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Analyse

Weizen: Weizenpreise finden neuen Boden

von , am
16.06.2014

Am Weizenmarkt scheinen die Preise nach den kräftigen Korrekturen der letzten Woche allmählich einen Boden zu finden.

© landpixel
 
Am Weizenmarkt scheinen die Preise nach den kräftigen Korrekturen der letzten Woche allmählich einen Boden zu finden. Die neue Woche beginnt in Übersee im elektronischen vorbörslichen Handel mit einer moderaten Preiserholung und am Freitag (13.06) der letzten Woche hatten sich die Kurse an den Terminmärkten bereits behauptet. Auch in Europa startet der Markt am Montag mit etwas festeren Preisen. Allerdings stabilisieren sich die Weizenpreise in Europa und in Übersee deutlich unterhalb der Marken, die vor dem letzten USDA-Report die technischen und psychologischen Untergrenzen bildeten.
 
Preise konsolidieren sich auf neuem Niveau
Am Terminmarkt in Chicago rutschte der Weizenpreis letzte Woche zunächst unter die Marke von 600 Ct/bu (163 Euro) und dann sogar unter 590 Ct/bu (160 Euro) ab  und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2014. In Europa fielen die Kurse relativ deutlich unter die Unterstützungslinie von 190 Euro ( auf 187 Euro) und damit sogar auf den tiefsten Stand seit der Ernte 2013. Deutlich wurden die veränderten Verhältnisse am internationalen Markt zudem durch die aktuelle Weizenauktion Ägyptens. Dort wurde der Weizen rund 40 USD/t bzw. etwa 15 % unter den Preisen der letzten Auktion von Mitte Mai gehandelt und markierte damit das neue Preisniveau am Weltmarkt. Frankreich und die USA waren allerdings immer noch zu teuer, während der Weizen aus Russland und Rumänien am günstigsten angeboten wurde und den Zuschlag erhielt.
 
USA: Regen verzögert Ernte und bringt Qualitätsprobleme
Die Stabilisierung der Weizenpreise zum Wochenbeginn ist sicherlich auch eine technische Reaktion auf den massiven Preisrutsch der letzten Wochen. Zum anderen verzögert der jetzt (zu spät) in den Winterweizen-Anbaugebieten der USA (Oklahoma Kansas) fallende Regen, die bereits begonnene Ernte und verschlechtert die Qualität des geernteten Weizens. Das USDA hatte die erwartete US-Winterweizenernte und die möglichen US-Exporte im letzten USDA-Report nochmals nach unten korrigiert. Gleichzeitig ging es für die Ernte und die möglichen Exporte der EU und Russlands nach oben. Wiederholt berichteten Analysten allerdings über Trockenheit im Wolgabiet und die Gefahren für den dortigen Weizen. Diese Woche sollen allerdings leichte Regenfälle für eine gewisse Entspannung der Situation in der Wolgaregion sorgen. Zudem liegen die Hauptanbaugebiete für den russischen Winterweizen (für den Export) in Südrussland und dort steht der Weizen ganz hervorragend, was offenbar auch zu der Aufwärtskorrektur der russischen Ernte durch das USDA geführt hat.
 
US-Weizen startet fester in die neue Woche
Am heutigen Montag (16.06)  Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in den USA moderat im Plus. Am letzten Freitag (13.06.) hatten die Preise am US-Terminmarkt weitgehend unverändert geschlossen, nachdem die Kurse im Wochenverlauf um knapp 5 % gefallen waren. Der Julikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag (13.06) mit umgerechnet 159,2 Euro/t (586 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezembertermin) kostete 167,8  Euro/t (617 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die alte Ernte 6,50 Euro und für die neue Ernte 7 Euro weniger als vor einer Woche und der Preisabstand zwischen beiden Terminen beträgt knapp 9 Euro. Außerdem sind die US-Weizenpreise  seit dem 6 Mai um rund 21 % oder umgerechnet 42 Euro/t gefallen.
 
EU-Weizen für die neue Ernte billiger
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche unter die 190-Euro-Marke bis auf 187 Euro gefallen. Das war der niedrigste Weizenpreis seit der Ernte 2013 (August). Am Freitag (13.06.) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF 187,25 Euro/t und damit gut 3 Euro weniger als vor einer Woche. Am Kassamarkt haben vor allem die Weizenpreise für die neue Ernte nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen für den Junitermin am Freitag (13.06) mit 193 Euro/t und damit eben so teuer wie eine Woche zuvor. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg hingegen mit 190 Euro/t notiert und damit 5 Euro unter dem Preis der letzten Woche. Damit kostet die neue Ernte auch 3 Euro weniger als die alte Ernte.
 
Export stützt die EU-Weizenpreise
In der Abrechnungswoche bis zum 10. Juni verkauften die Europäer erneut 464.000 t Weizen (Lizenzen) in Drittländer. In der Woche zuvor wurden 285.000 t verkauft und vor drei Wochen waren es 530.000 t. Deutschland verkaufte in der letzten Abrechnungswoche 146.000 Weizen in Drittländer und Frankreich 236.000 t. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich jetzt auf Drittlandsverkäufe von 8,87 Mio. t und Deutschland auf 8,80 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer bis zum 10. Juni einen Umfang von 27,19 Mio. t. Das sind 8,83 Mio. t oder 48 % mehr als im letzten Jahr (18,36 Mio. t) und zudem ein neuer Ausfuhrrekord der Europäer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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