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Analyse

Weizen: Weizenpreise auf Talfahrt, Brotweizen knapp

von , am
15.09.2014

Die Weizenpreise testen immer neue Tiefstände.

© krick/agrar-press
Die Weizenpreise testen immer neue Tiefstände. Dabei erwarteten viele Händler und Analysten bereits seit Wochen eine Bodenbildung bei den Preisen. Nun hat der letzte USDA-Report die Weizenpreise in Übersee und Europa erneut auf Talfahrt geschickt und den Markt massiv unter Druck gesetzt. Am Terminmarkt in Europa haben sich die Notierungen zuletzt nur noch knapp über Marke von 160 Euro/t gehalten und in den USA fallen die Weizenpreise am Montag Vormittag (15.09)  im elektronischen vorbörslichen Handel erstmals unter die Marke 500 Ct/Buschel (141 Euro). Das dürfte heute auch in Europa für weiteren Preisdruck sorgen. Grund ist die noch weiter nach oben gesetzte globale Rekordproduktion bei Weizen die schneller zunimmt als der Verbrauch und zu einem kräftigen Anwachsen der globalen Weizenbestände führt. .
 
Frankreich kauft Brotweizen in Deutschland
Dabei sind gerade am Weizenmarkt nicht alle Daten bärisch. Die massiven Qualitätsprobleme einiger großer Exporteure müssten die Preise eigentlich stützen. Sowohl in den USA und in Europa als auch vom Schwarzen Meer melden Analysten und Händler trotz der sehr großen Angebotsmenge ein knappes Angebot an Brot- und Qualitätsweizen. Der größte europäische Exporteur Frankreich, hat zuletzt nach Berichten von Händlern offenbar 100.000 t Brotweizen in Deutschland gekauft. Gleichzeitig haben die Franzosen bei einer Ausschreibung über die Lieferung von 400.000 Weizen nach Algerien, wegen ihrer Qualitätsprobleme, keinen Zuschlag erhalten. Die Getreideagentur der französischen Agrarbehörde France Agrimer meldete zudem letzte Woche, dass nicht einmal die Hälfte der französischen Weizenernte Backqualität erreicht, während es im letzten Jahr mehr als 90 % waren. Vor diesem Hintergrund rechnen die Franzosen mit einem Rückgang ihrer Drittlandesexporte um ein Drittel auf 8 Mio. t. Anderseits ist das Angebot an Futterweizen am europäischen Markt sehr groß und drückt stark auf die Preise.
 
Europäische Exporte über Vorjahr, Importe auch
Letzte Woche meldet die Europäische Kommission für die ersten elf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres rekordhohe Weizenexporte in Drittländer. Mit Ausfuhren von bislang 5,3 Mio. t sind die aktuellen Exporte größer als im Rekordjahr 2013/14 (5,18 Mio. t) und passen eigentlich nicht zu der gemeldeten akuten Knappheit beim Brotweizenangebot. Dabei hat zuletzt vor allem Deutschland Weizen ins Ausland verkauft und erreicht bereits eine Ausfuhrmenge von 1,4 Mio. t. Damit liegen die Deutschen nur noch ganz knapp hinter Frankreich mit Ausfuhren von 1,59 Mio. t und deutlich vor Rumänien mit 0,96 Mio. t. Gleichzeitig sind jedoch auch die Weizenimporte in die Europäische Union mit 1,1 Mio. t  viermal größer als im letzten Jahr mit 0,27 Mio. t und lassen den zusätzlichen Bedarf an bestimmten Qualitäten am Binnenmarkt erkennen.
 
EU-Weizenpreise noch knapp über 160 Euro
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise in der letzten Woche um gut 5 % bzw. knapp 10 Euro gefallen. Am Ende der letzten Woche (12.09) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris noch 162,75 Euro/t und damit 9,25 Euro weniger als am Freitag vor einer Woche (172 Euro) und zudem 24 Euro weniger als im September 2013 (186,75 Euro). Der Januarkontrakt notiert am Freitag bei 166,50 Euro und damit 8,50 Euro billiger als in der Vorwoche (Vw.: 175,0) und der März ging mit 168,25 Euro aus dem Handel. Futterweizen wurde am Freitag(12.09) am Terminmarkt in London für den November mit 141,3 Euro/t (112,45 GPB) gehandelt und damit rund 8,0 Euro billiger als in der Woche (119 GPB) zuvor und für den Januar lagen die Preise bei  144,21 Euro (114,75 GPB).
 
Kassapreise sind sehr kräftig gefallen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Woche kräftig gefallen. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am letzten Freitag (12.09) mit 170 Euro/t und damit etwa 10 Euro billiger als am Freitag zuvor (180 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen mit 12 % Protein zur die Anlieferung im November lagen am Exporthafen in Hamburg am Freitag (12.09) bei 175 Euro/t und damit 7 Euro niedriger als letzte Woche (182 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 175 Euro/t (Vw: 185) geboten und Futterweizen wurde mit 164 Euro (Vw. 172 Euro) gehandelt. In Südwestdeutschland lagen die Preisangebote franko südwestd. Mühle für Brotweizen mit 11,5 % Protein Ende der vorigen Woche bei etwa 155 Euro (Vw: 165 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am Freitag am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 160 Euro/ und damit 9 Euro weniger als in der Vorwoche (169 Euro/t).
 
US-Weizen findet keinen Halt
In den USA haben die Weizenpreise in der letzten Woche am Terminmarkt in Chicago um weitere 6,5 % nachgegeben. Damit kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) rund 28 % bzw. umgerechnet etwa 57 Euro weniger als Anfang September 2013 (199 Euro/t). Der Dezemberbertermin des Chicago-Weizen (SRW) beendete den Handel am Freitag (12.09) bei 141,6 Euro/t (502,4 Ct/bu) und damit 9,4 Euro preiswerter als vor einer Woche (151 Euro). Der Märzkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 142,7 Euro/t (520 Ct/bu ) und damit fast 10 Euro weniger als eine Woche zuvor (152 Euro). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (Dezemberkontrakt) gingen am Freitag (12.09) am Terminmarkt mit 167,1 Euro/t (593,2 Ct/bu) aus dem Handel (- 5,6 Euro). Demgegenüber kostete der Sommerweizen (HRS) am US-Terminmarkt 163 Euro/t (578 Ct/bu) und damit 12 Euro weniger als letzte Woche. Am heutigen Montag (15.09) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago  im Minus und sind zudem unter die 500 Ct-Marke gefallen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass.
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