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Analyse

Weizen: Weizenpreise gehen durch die Decke

von , am
16.04.2014

Am Weizenmarkt ist die Preisrallye offensichtlich noch zu Ende.

© landpixel
 
Am Weizenmarkt ist die Preisrallye offensichtlich noch nicht zu Ende. Am Dienstag schossen die Weizenpreise in den USA um 3,4 % nach oben und durchbrachen zudem erneut die wichtige 700-Ct/Buschel-Marke. In Europa betrug der Preisaufschlag ebenfalls 3,5 % und die Preise stiegen auf den höchsten Stand seit 11 Monaten. Auslöser für die Preisrally war zum einen die weitere Eskalation des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland und die erwarteten Konsequenzen für den Getreidemarkt. Sowohl der aktuelle Export könnte betroffen sein, vor allem aber auch die neue Ernte. Die fortgesetzte Abwertung der ukrainischen Währung beschränkt die Kreditvergabe für Landwirte und die Finanzierung der laufenden Feldarbeiten. Für Russland könnte es im Rahmen von internationalen Sanktionen auch zu Exportbeschränkungen kommen.
 
Trockenheit und Frost in den USA
Preistreibend wirkt sich zudem die weitere Verschlechterung des Zustandes des US-Winterweizens aus. Betroffen ist in diesem Fall die neue US-Ernte und damit auch das Exportpotential beim weltweit größten Exporteur im kommenden Wirtschaftsjahr. Dabei hat sich neben der immer schlimmer werdenden Trockenheit in den wichtigsten Weizenanbaugebieten jetzt zusätzlich ein massiver Kälteeinbruch in Kansas und Oklahoma mit teilweise sehr kräftigen Frösten preistreibend ausgewirkt. Eine Reihe von Analysten geht sogar von größeren Auswinterungsschäden beim ohnehin erheblich geschwächten Winterweizen aus. Die Folge der Wetterextreme ist, dass die Preise gestern nicht nur in den USA und Europa kräftig gestiegen sind, sondern auch in Kanada und bei anderen wichtigen Weizenexporteuren.
 
US-Weizen kostet 26 % mehr als Ende Januar
Am Dienstag kletterten die US-Weizenpreise in Chicago für den aktuellen Maikontrakt um 3,4 % auf umgerechnet 186 Euro/t (701,6 Ct/bu) nach oben und durchbrachen damit erneut die für technische Analysten wichtige 700-Ct-Bushel-Marke. Die neue Ernte (Dezember) kostete 194 Euro/t (731,4 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für den Maitermin 6 % bzw. etwa 11 Euro mehr als am letzten Freitag (11.04). Gleichzeitig kostet die neue US-Ernte rund 8 Euro mehr als der aktuelle Weizen. Der in Kansas gehandelte Brotweizen (Hard Red Winter) kletterte am Dienstag für den aktuellen Maikontrakt ebenfalls um 3,2 % auf umgerechnet 203 Euro/t (765,4 Ct/bu) nach oben. Die neue Ernte (Dezember) ging  beim HRW mit rund 209 Euro (786,6 Ct/bu) aus dem Handel. Gegenüber dem letzten Tiefstand von Ende Januar sind die Weizenpreise in Chicago derzeit 26 % höher. Gegenüber der jüngsten Preisspitze vom 20. März sind die US-Preise derzeit nur noch 3 % niedriger.
 
Teuerster EU-Weizen seit 11 Monaten
In der Europäischen Union haben die Weizenpreise am Dienstag mit den steigenden US-Preisen und gestützt durch die starken Exporte ebenfalls kräftig zugelegt. Am Dienstag (15.04) kostete der Weizen für den Maitermin an der MATIF rund 221 Euro und damit 3,5 % oder 7 Euro/t mehr als am Vortag und sogar fast 12 Euro mehr als am letzten Freitag (11.04). Das ist zudem der höchste Weizenpreis seit 11 Monaten (Mai 2013). Die neue Ernte (November) wurde am Dienstag mit knapp 210 Euro/t gehandelt und damit 5,0 Euro teurer als am Vortag und 10,0 Euro teurer als letzten Freitag. Gegenüber dem letzten Tiefstand von Ende Januar sind die Weizenpreise in Europa derzeit 16 % höher.
 
EU-Kassapreise legen weiter zu
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise bereits mit Rallye am Montag gestiegen und dürften heute den Aufschlag von gestern noch nachvollziehen. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Dienstag Vormittag (15. April) mit 213,5 Euro/t und damit 7 Euro teurer als am letzten Freitag (11.04) und 8,0 Euro teurer als eine Woche zuvor. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg am Dienstag mit 207 Euro/t notiert und damit 5,0 teurer als am Freitag und 6 Euro unter den aktuellen Preisen. Futterweizen zur Lieferung im April kostete in Hamburg am Dienstag 210 Euro/t und damit 4 Euro mehr als am Freitag und A-Weizen wurde mit 216,50 Euro/t notiert und damit 7,00 über dem Preis vom Freitag.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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