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Analyse

Weizen/EU 2014: Europäische Weizenernte rückt in Rekordnähe

von , am
24.06.2014

Der Verband der europäischen Getreidehändler COCERAL setzte sich mit seiner Prognose an die Spitze aller bisherigen Schätzungen.

In Bayern rechnen 40 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem Weizenertrag von 20 Prozent unter dem mehrjährigen Vergleich. © Serfling
 
Der Verband der europäischen Getreidehändler COCERAL setzte sich Ende der letzten Woche mit seiner Prognose zur neuen europäischen Weizenernte an die Spitze aller bisherigen Schätzungen. Dabei schrauben die Analysten von COCERAL ihre Ernteschätzung bei Weizen (Weich und Hartweizen) auf 149,4 Mio. t nach oben. Mehr Weizen ernteten die europäischen Landwirte bislang nur im Jahr 2008 mit rund 152 Mio. t. Im Vergleich zu seiner letzten COCERAL-Prognose vom März i (143,7 Mio. t) ist die erwartete neue Weizenernte 5,7 Mio. t oder 4 % größer. Das ebenfalls sehr gute Vorjahrergebnis (144,5 Mio. t) wird um 3,3 % oder 4,9 Mio. t übertroffen.
 
Nach oben für Deutschland, Frankreich, Rumänien und UK
Auch die aktuelle ebenfalls letzte Woche nach oben gesetzte Prognose von Strategie Grains mit 147 Mio. t wird deutlich um 2,4 Mio. t übertroffen. Gleichzeitig liegt man über der letzten Ernteschätzung von Töpfer International mit 147 Mio. t und auch höher als das USDA mit 146,3 Mio. t und erst recht höher als die EU-Kommission (EUK) mit 145,0 Mio. t. Rund 141,9 Mio. t der neuen Ernte sind nach der Prognose von COCERAL Weichweizen (EUK: 137,5 Mio. t) und 7,5 Mio. t Hartweizen. Die Anbaufläche von Weichweizen wird auf 24,1 Mio. ha veranschlagt (EUK: 23,9 Mio. ha) und bei Hartweizen auf 2,5 Mio. ha. Die Erträge liegen bei Weichweizen mit 58,8 t/ha (EUK 58,0) in etwa auf dem sehr hohen Niveau des letzten Jahres. Hauptgründe für den Produktionsanstieg sind die sehr guten Ernten in Deutschland, Frankreich und in Rumänien sowie die Rückkehr des Vereinigten Königreichs zu normalen Erntemenge.
 
Frankreich erntet 1,0 Mio. t Weichweizen mehr als 2013
Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten der EU, schätzte COCERAL die Weich-Weizenproduktion 2014 auf 37,7 Mio. t und damit rund 1,0 Mio. t größer als die Ernte 2013 (36,75 Mio. t). Töpfer ging zuletzt nur von 36,7 Mio. t Weichweizen aus. Zur französischen Weichweizenernte kommen dann noch 1,4 Mio. t Hartweizen (Vj. 1,75 Mio. t) hinzu, dass wären insgesamt 39,06 Mio. t (Vj. 38,45 Mio. t). Die französische Anbaufläche von Weichweizen liegt nach den Daten von COCERAL bei 5,02 Mio. ha (Vj. 4,99 Mio. ha) und die Erträge bei 75 t/ha (Vj. 73,7 t/ha).
 
Deutsche Ernte deutlich über 25 Mio. t
Für Deutschland haben die Experten von COCERAL die Weich-Weizenernte 2014 auf 25,48 Mio. t geschätzt und liegen damit ebenfalls höher als alle übrigen Prognosen. Töpfer ging zuletzt von 24,8 Mio. t aus und das USDA von 24,3 Mio. t. Im Vergleich zur Weizenernte von 2013 (24,9 Mio. t) wäre die derzeit für 2014 von COCERAL erwartete deutsche Weizenernte 0,6 Mio. t oder gut 2 % größer. Die EU-Kommission hatte bislang ebenfalls eine deutsche Weichweizenernte von gut 25,0 Mio. t unterstellt und der DRV von 25,1 Mio. t. Die deutsche Anbaufläche von Weichweizen liegt nach COCERAL bei 3,19 Mio. ha (Vj. 3,12) und die Erträge bei 80,0 t/ha (Vj. 79,8).
 
UK: Mehr Fläche und höhere Erträge
Eine deutlich größere Weizenernte als im Jahr 2013 erwarten die Analysten von COCERAL für das Vereinigte Königreich. Nach der aktuellen Prognose wird sich die Weizenproduktion im Vereinigten Königreich deutlich erholen und 15,6 Mio. t erreichen. Im Vergleich zur Prognose des USDA (15,2) und von Töpfer (15,1 Mio. t) wäre die britische Ernte damit deutlich größer und im Vergleich zu 2013 (11,9 Mio. t) wäre dies ein Produktionssprung von 3,7 Mio. t oder 31 % (!!).Die Anbaufläche von Weichweizen liegt im Vereinigten Königreich nach COCERAL bei 1,98 Mio. ha (Vj. 1,62 !!!) und die Erträge bei 79 t/ha nach 73,8 t/ha im letzten Jahr.
 
Polens Ernte auf Vorjahresstand
Die Nummer vier unter den europäischen Weizenproduzenten ist Polen. Bei unseren östlichen Nachbarn geht COCERAL von einer Erntemenge von 9,56 Mio. t aus und damit geringfügig kleiner als 2013 (9,6 Mio. t). Das USDA hatte die polnische Ernte im Juni auf 9,6 Mio. t geschätzt und Töpfer sogar auf 9,89 Mio. t. Die Anbaufläche von Weichweizen liegt in Polen nach COCERAL bei 2,2 Mio. ha (Vj. 2,18) und die Erträge bei 43,2 t/ha nach 44,0 t/ha im letzten Jahr.
 
Rumänien mit neuer Rekordernte?
Für Rumänien (den nach Frankreich und Deutschland wichtigsten Weizenexporteur der EU), soll die Produktion nach COCRAL 2014 den neuen Rekordwert etwa 8,69 Mio. t erreichen und damit noch 0,7 Mio. t über der Rekordernte von 7,99 Mio. t aus dem Jahr 2013 liegen. Töpfer hat im Juni für Rumänien eine Weichweizenernte von 8,3 Mio. t geschätzt und das USDA nur von 7,6 Mio. t. Die Anbaufläche von Weichweizen liegt in Rumänien nach Erhebungen von COCERAL bei 2,12 Mio. ha (Vj. 2,05) und die Erträge bei 41,0 t/ha. nach 39,0 t/ha im letzten Jahr.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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