Login
Analyse

Weizen/EU 2014: Große Ernte, hohe Exporte und niedrige(re) Preise?

von , am
16.05.2014

Was die Entwicklung der Weizenpreise im nächsten Wirtschaftsjahr betrifft äußern sich die Experten von Strategie Grains pessimistisch

© landpixel
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains erwartet 2014 in der Europäischen Union eine Weichweizenernte von 137,4 Mio. t. Die Ernte des Jahres 2013 war nach den Daten von Stragie Grains mit 135,1 Mio. t knapp 2 % oder 2,3 Mio. t kleiner als die aktuelle Prognose. Die EU-Kommission blieb mit ihrer letzten Schätzung zur europäischen Weizenernte mit 135,9 Mio. t relativ deutlich unter der Prognose von Strategie Grains. Gegenüber der letzten Schätzung vom April (137,2 Mio. t) hat Strategie Grains eine leichte Korrektur um 0,2 Mio. t nach oben vorgenommen.
 
Preiserwartungen sind relativ pessimistisch
Was die Entwicklung der Weizenpreise im nächsten Wirtschaftsjahr betrifft äußern sich die Experten von Strategie Grains allerdings pessimistisch. Zwar korrigierte man die Erwartungen an die Weizenexporte der Europäer für das nächste und auch für dieses Wirtschaftsjahr noch einmal nach oben. Jedoch drückt die starke Konkurrenz des reichlich am Weltmarkt verfügbaren Mais auf die Preise. Das führt zu deutlichen Substitutionseffekten im Futterbereich, wo der Mais bereits in diesem Wirtschaftsjahr den teureren Weizen aus vielen Futterrationen verdrängte hat. Diese Entwicklung hat offenbar auch die europäischen Maisimporte angekurbelt und auf ein neues Rekordniveau getrieben. Der Verbrauch von Futterweizen in der EU wurde in der laufenden Saison deshalb um 2,7 Mio. t auf 112,5 Mio. t nach unten korrigiert und konnte auch durch die starken Exporte nicht ausgeglichen werden . Dies Szenario könnte sich in der nächsten Saison wiederholen und die Weizenpreise trotz der erneut stark erwarteten Exporte unten halten. Für das aktuelle Wirtschaftsjahr hat Strategie Grains die Endbestände um 1,0 Mio. t auf 14,7 Mio. t nach oben korrigiert.
 
Weizenexporte auf Allzeithoch, hohe Erwartungen für 2014/15
Ein weiteres Mal kräftig nach oben gesetzt hat Strategie Grains die Erwartungen an die europäischen Weizenexporte im nächsten Wirtschaftsjahr. Eine Ursache sind die geringeren Exporte der Ukraine. Hinzu kommt vor allem auch die deutlich kleinere Weizenernte der USA, verbunden mit einem Rückgang der Exporte. Das USDA sieht die Europäer in seiner aktuellen Schätzung für das nächste Wirtschaftsjahr vor den USA als größten globalen Weizenexporteur. Vor diesem Hintergrund setzten die Analysten von Strategie Grains die Exportmenge für das nächste Wirtschaftsjahr nochmals um 1,4 Mio. t auf 24,3, Mio. t nach oben (den zweithöchsten Wert überhaupt). Bei den vorausgegangenen Schätzungen wurde dieser Wert bereits um 4,0 Mio. nach oben korrigiert. Außerdem korrigierte Strategie Grains auch die Exportmenge des noch laufenden Wirtschaftsjahres um 1,3 Mio. t auf ein neues Allzeithoch von 28,3 Mio. t nach oben. Die EU-Kommission war im April in ihrer Prognose für das neue Wirtschaftsjahr von Exporten von 22,0 Mio. t ausgegangen und für die laufende Saison von 27 Mio. t.
 
Frankreich auf Vorjahresstand, Deutschland etwas darunter
Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten der EU, schätzte Strategie Grains die Weizenproduktion 2014 auf 36,7 Mio. t und damit eben so groß wie im April und nur 0,1 Mio. t kleiner als die Ernte 2013 (36,8 Mio. t). Die EU-Kommission hatte Ende April in ihrer Prognose sogar eine französische Weichweizenernte von 37,4 Mio. t erwartet. Für Deutschland haben die Experten von Strategie Grains die Weizenernte 2014 im Mai ebenfalls unverändert bei 24,3 Mio. t belassen. Im Vergleich zur Weizenernte von 2013 (25,0 Mio. t) wäre die derzeit für 2014 erwartete deutsche Weizenernte jedoch 0,7 Mio. t oder knapp 3 % kleiner. Die EU-Kommission hat Ende April in ihrer Prognose eine deutsche Weichweizenernte von 25,0 Mio. t unterstellt. Eine deutlich größere Weizenernte als im Jahr 2013 erwarten die Analysten auch im Mai für das Vereinigte Königreich. Nach der aktuellen Prognose wird sich die Weizenproduktion im Vereinigten Königreich deutlich erholen und 15,2 Mio. t erreichen. Im Vergleich zur April-Prognose hat sich damit nichts verändert, jedoch im Vergleich zur 2013 (11,9 Mio. t) wäre dies ein Produktionssprung von 3,3 Mio. t oder 28 % (!!). Die EU-Kommission hat Ende April in ihrer Prognose allerdings eine kleinere Weichweizenernte im Vereinigten Königreich von nur 14,7 Mio. t erwartet.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant