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Analyse

Weizen/Ernte 2014: Werden die Europäer Exportweltmeister?

von , am
13.05.2014

Im Mai hat das USDA eine detaillierte Prognose zur kommenden europäischen Weizenernte und zur Entwicklung der Exporte in der EU vorgelegt

Die Weizenfläche ist 2017 nahezu unverändert zum Vorjahr, aber die Landwirte haben weniger Wintergerste, Roggen und Körnermais ausgesät. Dafür wachsen deutlich mehr Rüben, Sommergetreide und Kartoffeln. © landpixel
Im Mai hat das USDA eine detaillierte Prognose zur kommenden europäischen Weizenernte und zur Entwicklung der Exporte in der EU vorgelegt. Dabei weichen die US-Experten bei den Produktionserwartungen kaum von den letzten Schätzungen der EU-Kommission oder der privaten Analysten von Strategie Grains ab. Dafür gibt es aber recht deutliche Differenzen bei den möglichen Weizenexporten. Nach der derzeitigen Einschätzung des USDA könnte die EU im nächsten Wirtschaftsjahr die USA als größten Weizenexporteur überholen. Und dass obwohl die erwartete europäische Ausfuhrmenge im Vergleich zum aktuellen Rekordjahr etwas zurückgeht.
 
USDA erwartet sehr gute EU-Weizenernte
In ihrer Ernteprognose im Mai rechnen die Analysten des USDA mit einer Weizenernte in der EU 28 von 144,9 Mio. t. Dabei werden Weichweizen und Durum nicht extra ausgewiesen. (Die diesjährigen europäische Durum-Produktion könnte nach derzeitigen Schätzungen etwa 8 Mio. t erreichen so dass sich wein Weichenernte von 137 Mio. t ergibt). Die EU-Kommission hatte die Weizenernte im Mai auf 143,5 Mio. t (dav. 135,9 Mio. t Weichweizen) geschätzt und damit etwas kleiner als das USDA und die privaten Analysten von Strategie Grains kommen auf europäische Erntemenge von 144,7 Mio. t. Insgesamt liegen alle drei Schätzungen jedoch sehr nahe beieinander und übertreffen zudem auch das gute Ergebnis aus Vorjahr (143,3 Mio. t). Nimmt man die Daten des USDA als Grundlage wäre sein zudem die drittgrößte bislang überhaupt in der EU eingebrachte Weizenernte nach 2008/09 (151,9 Mio. t) und 2004/05 (147,7 Mio. t).
 
Rekordexporte der Europäer in diesem Jahr
Deutliche Abweichungen bei der Einschätzung zur Marktentwicklung zwischen USDA und Europäern gibt es derzeit beim Export. Bereits für das noch laufende Wirtschaftsjahr hat das USDA die erwarteten Weizenexporte auf den neuen Rekordwert von 30,0 Mio. t veranschlagt. Mit diesem neuen Ausfuhrrekord liegen die Europäer nur noch knapp hier dem bisherigen Exportweltmeister USA (31,5 Mio. t), jedoch sehr deutlich vor Kanada (21,5 Mio. t), Australien (18,0 Mio. t) und Russland (18,2 Mio. t). Demgegenüber rechnete die EU-Kommission in ihrer letzten Prognose für das noch laufende Wirtschaftsjahr mit Ausfuhren von 28,0 Mio. t (dav. 1,0 Mio. Durum).
 
Europäer überholen die USA beim Export
Für das nächste Jahr erwarteten die USDA-Analysten dann einen Rückgang der europäischen Exporte auf 27,5 Mio. t. Gleichzeitig sollen die US-Exporte (wegen der kleineren Ernte und den vergleichsweise hohen Preise) auf 26,0 Mio. t zurückgehen. Damit wären die Europäer im kommenden Wirtschaftsjahr der größte globale Weizenexporteur vor den USA, Kanada, Russland und Australien. Davon würde auch Deutschland als wichtigster europäischer Weizenexporteur neben Frankreich profitieren.
 
Etwas kleinere Ernte in Deutschland
Für Deutschland erwarten die Experten des USDA im Mai eine Weizenernte von 23,98 Mio. t. Im Vergleich zur Weizenernte von 2013 (24,93 Mio. t) wäre die für 2014 erwartete Erntemenge damit fast 1,0 Mio. t kleiner. Die Kommission hatte ihre letzte Prognose für Deutschland mit 25,0 Mio. t deutlich höher angesetzt.Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten und Exporteur der EU, schätzt das USDA die kommende Weizenernte (Weichweizen und Durum) im Mai auf 38,12 Mio. t und damit 0,38 Mio. t kleiner als 2013 (38,51 Mio. t). Rund 1,5 Mio. t der französischen Produktion sind allerdings Hartweizen.
 
Kräftiger Zuwachs im Vereinigten Königreich
Eine deutlich größere Weizenernte als im Jahr 2013 erwartet das USDA für 2014 im Vereinigten Königreich. Dort war die Anbaufläche im letzten Jahr witterungsbedingt allerdings deutlich kleiner. Die neue Weizenernte wird wegen der Anbauausweitung kräftig zulegen und könnte nach der aktuellen Prognose 15,15 Mio. t erreichen. Im Vergleich zum Jahr 2013 (11,92 Mio. t) bedeutet die USDA-Prognose einen Produktionszuwachs von 3,23 Mio. t oder 27 %. Die Kommission hatte ihre Prognose für das Vereinigte Königreich mit 14,7 Mio. t etwas niedriger angesetzt.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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