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Analyse

Weizen: Weizenpreise können Niveau nicht halten, Exportauktion und Erntedruck

von , am
25.06.2014

Am Weizenmarkt hat sich die Abwärtsbewegung der Preise fortgesetzt

© landpixel
Am Weizenmarkt hat sich die Abwärtsbewegung der Preise zum Wochenbeginn sowohl in Europa als auch in den USA fortgesetzt.Eine ganze Reihe von Faktoren drücken derzeit auf die Preise und halten die Kurse unten. Zum einen nimmt in den USA der Druck aus der laufenden Ernte ungeachtet der befürchteten Qualitätsprobleme (Vomitoxin) beim Brotweizen zu. Zum anderen hat das USDA in seinem aktuellen Crop-Monitoring die Bonitierung des Winterweizen nicht weiter nach unten korrigiert. In Europa lassen zudem die jüngsten Ernteprognosen (COCERAL, Strategie Grains) eine sehr große Weizenernte und reichlich Weizen für den Binnenmarkt und für den Export erwarten. Gleichzeitig sind sowohl Frankreich als auch die USA bei der aktuellen Exportauktion Ägyptens nicht zum Zuge gekommen, was einen Eindruck von den aktuellen Wettbewerbsverhältnissen an den Exportmärkten gibt. Gewinner waren Russland und erneut Rumänien. Das EU-Mitglied Rumänien war bereits im letzten Jahr der wichtigste Lieferant für Ägypten.
 
Russland und Rumänien sind Preisführer
Ägypten kaufte zum Wochenbeginn 180.000 t Weizen  im Rahmen einer Auktion. Davon kamen 120.000 t aus (in zwei Partien) Rumänien zum fob-Preis von jeweils 252,28 USD/t (185,5 Euro). Weitere rumänische Angebote wurden für 255,74 USD (188 Euro) und 266 USD/t (195 Euro) offeriert, kamen aber nicht zum Zug. Im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr hat Rumänien insgesamt 1,9 Mio. t Weizen nach Ägypten  verkauft. Russland erhielt ebenfalls einen Zuschlag über 60.000 t Weizen zum fob-Preis von 251,74 USD/t (185 Euro). Weitere russische Angebots-Preise (fob) lagen zwischen 258.59 USD/t (190 Euro)und 262 USD/t (193 Euro) vor. Das günstigste Angebot aus Frankreich lag bei 257,69 USD/t (189 Euro) und US-Weizen (SRW) wurde für 264 USD/t 194 Euro) angeboten und lag damit bereits im fob-Preis, aber erst recht mit den noch dazu kommenden Transportkosten mit Abstand am höchsten. Aber auch der Abstand des französischen Weizens zu den Siegerpreisen der Auktion führte zu weiterem Preisdruck in Westeuropa.
 
USA: Ein Drittel des Winterweizens geerntet
Auch der Druck aus der laufenden US-Weizenernte führte zu einem Rückgang der US-Kassamarktpreise und zu Preisdruck an den Terminmärkten. Anfang dieser Woche waren in den USA ein Drittel (33 %) des Winterweizen geerntet und damit mehr als manch Analyst wegen der starken Regenfälle der letzten Woche geglaubt hatte und sogar mehr als im langjährigen Mittel (31 %). Der Zustand des US-Winterweizens hat sich nach Einschätzung des USDA ebenfalls nicht weiter verschlechtert. 30 Prozent der Pflanzen waren in guter oder sehr guter Verfassung und bei 44 % war der Zustand schlecht oder sehr schlecht. Das ist sogar etwas besser als im ebenfalls schon sehr schwachen Vorjahr. Bezogen auf die Erntefläche entspricht der bisherige Erntefortschritt von 33 % etwa 4,3 Mio. ha von 13,18 Mio. ha abzuerntender Winterweizenfläche. Die bislang eingebrachte Produktionsmenge liegt damit etwa bei 12,39 Mio. t von einer insgesamt erwarteten Winterweizenernte von 37,59 Mio. t (Vj. 41,76 Mio. t). Am weitesten war die Ernte in Oklahoma mit 74 % fortgeschritten, nach 47 % in der Vorwoche und 74 % im langjährigen Mittel. In Texas waren ebenfalls schon 69 % der Flächen abgeerntet, nach 40 % in der Vorwoche und in Kansas hatte man 24 % des Weizens von den Feldern geholt nach 2 % in der Vorwoche und 34 % im langjährigen Mittel. Diese Woche wird es zudem wieder trockener und die Ernte könnten eine kräftigen Schub erhalten, während die Preise wohl erst einmal weiter unter Druck bleiben..
 
US-Weizen gibt nochmals kräftig nach
Von letzten Freitag (20.06) bis Dienstag (24.06) haben die US-Weizenpreise in Chicago um weitere 3,4 % nachgegeben. In den ersten beiden Wochentagen betrug der Abschlag knapp 2,5 %. Am heutigen Mittwoch Vormittag (MEZ) bewegen sich die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in den USA zunächst seitwärts. Am Dienstag (24.06.) hatten die Preise am US-Terminmarkt deutlich um 1,5 % nachgegeben.Der Julikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Dienstag (23.06) mit umgerechnet 154 Euro/t (571 Ct/Bu). Die neue Ernte (Septembertermin) kostete 157 Euro/t (580,6 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die alte und für die neue Ernte 4 Euro weniger als zum Wochenbeginn und der Preisabstand zwischen beiden Terminen beträgt 3 Euro. Seit dem 6. Mai haben die US-Weizenpreise (SRW) rund 23 % oder umgerechnet 46 Euro/t verloren.
 
EU-Weizen kann Niveau nicht halten
In der Europäischen Union standen die Weizenpreise zum Wochenbeginn ebenfalls unter Druck und sind bis unter die Marke von 187 Euro/t gefallen. Mit 186,50 Euro/ t waren die Preise im Vergleich zum Wochenbeginn 1,0 % oder 2,0 Euro niedriger. Damit rutschten die Weizenpreise auf das niedrigste Niveau seit dem Herbst 2013 (185 Euro). Am letzten Freitag (20.06.) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF  noch 188,25 Euro/t und damit knapp 1 Euro mehr als vor einer Woche. Am heutigen Mittwoch Vormittag (MEZ) beginnen die Weizenpreise an den Handel mit einer Seitwärtsbewegung. Am Kassamarkt haben sich die Weizenpreise für die alte Ernte weiter behauptet und für die neue Ernte erneut nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen für den Junitermin am Dienstag (24.06) unverändert mit 193 Euro/t und damit eben so teuer wie zum Wochenbginn. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg hingegen mit 190 Euro/t notiert und damit 3 Euro niedriger. Damit kostet die neue Ernte auch 3 Euro weniger wie die alte Ernte.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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