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Analyse

Weizenernte mit sehr großen regionalen Unterschieden

von , am
09.10.2015

in diesem Jahr unterscheiden sich Erträge und Ernteergebnisse in den verschiedenen Bundesländern zum Teil sehr deutlich und spiegeln den unterschiedlichen regionalen Witterungsverlauf wider.

© Mühlhausen/landpixel
Deutschlands Landwirte haben 2015 die bislang zweitgrößte Weizenernte überhaupt eingebracht. Damit liegt die Erntemenge deutlich über den ursprünglichen Erwartungen und Prognosen, die wegen der extremen Witterung in diesem Jahr zunächst deutlich niedriger waren als das offizielle Endergebnis. Allerdings unterscheiden sich Erträge und Ernteergebnisse in den verschiedenen Bundesländern zum Teil sehr deutlich und spiegeln den unterschiedlichen regionalen Witterungsverlauf wider. Dabei sind die durchschnittlichen Erträge zwar höher als erwartet, jedoch niedriger als im vorigen Jahr. Gleichzeitig wirkt sich jedoch auch die kräftige Ausweitung der Weizenfläche positiv auf das Endergebnis aus.
 
Die Weizenpreise sind in Deutschland (und Frankreich) Anfang Oktober trotz der großen Ernten, höher als im vorigen Jahr zum gleichen Termin. Der deutsche Export läuft indessen nicht ganz gut wie 2014 und die Prämien für Qualitätsweizen sind in diesem Jahr kleiner als 2014. Der (vorläufige) durchschnittliche Eiweißgehalt der deutschen Weizenernte ist jedoch höher als 2014 und wurde zuletzt vom BMEL mit 12,6 % angegeben. Im Vergliehc zum Vorjahr (12,2 %).ist dies eine Verbesserung um 0,4 Prozentpunkte.
 
Zweitgrößte deutsche Ernte
Die vom Statistischen Bundesamt im Oktober gemeldete deutsche Weizenernte übertrifft mit 26,5 Mio. t die ursprünglichen Erwartungen und Prognosen recht deutlich. Im Vergleich zur Rekordernte 2014 von 27,8 Mio. t, ist die deutsche Weizenernte 2015 rund 1,2 Mio. t oder 4,5 % kleiner. Gleichzeitig ist dies jedoch die bislang zweitgrößte deutsche Weizenernte überhaupt. Der langjährige Mittelwert von 24,5 Mio. t wird immerhin um 8 % oder 2,0 Mio. t übertroffen.
 
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Rekordanbaufläche, hohe Erträge
Trotz der schwierigen Witterungsverhältnisse erreichten die Erträge einen Wert von 80,7 dt/ha und übertreffen damit auch die 80-dt-Marke und liegen zudem 5,3 % über dem langjährigen Mittelwert (76,6). Die Weizenfläche für die Ernte 2015 übertrifft nach den Daten des Statistischen Bundesamtes mit 3,29 Mio. ha sogar den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2010 (3,28 Mio. ha).
 
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
In den Bundesländern spiegeln sich die extremen Witterungsverhältnisse des Jahres in einer zum Teil sehr unterschiedlichen Ertrags- und Produktionsentwicklung wider. So übertrifft die Weizenernte in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sogar den Vorjahreswert.
 
Auch in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein liegen die Ergebnisse nur geringfügig unter den sehr hohen Vorjahreswerten. Dafür sind die Erntemengen in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Hessen, und auch Baden-Württemberg deutlich kleiner als 2014.
 
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Niedersachsen erntet mehr Weizen, NRW weniger
In Niedersachsen, dem zweitgrößten deutschen Weizenproduzenten, war die Weizenernte mit 3,84 Mio. t etwa 4,9 % größer als 2014 (3,66). Die durchschnittlichen Erträge sind mit 87,7 dt/ha nur geringfügig niedriger als im letzten Jahr (89,2). Die Weizenfläche war hingegen fast 7 % größer als 2014.
 
Beim fünftgrößten deutschen Weizenproduzenten NRW, ist die Weizenproduktion 2015 um 4,5 % auf 2,4 Mio. t zurückgegangen. Mit 87,8 dt/ha (Vj. 90,5) waren die Erträge ebenfalls etwas niedriger als 2014 und auch die Anbaufläche war in NRW etwa 1,5 % kleiner als 2014.
 
Etwas weniger Weizen in Bayern
Im Süden Deutschlands waren die Ernteergebnisse regional sehr unterschiedlich. In Bayern, dem größten deutschen Weizenproduzenten, war die Weizenernte mit 4,3 Mio. t lediglich 2,7 % kleiner als 2014. Der Durchschnittsertrag lag in Bayern bei 77,9 dt/ha und war damit rund 6 % niedriger als 2014 (82,9). Dagegen war die Weizenfläche fast 3,0 % größer als 2014.
 
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In Baden-Württemberg ging die Weizenproduktion hingegen deutlich um 7,1 % auf 1,8 Mio. t zurück. Der Durchschnittsertrag war mit 74,9 dt/ha fast 10 % niedriger als 2014 (82,9). Die Anbaufläche war hingegen knapp 3,0 % größer als im vorigen Jahr.
 
Leichter Produktionsrückgang in Norddeutschland.
In Mecklenburg-Vorpommern, der Nummer drei unter den deutschen Weizenproduzenten, ernteten die Landwirte in diesem Jahr knapp 3,1 Mio. t Weizen. Im Vergleich zum vorigen Jahr ist dies lediglich ein Rückgang von knapp 3 %. Die Erträge waren mit 87,9 dt/h nur etwa 3 % niedriger als 2014 (90,5). Die Anbaufläche war hingegen etwa so groß wie im vorigen Jahr.
 
In Schleswig- Holstein ging die Weizenproduktion ebenfalls nur um 3 % auf rund 1,9 Mio. t zurück. Die Erträge waren mit 99,8 dt/ha (Vj. 104,3) etwa 4 % niedriger als im vorigen Jahr. Trotz dieses Rückgangs erzielten die Landwirte in SH, wie schon 2014, erneut die deutschen Spitzenerträge. Die Weizenfläche war in SH etwa 1,0 % größer als im vorigen Jahr.
 
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Kräftige Produktionseinbußen in Ostdeutschland
Etwa 14 % kleiner als im vorigen Jahr war die Weizenernte beim viertgrößten deutschen Weizenproduzenten Sachsen-Anhalt. Mit 2,5 Mio. t Weizen und 16 % (!!) niedrigeren Erträgen von 72,7 dt/ha (Vj: 86,9) schrumpften Ertrag und Produktion am stärksten von allen Bundesländern. Die Weizenfläche war in Sachsen-Anhalt hingegen 2,3 % größer als im vorigen Jahr. In Sachsen war die Weizenernte ebenfalls deutlich um 9,0 % kleiner als 2014. Die sächsischen Landwirte ernteten 1,56 Mio. t Weizen, bei einem Durchschnittertrag von 79,4 dt/ha (Vj: 88,1). Das war ein Ertragsrückgang von 10 %.
 
Auch in Thüringen schrumpfte die Produktion um etwa 10,3% auf 1,66 Mio. t. Dabei waren die Erträge mit knapp 72,2dt/ha rund 12 % niedriger im Vorjahr (82,3), während die Anbaufläche nahezu stabil blieb. Einen leichten Rückgang der Produktion, um 1,9 % auf 1,19 Mio. t, meldete man aus Brandenburg. Hier waren die Erträge mit 70,1 dt/ha etwa 8 % niedriger als 2014 (75,4), die Anbaufläche war indessen fast 6 % größer.
 
Weizenpreise höher als 2014
Die Weizenpreise sind Anfang Oktober trotz der sehr großen deutschen und europäischen Ernte höher als im vorigen Jahr.
 
Am Donnerstag (08.10) notierte man für Brotweizen mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg mit 177 Euro/t Vor einem Jahr lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg zu diesem Termin nur bei 166 Euro und waren damit 11 Euro niedriger.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Donnerstag (08.10) 183 Euro/t geboten. Vor einem Jahr handelte man A-Weizen in Hamburg zu diesem Termin etwa mit 172 Euro und damit zu 11 Euro niedrigeren Preisen als in diesem Jahr.
 
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Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Freitag (02.10) bei 192 Euro. Vor einem Jahr lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 202 Euro und waren damit (im Unterschied zu den Preisen für Brot- und A-Weizen) 10 Euro höher als die aktuellen Preise.
 
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen der neuen Ernte (mit 11 % Protein), am wichtigsten Handelsplatz in Rouen, am heutigen Donnerstag (08.10) mit 164 Euro je t notiert. Vor einem Jahr lagen die Weizenpreise in Rouen bei 160 Euro waren damit nur 4 Euro niedriger als jetzt.
 
Dr. Olaf Zinke
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