Euro
Am europäischen Terminmarkt rutschten die Weizenpreise im Vorfeld des USDA-Reports für den Novemberkontrakt am Donnerstag ebenfalls bis auf 164 Euro nach unten und markierten damit einen neuen Tiefstand. Bis zum Märztermin liegen die Weizenpreise am Terminmarkt unterhalb von 170 Euro/t. So niedrig waren die Weizenpreise in Europa zuletzt Mitte Juli 2010 also vor reichlich 4 Jahren. Seit Mai 2014 (210 Euro) haben die Weizenpreise in Europa um 22 % oder 46 Euro nachgegeben. Am Freitag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise in den USA im elektronischen vorbörslichen Handel erneut im Minus. Die europäischen Weizenpreise dürften den Vorgaben aus den USA wohl folgen.
 
Produktion erreicht neuen Rekordwert, Bestände wachsen
Im September-Report geht das USDA für 2014/15 von einer globalen Rekordernte bei Weizen von 720 Mio. t aus. Im Vergleich zur letzten Schätzung vom August (716 Mio. t) ist dies ein weiterer Anstieg von 4 Mio. t. Nach oben korrigiert hat das USDA die Ernte in Europäischen Union und auch in der Ukraine. Im Vergleich zur bisherigen Rekordernte aus dem letzten Jahr von 714 Mio. t ist die neue Ernte 6 Mio. t größer und damit die größte jemals eingebracht Weizenernte. Der globale Verbrauch wurden gegenüber der August-Prognose um 3 Mio. t auf 710 Mio. t nach oben gesetzt (Vj. 703 Mio. t). Der globale Verbrauch von Futterweizen ist mit knapp 138 Mio. t rund 3 Mio. t größer als im August erwartet wurde und 6 Mio. t größer als im Vorjahr (129 Mio. t). Die globalen Bestände wurden im Vergleich zum August-Report von 193 Mio. t auf gut 196 Mio. t nach oben gesetzt und sind damit rund 10 Mio. t größer als im letzten Wirtschaftsjahr (186 Mio. t). Die globale Handelsmenge wächst von 152 Mio. t auf 155 Mio. t, liegt damit aber immer noch 7 Mio. t unter dem bisherigen Rekordwert aus dem letzten Wirtschaftsjahr von 162 Mio. t.
 
Europäer mit Rekordernte bei Weichweizen
Die neue europäische Weizenernte (Weichweizen und Durum) hat das USDA im September-Report um 3,1 Mio. t auf 151 Mio. t nach oben gesetzt. Damit wäre die neue Weizenernte rund 8,0 Mio. t größer als im letzten Jahr (143,1 Mio. t). Gleichzeitig wär dies die bislang größte europäische Weichweizenernte (rund 144 Mio. t) überhaupt und die zweitgrößte europäische Gesamternte (Weichweizen und Durum) nach 2008 (151,9 Mio. t). Der europäische Export soll im neuen Wirtschaftsjahr von der aktuellen Rekordausfuhr von 31,5 Mio. t (!!) um 5,5 Mio. t auf 26,0 Mio. t zurückgehen. Im August-Report hatte das USDA noch einen europäischen Export von 25,0 Mio. t erwartet. Mit der derzeit erwarteten Ausfuhrmenge wären die Europäer im neuen Wirtschaftsjahr ganz knapp vor den USA (25,0), jedoch vor Russland (22,5), Kanada (22) und Australien (19,5) der größte globale Weizenexporteur.
 
Russische Produktion und Exporte auf hohem Niveau
Unverändert bei 59 Mio. t belassen hat das USDA die Ernteprognose für Russland. In ihrem Julireport (also vor zwei Monaten) gingen die USDA-Analysten lediglich von einer Produktion von 53 Mio. t aus, nach einer Ernte von 52 Mio. t im letzten Jahr (2013). Die durchschnittlichen Erträge der russischen Weizenernte (Winter und Sommerweizen) schätzt dass USDA derzeit etwa 11 % höher als im letzten Jahr und die Erntefläche ist mit rund 23,75 Mio. ha rund 0,35 Mio. ha größer. Das Exportpotential der Russen erwartet das USDA für die Saison 2014/15 unverändert bie 22,5 Mio. t, nach 19,5 Mio. t vor zwei Monaten (Juli) und 18,5 Mio. t im noch letzten Wirtschaftsjahr sowie lediglich 11,3 Mio. t vor zwei Jahren. Die russischen Endbestände wachsen sehr deutlich von 5,5 Mio. t auf 8,2 Mio. t.
 
Mehr Weizen in der Ukraine, unverändert in Kasachstan
Für die Ukraine erwartet das USDA im September-Report eine Weizenernte von 24 Mio. t nach 22 Mio. t im August-Report und 22,3 Mio. t im letzten Jahr. Das wäre eine zum Vorjahr knapp 2,0 Mio. t größere Produktion . Gründe für die Aufwärtskorrektur der Produktion sind die sehr guten Erträge die etwa 18 % höher sind als im letzten Jahr. Das ukrainische Exportpotential erwartet das USDA im September-Report bei 10,0 Mio. t nach 9,0 Mio. t im August und 9,75 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr (2013/14) sowie 7,2 Mio. t vor zwei Jahren. Für Kasachstan rechnet das USDA wie schon im August mit einer Erntemenge von 13,5 Mio. t nach 13,94 Mio. t im letzten Jahr (2013). Die kasachischen Exporte werden jetzt allerdings bei 6,5 Mio. t erwartet nach 6,0 Mio. t im Augustreport und 8,3 Mio. t in der letzten Saison.
 
US-Ernte unverändert, Bestände wachsen
Die Weizenernte für die USA wurde vom USDA unverändert zum Augustreport bei 55,2 Mio. t belassen. Grund ist die schleppende Ernte beim Sommerweizen. Im letzten Jahr (2013) ernteten die US-Farmer 57,96 Mio. t Weizen und vor zwei Jahren (2012) sogar 61,7 Mio. t. Die aktuelle US-Ernte wäre damit knapp 5 % kleiner als 2013 und 10 % kleiner als 2012. Trotzdem der kleineren Ernte (als 2013) wachsen die US-Endbestände von 16,1 Mio. t (2013) auf 19,0 Mio. t und damit stärker als noch im August-Report erwartet (18 Mio. t). Grund sind die etwas kleineren Exporte sowie der unter dem Vorjahr bleibende Verbrauch am Binnenmarkt. Die Exporterwartung für die USA hat das USDA im September um 0,5 Mio. t auf 25,0 Mio. t nach unten gesetzt und bleibt damit deutlich unter dem Vorjahr mit 31,5 Mio. t.
 
Kanada und Australien mit hohen Exporten
Die Schätzungen zur kanadischen Ernte blieben im September unverändert. Die Kanadier sollen nach der Riesenernte im letzten Jahr von 37,5 Mio. t infolge einer deutlichen Anbaueinschränkung und schwieriger Erntebedingungen nur noch 28,0 Mio. t ernten. Das wäre jedoch immer noch die bislang zweitgrößte Ernte. Die Exporte der Kanadier bleiben im kommenden Wirtschaftsjahr 2014/15 (wegen der riesigen Lagerbestände von fast 10 Mio. t) mit rund 22 Mio. t nach 22,1 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr unverändert hoch. Für Australien senkt das USDA die Ernteschätzung auf Basis der bisherigen Witterungsverhältnisse (Aussaat Mai/Juni) leicht um 0,5 Mio. t auf 25,5 Mio. t. Die gute Erntemenge aus dem letzten Jahr von 27 Mio. t wird nicht ganz erreicht. Die Exportprognosen wurden wie im August bei 19,5 Mio. t belassen und liegen damit sogar über den Ausfuhren aus dem letzten Wirtschaftsjahr von 18,3 Mio. t.
 
Ägypten mit stabilen Importen, China mit Rekordernte
Argentinien wird nach Einschätzung des USDA im aktuellen Wirtschaftsjahr wieder deutlich mehr Weizen exportieren (vor allem nach Brasilien). Nach einer Ernte von 10,5 Mio. t und Exporten von nur 1,6 Mio. t in der letzten Saison, rechnet das USDA für das neue Wirtschaftsjahr mit einer argentinischen Produktionsmenge von 12,3 Mio. t (Ernte Dez./Jan) und mit Exporten von 6,3 Mio. t. Indiens Ausfuhren gehen hingegen trotz einer im September-Report bestätigten Rekord-Ernte von 95,85 Mio. t (Vj. 93,5 Mio. t) von 5,4 auf 2,0 Mio. t zurück. Mehr Weizen als im letzten Jahr soll mit 6,3 Mio. t (Vj. 5,3 Mio. t) zudem Brasilien ernten. In der Folge schrumpfen die brasilianischen Weizenimporte von 7,1 Mio. t auf 6,5 Mio. t. Die Importmenge des weltweit größten Importeurs Ägypten erwartet das USDA relativ stabil bei 10,3 Mio. t nach 10,2 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Für China liegt die Ernteprognose im September-Report unverändert bei 126 Mio. t (Rekord) nach 121,7 Mio. t im letzten Jahr. Damit geht auch der chinesische Import von 6,7 auf 2,0 Mio. t zurück, während die chinesischen Lagerbestände um 3 Mio. t auf den Rekordwert von 63 Mio. t (!!) bzw. ein Drittel der globalen Weizenbestände anwachsen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
Auch interessant