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Analyse

Weizen/EU: Exporte rückläufig, Preisdruck am Weltmarkt

von , am
31.01.2014

Die Weizenausfuhren der Europäer haben sich kurz vor dem Monatswechsel abgeschwächt. Ein Grund für die Entwicklung könnte der Preisvorteil der US-Amerikaner an den Exportmärkten sein.

© Nightman1965/Fotolia
 
Die Weizenausfuhren der Europäer haben sich kurz vor dem Monatswechsel abgeschwächt. Ein Grund für die Entwicklung könnte der Preisvorteil der US-Amerikaner an den Exportmärkten sein sowie der sehr günstige Weizen aus Kanada. Zusätzlichen Druck auf die Preise dürfte der aus Australien (Ernte Dezember/Januar) auf die Exportmärkte drängende Weizen bringen. Diese Woche wurde zudem französischer Weizen bei einer Export-Auktion Ägyptens wegen zu hohen Feuchtegehalts zurückgewiesen. Den Zuschlag erhielten Russland und die USA. Diese Entwicklung hat für Druck auf die europäischen Weizenpreise gesorgt, zumal die US-Exporte wieder an Fahrt gewinnen.
 
Europäischer Export deutlich kleiner
In der Abrechnungswoche bis zum 28. Januar verkauften die EU-Länder insgesamt 609.000 t (Lizenzen) Weizen in Drittländer. Das sind 201.000 t oder 25 % weniger als in der letzten Woche (819.000 t) und die kleinste Ausfuhrmengen seit dem Jahreswechsel. Insgesamt wurden in den ersten 31 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres allerdings schon 17,3 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) in Drittländer verkauft. Das sind rund 53 % bzw. 6,05 Mio. t Weizen mehr als im bereits guten Exportjahr 2012/13 zu diesem Zeitpunkt (11,27 Mio. t).
 
Deutschland mit der größten Ausfuhrmenge
Der größte Einzelexporteur in der Woche bis zum 28. Januar war (wie in der Vorwoche) Deutschland mit einer Ausfuhrmenge von 172.000 t (Vorwoche: 254.000 t). Allerdings ist auch die deutsche Exportmenge deutlich kleiner als in der letzten Woche. Die zweitgrößte Ausfuhrmenge kam mit 154.000 t (Vw.: 248.000 t) aus Frankreich. Auch hier ging die Exportdynamik deutlich zurück. Auf Position drei der größten Exporteure lag diesmal Litauen mit Exporten von 125.000 t (Vw: 66.000), gefolgt von Vereinigten Königreich mit 50.000 t Weizen (Vw: 0) sowie Rumänien mit 18.000 t (Vw.: 0). Über die niederländischen Exporthäfen wurden 73.000 t Weizen t (Vw: 87.000 t) verschifft. Kleinere Mengen wurden diese Woche zudem aus Ungarn, Schweden und Österreich verkauft.
 
Deutschland hat mehr als 5 Mio. t exportiert
In den ersten 31 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres hat Frankreich bislang die größte Menge Weizen exportiert, ganz knapp vor Deutschland. Der französische Weizen-Verkauf in Drittländer erreichte bis zum 28. Januar einen Umfang von 5,25 Mio. t. Die deutschen Exporte erhöhten sich auf 5,14 Mio. t. Damit hat Deutschland den Abstand zu Frankreich weiter verkürzt. Rumänien liegt mit einer Gesamtausfuhr von bislang 1,806 Mio. t unverändert auf Position drei. Rund 1,757 Mio. t Weizen wurden zudem über die niederländischen Exporthäfen vermarktet. Etwa 1,2 Mio. t Weizen verkaufte Litauen in Drittländer, 598.000 Lettland, 482.000 t Bulgarien, 444.000 t Polen, 233.000 Ungarn und 109.000 t aus Österreich.
 
Europäische Exportpreise wenig verändert
Die Weizenpreise haben am Binnenmarkt und an den Exporthäfen Mitte der Woche nachgegeben, sich aber dann wieder etwas erholt. Hauptgrund für den Preisdruck dürfte der zunehmende Wettbewerb an Exportmärkten sein. Nicht nur die Preise in den USA und Kanada sind zuletzt kräftig gefallen sondern auch aus Australien kommt preiswerter Weizen auf den Weltmarkt und auch in Russland war zuletzt offenbar wieder mehr Ware verfügbar. An den norddeutschen Exporthäfen lagen die Großhandelspreise für Brotweizen am Donnerstag (30.01.) wieder bei 196 Euro (Vw: 196 Euro). Zum gleichen Zeitpunkt lagen die Exportpreise für Brotweizen an den deutschen Ostseehäfen (fob) zwischen 201 und 206 Euro/t (Vw.: 201 und 206 Euro/t). Die Exportpreise für deutschen A-Weizen (fob Ostseehafen) wurden zwischen 203 bis 208 Euro (Vw.: 203 und 298 Euro) notiert. In Frankreich kostete der Weizen im Großhandel (Rouen) am Donnerstag allerdings nur noch 187 Euro/t (Vw: 190 Euro/t).
 
US-Weizen-Exporte ziehen kräftig
In den USA haben die Weizen-Exporte weiter zugelegt und übertrafen am zudem recht deutlich die Erwartungen der Analysten. Vom USDA wurden in der letzten Abrechnungswoche Export-Verkäufe von 794.000 t Weizen gemeldet. Erwartet wurden von den Analysten im Vorfeld Verkäufe von 300.000 t bis 625.000 t. Damit liegt die Exportmenge fast doppelt so hoch wie der letzten Woche (421.000 t). Hauptabnehmer waren diese Woche die Japan, Südkorea, Nigeria, die Philippinen und Taiwan. Insgesamt wurden in diesem Wirtschaftsjahr allerdings schon 26,1 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft und damit 5,4 Mio. t bzw. 26 % mehr wie im letzten Jahr zu diesem Zeitpunkt (20,7 Mio. t).
 
US-Weizenpreise weiter gefallen
In den USA sind die Weizenpreise zur Mitte der Woche auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren gefallen, haben sich dann aber wieder etwas erholt. Das Niveau der Vorwoche wird jedoch trotz der Preiserholung nicht erreicht. Am Terminmarkt in Chicago kostete der Märzkontrakt am Donnerstag (30.01) umgerechnet 150 Euro (Vw. 153 Euro). Der in Kansas gehandelte US-Brotweizen (HRW) beendete den Handel am Donnerstag (30.01) für den Märzkontrakt mit umgerechnet 165,60 Euro/t (170 Euro). An den US-Exporthäfen kostete der in Chicago gehandelte Weizen der Sorte Soft Red Winter am gleichen Tag etwa 260 USD/t bzw. 192 Euro (Vw. 264 USD) und der in Kansas gehandelte Brotweizen der Sorte Hard Red Winter kostetet rund 284 USD/t bzw. 210 Euro (Vw. 290 USD). Am Freitag (31.01) Vormittag (MEZ) lagen die Weizenpreise in den USA im elektronischen vorbörslichen Handel im grünen Bereich.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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