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Analyse

Weizen/EU: Rekordernte bestätigt, reichlich Futterweizen, Riesenbestände

von , am
02.09.2014

Ende August korrigiert die EU-Kommission die Prognose für die aktuelle europäische Weizenernte noch einmal kräftig nach oben.

© landpixel
Ende August korrigiert die EU-Kommission die Prognose für die aktuelle europäische Weizenernte noch einmal kräftig nach oben. Nach den Daten der Kommission erwartet der Markt damit die bislang größte europäische Ernte von Weichweizen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2008 würde nach Einschätzung der Kommission knapp übertroffen. Allerdings war im Jahr 2008 die Hartweizenproduktion (Durum) und damit auch die Gesamtproduktion von Weizen etwas größer. Andere Analysten hatten die europäische Weichweizenernte im August hingegen noch deutlich größer eingeschätzt als die Kommission. Damit bleibt die Ernte-Schätzung der Kommission trotz der Aufwärtskorrektur die konservativste aller wichtigen Analystenhäuser. Im August hatten die andere europäische Analysten (Töpfer/ADM, Strategie Grains) aber auch der Internationale Getreiderat (IGC) ihre Ernteerwartungen für die EU zum Teil deutlich nach oben gesetzt.
 
Kommission passt Prognose nach oben an
Die aktuelle europäische Weichweizenernte 2014 schätzt die Kommission Ende August auf 139,6 Mio. t. Im Vergleich zur Juli-Prognose (137,50 Mio. t) erwartet die Kommission damit einen weiteren Zuwachs bei der Weich-Weizenproduktion von 2,1 Mio. t. Gegenüber dem sehr guten Ergebnis von 2013 (135,0 Mio. t) wäre die neue Ernte 2014 rund 4,6 Mio. t oder 3,4 % größer. Außerdem wäre dies die bislang größte europäische Weichweizenernte überhaupt. Die bisherigen Rekordernte aus dem Jahr 2008 (139,4) würde knapp übertroffen. Die diesjährige Erntefläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission in der aktuellen Prognose auf 24,0 Mio. ha und damit etwas höher als noch im Juli (23,9). Im Vergleich zum letzten Jahr (23,4 Mio. t) wäre dies ein Zuwachs von 0,6 Mio. ha. Dier derzeitige Ertragserwartung der Kommission für die EU 28 liegt allerdings unverändert zum Juli bei 5,8 t/ha und damit ebenso so hoch wie im sehr guten Vorjahr (5,8). Die Crop-Monitoring Agentur der EU (MARS) hatte die Erträge bei Weichweizen im August auf 5,85 t/ha veranschlagt.
 
Andere Analysten erwarten noch größere Ernte
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die europäische Weichweizenernte Mitte August auf 144,1 Mio. t (Juli: 140,5) nach oben geschätzt und damit rund 4,5 Mio. t größer als die Kommission und ADM/Töpfer ging zuletzt von 143,4 Mio. t (Juli 143,0 Mio. t) aus und lag damit wie Strategie Grains deutlich über dem bisherigen Rekord von 2008. Die Schätzung des Internationalen Getreiderates IGC lag Ende August bei 143,8 Mio. t (Juli: 140,0 Mio. t) Weichweizen und damit ebenfalls über dem bisherigen Rekord von 2008 (139,4 Mio. t). Die Gesamtproduktion von Weizen (einschließlich 7,3 Mio. t Hartweizen) schätzt die Kommission auf 146,8 Mio. t und bleibt damit unter der Prognose des IGC mit 150,8 Mio. t und auch unter der August-Prognose des USDA von mit 147,9 Mio. t.
 
Weizenexporte gehen zurück, IGC und USDA optimistischer
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 (wie die anderen Analysten auch) einen Rückgang. Allerdings wäre dies nach dem Ausfuhrrekord im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 noch immer die zweitgrößte jemals erreichte Ausfuhrmenge. Mit derzeit geschätzten 22 Mio. t Weichweizen bleiben die erwarteten Exporte rund 8,0 Mio. t bzw. 27 % unter den von der Kommission für die zurückliegende Saison abgerechneten Rekordausfuhren (30,0 Mio. t). Die Exportmenge für das Wirtschaftsjahr 2013/14 von 30,0 Mio. t hat die Kommission im Vergleich zur letzten Juli-Prognose nochmals um 1,0 Mio. t nach oben korrigiert. Zu den Weichweizenexporten kommen in beiden Wirtschaftsjahren noch die Exporte von rund 1,0 Mio. t Hartweizen (Durum). Das USDA erwartete in seinem Augustreport für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2014/15 europäische Gesamtausfuhren bei Weizen von 25,0 Mio. t (Juli: 28 Mio. t) und der IGC geht von 26,7 Mio. t (Juli: 27,6 Mio. t) aus. Beide Schätzungen liegen also über der Prognose der Kommission.
 
Endbestände werden immer größer
Bei den für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2014/15 erwarteten Endbeständen nahm die Kommission Ende August eine weitere sehr kräftige Korrektur nach oben vor. Auf 15,3 Mio. t sollen die Weizenbestände wegen der sehr großen Ernte und der schwächeren Exporte in der EU zunehmen. Das wären nochmals 2,0 Mio. t mehr als bereits im Juli (13,3 Mio. t) erwartet wurden und sogar knapp 7,0 Mio. t bzw. 82 % mehr als im letzten Wirtschaftsjahr (8,4 Mio. t). Von diesen riesigen Beständen dürfte erheblicher Druck auf die Weizenpreise in der EU ausgehen. Trotz der sehr großen Ernte und dem kräftigen Bestandswachstum erwartet die Kommission jedoch auch eine Zunahme der Weizenimporte. Diese sollen nach der Augustprognose der Kommission mit 3,1 Mio. t rund 1,3 Mio. t größer ausfallen als im letzten Wirtschaftsjahr (1,8 Mio. t).
 
Verbrauch von Futterweizen wächst sehr kräftig
Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll nach der August-Prognose der Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 49,6 Mio. t von 42,9 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 zunehmen. Da wäre ein gewaltiger Zuwachs von 6,7 Mio. t oder 16 %. Der Internationale Getreiderat erwarte Ende August den europäischen Verbrauch von Futterweizen sogar bei 52,8 Mio. t (Juli 49,5 Mio. t) und damit noch deutlich höher als die Kommission. Das USDA geht für die neue Saison sogar von Verbrauch von 57,0 Mio. t Futterweizen aus. Unverändert bei etwa 48,00 Mio. t erwartet die Kommission den europäischen Verbrauch von Nahrungsweizen.
 
Europäische Weizenpreise zuletzt seitwärts
In Europa sind die Weizenpreise (am Terminmarkt) im Juli von etwa 185 Euro um etwa 8% bzw. 15 Euro auf etwa 170 Euro gefallen. Im August pendelten die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt dann innerhalb einer Spanne von 170 bis 175 Euro/t. Das ist das niedrigste Preisniveau seit dem Juni 2010 also seit 4 Jahren. Am 01. September kostete der Weizen am europäischen Terminmarkt knapp 174 Euro. Im letzten Jahr (2013) lagen die Preise zu diesem Termin bei 189 Euro/t und damit rund 15 Euro höher. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am Montag (01.09) mit 184 Euro/t und für den November mit 186 Euro. Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 189 Euro/t geboten und Futterweizen wurde mit 174 Euro notiert. Am südwestdeutschen Großmarkt in Mannheim bewegten sich die Preisangebote franko südwestd. Mühle für Brotweizen mit 11,5 % Protein Anfang September zwischen 165 Euro und 167 Euro und ab südwestd. Station zwischen 162 Euro und 163 Euro. Im Großhandel in Frankreich kostet der Weizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 172 Euro/t.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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