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Analyse

Weizenernte bricht alle Rekorde, Exportpreise erholt

von , am
25.09.2015

Die globale Weizenernte wird immer größer und übertrifft mittlerweile deutlich die bisherige Rekordernte aus dem vorigen Jahr.

© Stefan Rampfel/landpixel
 
Die globale Weizenernte wird immer größer und übertrifft mittlerweile deutlich die bisherige Rekordernte aus dem vorigen Jahr. Auch die Endbestände erreichen neue Rekordmarken und die globale Versorgung ist trotz eines ebenfalls kräftig wachsenden Verbrauchs so gut wie lange nicht mehr. Ende September schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die neue globale Weizenernte und die weltweiten Bestände nochmals auf neue Rekordwerte nach oben.
 
Ursache sind die nach oben korrigierten Ernteprognosen für die Europäische Union, für Russland, die Ukraine und China. Nach Einschätzung des IGC verfehlt die europäische Weizenernte nur noch ganz knapp die Rekordernte aus dem Vorjahr.
 
Weizenernte jetzt auf Rekordstand
Nach Einschätzung des IGC wird die globale Weizenernte in diesem Wirtschaftsjahr 2015/16 mit 727 Mio. t etwa 7 Mio. t größer sein als die bisherige Rekordernte aus dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 720 Mio. t. Damit liegt die aktuelle Produktionserwartung des IGC in etwa auch auf gleicher Höhe wie die letzte Ernteschätzung des USDA. Die US-Analysten erwarteten im September ebenfalls eine globale Weizenernte von rund 227 Mio. t. Im Vergleich zu seiner August-Prognose hat der IGC die Gesamternte nochmals um rund 7 Mio. t nach oben gesetzt.
 
Verantwortlich für die Korrektur sind die nach oben korrigierten Weizenernten in der Europäischen Union, in Russland, der Ukraine und diesmal auch in China. Die globale Verbrauchsmenge von Weizen schätzte der IGC Ende September auf den Rekordwert von 719 Mio. t und damit noch einmal 12 Mio. t größer als im letzten Jahr (707 Mio. t). Im Vergleich zur August-Prognose (716) hat der IGC die Verbrauchsmenge um rund 3 Mio. t nach oben gesetzt.
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Damit übersteigt die Produktion (727) den Verbrauch (719) um rund 8 Mio. t, so dass die Bestände von 202 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 211 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 anwachsen. Das ist der den höchsten Bestand seit dem Jahr 1999.
 
Europäische Ernte fast auf Rekordstand
Für die Europäische Union hat der IGC die Weizenernte (Weich- und Hartweizen) Ende September sehr deutlich auf 155,5 Mio. t nach oben korrigiert (dav. 147,9 Mio. t Weichweizen). Im August ging man noch von 151,9 Mio. t (dav. 144,0 Mio. t Weichweizen) aus. Damit erreicht die aktuelle Prognose des IGC für die europäische Weizenernte jetzt fast den bisherigen Rekordwert aus dem Vorjahr.
 
Das USDA hatte im September die Ernte für die Europäischen Union ebefalls sehr kräftig von 147,8 Mio. t auf 154,4 Mio. t (Weich- und Hartweizen) nach oben korrigiert. Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Vorjahr von 156,2 Mio. t (dav. 149,1 Mio. t Weichweizen) wäre die vom IGC jetzt erwartete europäische Ernte nur noch 0,7 Mio. t bzw. 0,4 % kleiner.
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Noch mehr Weizen in Russland und der Ukraine
Nochmals angehoben hat der IGC seine Ernteschätzungen für Russland von 59,0 Mio. t auf 60,0 Mio. t (Vj. 59,7 Mio. ). Damit liegt die aktuelle Schätzung des IGC für Russland etwas unter der letzten Prognose des USDA (61,0 Mio. t). Das wäre überhaupt erste die dritte russische Weizenernte die die Marke von 60,0 Mio. t erreicht oder übertrifft.
 
Für die Ukraine schätzt der IGC die Weizenernte von 25,0 Mio. t auf 25,5 Mio. t nach oben (Vj. 24,8). Das USDA hatte die Ernte für die Ukraine zuletzt auf von 25,5 Mio. t auf 26,5 Mio. t nach oben gesetzt. Unverändert blieb die Ernteschätzung für Kasachstan mit 14,0 Mio. t (Vj: 13,0).
 
Europäer bleiben Exportweltmeister
Der IGC ließ die für das Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete globale Handelsmenge mit 149 Mio. t fast unverändert, nach einem Handelsvolumen von 153 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15. Dabei erwartet der IGC, dass die Europäer nach einer Rekordausfuhrmenge von 36,3 Mio. t (dav: 34,1 Mio. t Weichweizen) im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15, im aktuellen Wirtschaftsjahr 2015/16 etwa 31,3 Mio. t (dav: 29,2 Mio. t Weichweizen) exportieren und damit etwa 5,0 Mio. t weniger als in der vorigen Saison.
 
Dennoch bleiben die Europäer mit dieser Ausfuhrmenge deutlich vor den USA (24,0 Mio. t), Russland (23,1), Kanada (18,5 Mio. t) und Australien (18,4) der mit Abstand größte globale Weizenexporteur.
 
Exportportpreise im September leicht erholt
Die Weizenpreise (IGC-Index) sind an den wichtigsten internationalen Handelsplätzten Seit Ende August ganz leicht um etwa 3 % gestiegen, geraten kurz vor dem Monatswechsel jedoch schon wieder unter Druck. Im Vergleich zum Vorjahr sind die aktuellen Exportpreise (in USD) rund 12 Prozent niedriger.
 
Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise im Verlauf des Septembers um etwa 5,4 % von 166 Euro auf zeitweise 175 Euro gestiegen. Kurz vor dem Monatswechsel (25. August) liegen die Weizenpreise (Dezember) bei etwa bei knapp 173 Euro/t.
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Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am 24. September mit 175 Euro und damit 1 Euro höher als vor vier Wochen (174 Euro/t) jedoch 14 Euro höher als vor einem Jahr (161 Euro) als die Preise auf den tiefsten Stand des Jahres 20014 gefallen waren.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden Donnerstag (24.09) in Hamburg 181 Euro geboten und damit 2 Euro mehr als vor vier Wochen (179 Euro) geboten und 15 Euro mehr als vor einem Jahr (166 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise aktuelle bei 190 Euro und damit 1 Euro höher als vor vier Wochen (189 Euro) und 14 Euro höher als vor einem Jahr (176 Euro).
 
Am wichtigsten französischen Handelsplatz in Rouen wurde Brotweizen mit 11 % Protein am 25. September mit 157 Euro gehandelt und damit 1 Euro preiswerter als vor vier Wochen (158 Euro) und 4 Euro preiswerter als vor einem Jahr (161 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke
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