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Analyse

Weizen/EU: Rekordernte, Qualitätsprobleme und niedrige Preise

von , am
08.08.2014

© landpixel
Mögliche Qualitätsprobleme in Europa und die befürchteten Auswirkungen der Ukrainekrise auf den Welthandel haben Anfang August für einen Anstieg der Weizenpreise gesorgt. Diese Erholung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die neue Weizenernte sowohl im globalem Maßstab als auch Europa sehr groß wird. Andererseits könnte der starke Regen während der Ernte in einigen europäischen Ländern den Anteil von Qualitätsweizen reduzieren. Wegen der insgesamt sehr großen Erntemenge dürfte jedoch dennoch ausreichend Weizen in guter Qualität für den Binnenmarkt und für den Export zu Verfügung stehen. Diese Annahme wird auch durch den starken Beginn der europäischen Weizenausfuhren bestätigt.
 
Große globale Ernte, sehr viel Futtergetreide
Darüber hinaus steht auch am Weltmarkt ausreichend Weizen zur Verfügung, so dass eventuelle Engpässe wohl rasch ausgeglichen werden können. Außerdem verstärkt die große globale und europäische Weizenernte den Druck auf die Futtergetreidepreise (ebenso wie die große globale Maisernte). In der zweiten Augustwoche (12.08) steht zudem der neue USDA-Report an und damit eine neue globale Ernteprognose. Analysten halten im Vorfeld einen Anstieg der globalen Erntemenge bei Weizen auf das Rekordniveau des letzten Jahres für möglich. Auch in Europa haben die meisten Analysten die Weizenernte im Juli weiter nach oben geschätzt. In Verbindung mit dem großen globalen Angebot hat dies die europäischen Weizenpreise Ende Juli auf den tiefsten Stand seit 4 Jahren gedrückt und damit deutlich unter die Preise der letzten Ernte.
 
Analysten erwarten europäische Rekordernte
Ende Juli hatte das deutsch amerikanische Analystenhaus ADM Deutschland (Töpfer) seine Prognose für die europäische Weichweizernte von 139,2 Mio. t auf 143 Mio. t sehr kräftig nach oben geschraubt. Kurze Zeit zuvor hatten bereits die Analysten von Strategie Grains ihre Ernteschätzung von 139,4 Mio. t auf 140,5 Mio. t angehoben. Beide Schätzungen liegen damit über dem bisherigen europäischen Produktionsrekord aus dem Jahr 2008 von 139,4 Mio. t. Angehoben hatten im Juli außerdem auch die Analysten des USDA und des Internationalen Getreiderates ihre Erwartungen an die europäische Weizenernte. Dabei erreichen auch die USDA-Schätzung und die IGC-Prognose (140 Mio. t) bei Weichweizen den Rekordwert aus dem Jahr 2008. Die sehr gute Ernte aus dem Vorjahr von 135 Mio. t wird von allen Prognosen sehr deutlich übertroffen.
 
Kommission-Schätzung bleibt eher konservativ
Lediglich EU-Kommission hat ihre Prognose für die neue europäische Weizenernte im Juli unverändert gelassen. Nach den Daten der Kommission erwartet der Markt (nur) die drittgrößte europäische Weizenernte nach 2008 und 2004. Ende Juli schätzte die Kommission die neue europäische Weichweizenernte 2014 unverändert auf 137,5 Mio. t. Gegenüber dem sehr guten Ergebnis von 2013 (135,0 Mio. t) wäre die neue Ernte 2014 rund 2,5 Mio. t größer. Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 (wie andere Analysten auch) einen Rückgang. Allerdings wäre dies nach dem Ausfuhrrekord im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 immer noch die zweitgrößte jemals erreichte Ausfuhrmenge. Mit 22 Mio. t (Weichweizen) bleibt die erwartete Exportmenge rund 7,0 Mio. t bzw. 24 % unter den für die zurückliegende Saison abgewickelten Rekordausfuhren (29,0 Mio. t). Das USDA erwartet in seinem Julireport allerdings bei weitem nicht so einen deutlichen Rückgang der Ausfuhren wie die Kommission und auch der IGC ist für die neue Saison bei weitem optimistischer.
 
Weizenpreise Anfang August etwas erholt
In Europa sind die Weizenpreise am Terminmarkt im Verlauf des Julis von etwa 185 Euro auf knapp 170 Euro/t gefallen. Das waren die niedrigsten Weizenpreise seit der Ernte 2010 - also seit 4 Jahren. Das von vielen Analysten zunächst als Untergrenze erwartete Ernte-Niveau des Vorjahres (2013) von etwa 182 Euro wurde damit deutlich verfehlt. Anfang August konnten sich die Weizenpreise dann jedoch wieder bis auf etwa 178 Euro erholen. Grund für die den Preisanstieg waren zum einen die wachsenden Befürchtungen über deutliche witterungsbedingte Qualitätseinbußen beim Weizen in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und auch in Deutschland. Hinzu kamen die Befürchtungen über die Auswirkungen der Russland/Ukraine-Krise auf den Getreidehandel und das verfügbare globale Angebot. Am Donnerstag (07.08) kostete der Weizen für den Novembertermin an der MATIF 176 Euro/t. Am Großmarkt in Hamburg notierte man den Brotweizen der neuen Ente am Mittwoch (06. August) mit 180 Euro/t und für die Anlieferung im September mit 185 Euro. In Südwestdeutschland (Mannheim) lagen die Preisangebote für Brotweizen (ab Station) Anfang August zwischen 168 und 170 Euro/t.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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