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Analyse

Weizen: Wettbewerb im Export drückt Weizenpreis unter 154 Euro

von , am
22.09.2014

Noch immer hat der Weizenpreis keinen Boden gefunden. Am europäischen Terminmarkt sind die Preise am Ende der letzten Woche bis auf 153,50 Euro abgestürzt .

© landpixel
Noch immer hat der Weizenpreis keinen Boden gefunden. Am europäischen Terminmarkt sind die Preise am Ende der letzten Woche bis auf 153,50 Euro abgestürzt und auch am Kassamarkt geben die Preise weiter nach. Gleichzeitig werden jedoch die Prämien für relativ knappen proteinreichen Qualitätsweizen (trotz der ebenfalls rückläufigen Preise) sowohl in Europa auch in den USA und am Schwarzen Meer immer höher. Hauptgrund für den starken Preisverfall beim Weizen sind die sehr großen Ernten sowohl in Europa als auch am Schwarzen Meer und der harte Wettbewerb an den Exportmärkten. Dieser Wettbewerb hat sowohl in den USA als auch in Europa zu sehr kräftigen Preiskorrekturen geführt. Am letzten Freitag hat die USA erstmals eine Exportausschreibung des größten Importeurs Ägypten gewonnen und damit die Preise in Europa zusätzlich unter Druck gesetzt. Am heutigen Montag (22.09) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago zunächst im Plus. Am europäischen Terminmarkt liegen die Preise am Montag (22.09) Nachmittag (14:00) jedoch erneut deutlich  im Minus und fallen bis auf 151,50 Euro (!!).
 
Harter Wettbewerb an den Exportmärkten
Bislang läuft der Export der Amerikaner deutlich schlechter als erwartet und auch als im letzten Jahr. In der letzten Woche hatten sich die US-Weizenverkäufe (Exporte) im Vorwochenvergleich auf 315.000 t halbiert und hat damit die Erwartungen der Analysten deutlich verfehlt. Gleichzeitig ist die in diesem Wirtschaftsjahr von den Amerikanern bislang verkaufte Weizenmenge 27 % kleiner als im letzten Jahr Ein Grund für den schwachen Export ist der starke Wettbewerb zwischen den USA, den Europäern und den Schwarzmeerländern. Dabei drängen Europäer, Russen und Ukrainer nicht nur mit sehr großen Mengen auf den Markt sondern auch der schwache Euro und der sehr schwache Rubel verschaffen beiden Regionen an den Exportmärkten zusätzliche Preisevorteile. Diese Entwicklung lässt sich sehr gut an den laufenden Exportzahlen ablesen. Sowohl für die Europäer als auch für Russen und Ukrainer liegen die aktuellen Exportdaten beim Weizen deutlich über dem Vorjahr.
 
US-Weizen gewinnt erstmals Exportauktion
Die europäischen Weizenexporte erreichen nach den Daten Kommission bis zum 16. September einen Umfang von 5,8 Mio. t und liegen damit über dem bisherigen Rekordwert aus dem Vorjahr von 5,73 Mio. t. Allein Deutschland hat bereits 1,54 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft, Frankreich kommt auf 1,66 Mio. t und Rumänien auf 1,02 Mio. t. Dabei hatten die Franzosen die letzten beiden Exportausschreibungen Ägyptens gewonnen und die Preisführerschaft am Weltmarkt übernommen. Bei der Auktion am Freitag war der US-Weizen (222,22 USD +22 USD Fracht) einschließlich Fracht) erstmals billiger als der Weizen aus Frankreich (fob: 230,74 USD/t), Rumänien (fob: 246,98 USD/t + 11,94 USD Fracht) und Russland (fob: 241,85 USD/t) und erhielt den ersten Zuschlag in diesem Jahr. Dabei war der Weizen aus Frankreich bei der Auktion (fob) sogar 11 USD billiger als der Weizen aus Russland. Kurz vor der Auktion hatten die Analysten von Strategie Grains in Europa mit ihren aktuellen Erntemeldungen in Europa bereits für neuen Preisdruck gesorgt. Das europäische Analystenhaus hatte die Erntemenge bei Weichweizen und auch die Gesamternte bei Weizen sowie die europäische Maisernte auf neue Rekordmarken nach oben gesetzt.
 
EU-Weizenpreise fallen unter 154 Euro
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche erneut um fast 6 % bzw. knapp 10 Euro gefallen. Am Freitag der letzten Woche (19.09) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris nur noch 153,5 Euro/t und damit 9,25 Ct weniger als am Freitag (12.09) vor einer Woche (162,75 Euro) und sogar 18,50 Euro (!!) weniger als am Freitag (05.09) vor zwei Wochen (172 Euro). Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (23. Sept. 2013) kostet der Weizen am europäischen Terminmarkt 32  Euro weniger (186,25 Euro). Der Januarkontrakt notiert am Freitag bei 157,75 Euro und damit 8,75 Euro billiger als in der Vorwoche (Vw.: 166,50) und der März ging mit 159,75 Euro aus dem Handel. Futterweizen wurde am Freitag(19.09) am Terminmarkt in London für den November mit 141,85 Euro/t (111,55 GPB) gehandelt und damit rund 1,0 Euro billiger als letzte Woche (112,45 GPB) und für den Januar mit 144,40 Euro (113,55 GPB). Am europäischen Terminmarkt in Paris rutschen die Preise am Montag (22.09) Nachmittag (14:00) weiter ins Minus und fallen bis auf 151,50 Euro (!!
 
Kassapreise sind nicht ganz so kräftig gefallen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Woche ebenfalls weiter gefallen, wenn auch nicht so stark wie am Terminmarkt. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am letzten Freitag (19.09) mit 167 Euro/t und damit etwa 3 Euro billiger als am Freitag davor (170 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen mit 12 % Protein zur die Anlieferung im November lagen am Exporthafen in Hamburg am Freitag (19.09) bei 172 Euro/t und damit 3 Euro niedriger als letzte Woche (175 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den September 172 Euro/t (Vw: 175) geboten und Futterweizen wurde nur noch mit 154 Euro (Vw. 164 Euro) gehandelt. In Südwestdeutschland lagen die Preisangebote für Brotweizen mit 11,5 % Protein am Ende vorigen Woche bei etwa 157 Euro (Vw: 157 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am Freitag am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 161 Euro/t und damit ähnlich viel wie in der Vorwoche (160 Euro/t).
 
US-Weizen weiter gefallen, positiver Wochenbeginn
In den USA haben die Weizenpreise in der letzten Woche am Terminmarkt in Chicago um weitere 5,5 % nachgegeben. Damit kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) rund 30 % bzw. umgerechnet etwa 59 Euro weniger im September 2013 (195 Euro/t). Der Dezembertermin des Chicago-Weizen (SRW) beendete den Handel am Freitag (19.09) bei 135,6 Euro/t (474,4 Ct/bu) und damit 6,0 Euro preiswerter als vor einer Woche (141,6 Euro). Der Märzkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 140,34 Euro/t (491 Ct/bu ) und damit 3 Euro weniger als eine Woche zuvor (143 Euro). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (Dezemberkontrakt) gingen am Freitag (16.09) am Terminmarkt mit 160 Euro/t (560,2 Ct/bu) aus dem Handel (- 7 Euro z. Vw.). Demgegenüber kostete der Sommerweizen (HRS) am US-Terminmarkt 153 Euro/t (535,4 Ct/bu) und damit 10 Euro weniger als letzte Woche. Am heutigen Montag (22.09) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago leicht im Plus.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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