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Analyse

Weizen/EU: Ernte wird immer größer, Preisdruck bleibt hoch

von , am
06.06.2014

Anfang Juni schraubt die EU-Kommission ihre Ernteprogose für dien Europäischen Union noch einmal kräftig nach oben und folgt damit auch dem Trend einer ganzen Reihe von anderen Ernteschätzungen.

© landpixel
Anfang Juni schraubt die EU-Kommission ihre Ernteprognose für die Europäische Union noch einmal kräftig nach oben und folgt damit auch dem Trend einer ganzen Reihe von anderen Ernteschätzungen. Nach den Daten der Kommission wäre dies die drittgrößte europäische Weizenernte überhaupt nach 2008 und 2004. Andere Analysten haben die neue Ernte bereits in die Nähe der letzten Rekordernte aus dem Jahr 2008 gerückt. Grund für die kräftigen Aufwärtskorrekturen sind die ausgezeichneten Wachstumsbedingungen in einer ganzen Reihe von wichtigen europäischen Anbauregionen in Zentraleuropa, (Deutschland, Frankreich) aber auch in Osteuropa (Polen, Rumänien, Bulgarien). Zuletzt hatten sowohl private Analysten (Töpfer, Strategie Grains) als auch das USDA und der internationale Getreiderat (IGC) ihre Ernteerwartung für die EU nach oben geschraubt. Das dürfte den Druck auf die Weizenpreise zunächst noch einmal erhöhen.
 
Ernte wächst immer weiter
Die neue europäische Weichweizenernte 2014 schätzt die Kommission Anfang Juni auf 137,5 Mio. t. Im Vergleich zur schon sehr guten Maiprognose (135,4 Mio. t) ist dies ein (weiterer) Zuwachs von 2,1 Mio. t. Gegenüber der Ernte 2013 (134,4 Mio. t) wäre die neue Ernte 2014 damit 3,1 Mio. t größer. Außerdem wäre dies nach dem Jahr 2008 (139,4) und 2004 die bislang drittgrößte europäische Weichweizenernte überhaupt. Die aktuelle Anbaufläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission in der aktuellen Prognose unverändert auf 23,9 Mio. ha. Im Vergleich zum letzten Jahr (23,26 Mio. t) wäre dies ein Zuwachs von 0,63 Mio. ha. Dier derzeitige Ertragserwartung für die EU 28 liegt bei 5,8 t/ha und damit ebenso so hoch wie im sehr guten Vorjahr. Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die europäische Weichweizenernte Mitte Mai auf 137,4 Mio. t geschätzt und damit ähnlich groß wie die Kommission und Töpfer International ging zuletzt sogar von 139,16 Mio. t aus und lag damit nahe am bisherigen Rekord von 2008. Die Gesamtproduktion von Weizen (einschließlich 7,51 Mio. t Hartweizen) schätzt die Kommission auf 145,0 Mio. t und damit ähnlich hoch wie das USDA und der IGC mit jeweils 144,9 Mio. t.
 
Weizenexporte gehen zurück
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr 2014/15 (wie die anderen Analysten auch) einen deutlichen Rückgang. Allerdings wäre dies nach dem Ausfuhrrekord im noch dem laufend Wirtschaftsjahr 2013/14 noch immer der zweitbeste jemals erreichte Wert. Mit geschätzten 22 Mio. t bleibt die erwartete Exportmenge rund 4,5 Mio. t bzw. 15 % unter der von den Kommissions-Experten für die noch laufende Saison unterstellen Rekordausfuhren (28,0 Mio. t) und ebenso groß wie vor vier Wochen geschätzt. Die Exportmenge für das zu Ende gehende Wirtschaftsjahr 2013/14 von 28,0 Mio. t, hat die Kommission im Vergleich zur letzten Prognose von Anfang Mai nochmals um 1,5 Mio. t nach oben korrigiert.
 
Endbestände nehmen sehr stark zu
Auch bei den für das nächste Wirtschaftsjahr 2014/15 erwarteten Endbeständen nahm die Kommission Anfang Juni noch einmal kräftige Korrekturen vor. Auf 12,36 Mio. t sollen die Weizenbestände wegen der großen Ernte anwachsen. Das sind 2 Mio. t mehr als noch im Mai (10,3 Mio. t) erwartet wurden und sogar 4 Mio. t mehr als im aktuellen Wirtschaftsjahr (8,3 Mio. t). Von diesen sehr großen Beständen dürfte erheblicher Druck auf die Weizenpreise in der EU ausgehen. Ein Grund für das Bestandswachstum (neben der sehr großen Ernte) sind die höheren Importe, die mit 3,1 Mio. t rund 1,3 Mio. t größer ausfallen sollen als im aktuellen Wirtschaftsjahr (1,8 Mio. t).
 
Verbrauch von Futterweizen wächst deutlich
Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll nach Einschätzung der Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 49,6 Mio. t von 43,8 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr zunehmen. Da wäre ein gewaltiger Zuwachs von 5,8 Mio. t oder 13 %. Vor vier Wochen hatte die Kommission sogar einen Futtereinsatz von 50,1 Mio. t erwartet. Der Einsatz von Weizen im zur Herstellung von Bioethanol wächst nach Meinung der Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 ebenfalls leicht um 0,1 Mio. t auf 4,5 Mio. t. Moderat um 0,2 Mio. t auf 48,75 Mio. t zunehmen, könnte im neuen Wirtschaftsjahr auch der Verbrauch von Nahrungsweizen.
 
Weizenpreise stehen unter Druck
In Europa sind die Weizenpreise seit Mitte April um gut 15 % bzw. rund 30 Euro gefallen. Anfang Juni rutschten die Preise am europäischen Terminmarkt zeitweise sogar wieder unter die 190-Euro-Marke, konnten sich dann jedoch wieder etwas erholen. Dabei geht nicht nur von der großen europäischen Ernte sondern auch von den US-Märkten unveränderter Druck auf die Preise aus. In den USA steht der Erntebeginn (wie am Schwarzen Meer) unmittelbar bevor. In der Europäischen Union konnten sich die Weizenpreise zum Ende der Woche noch knapp über der der 190-Euro-Marke behaupten. Am Donnerstag (05.06) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF 191,50 Euro/t. Am Kassamarkt haben die Weizenpreise ebenfalls nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Donnerstag (05. Juni) mit 193 Euro/t. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg mit 195 Euro/t notiert.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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