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Analyse

Weizen/EU: Rekordernte bei Weichweizen, Qualitätsprobleme

von , am
15.08.2014

Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat seine Erwartung an die europäische Ernte von Weichweizen nochmals deutlich nach oben korrigiert.

Englische Landwirte holten sich dank einer perfekten Saison den Weltrekord für die Weizenernte. © Mühlhausen/landpixel

Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat seine Erwartung an die europäische Ernte von Weichweizen nochmals deutlich nach oben korrigiert. Die Analysten schätzten die Produktion von Weichweizen (ohne Durum) in der Europäischen Union mittlerweile auf 144,1 Mio. t. Die vorige Schätzung von Mitte Juli lag noch bei 140,5 Mio. t und war damit 3,6 Mio. t kleiner. Die keineswegs schwache europäische Weichweizenernte des Jahres 2013 ist mit 135,5 Mio. t sogar gut 6 % oder 8,6 Mio. t kleiner als die aktuelle Prognose. Damit wird die letzte europäische Rekordernte von Weichweizen aus dem Jahr 2008 ziemlich deutlich übertroffen. Allerdings war damals auch die Ernte von Hartweizen deutlich größer. Nach den Daten der EU-Kommission ernteten die europäischen Landwirte im bisherigen Rekordjahr Jahr 2008 rund 139,4 Mio. t Weichweizen sowie 10 Mio. t Hartweizen. Die Hartweizenernte wird in diesem Jahr bei 7,2 Mio. t erwartet. Damit liegt die von Strategie Grains erwartete Gesamt-Weizenernte für 2014 bei 151,3 Mio. t, nach 149,4 Mio. t im Jahr 2008. Rechnet man Kroatien 2008 (0,9 Mio. t) noch hinzu kommt auf 150,8 Mio. t
 
Qualitätsprobleme drücken Brotweizenanteil
Wie andere europäische Analysten auch verweist Strategie Grains allerdings auch auf die Probleme bei mit Weizenqualität der aktuellen Ernte i in einigen Ländern wie etwa in Frankreich. Dort wir weiterhin übrige niedrige Fallzahlen und spezifische Gewichte berichtet sowie über einen deutliche reduzierten Anteil an Brotweizen(Qualitäten) bei der aktuellen europäischen Ernte. Strategie Grains schätzt den Anteil an Brotweizen an der aktuell erwarteten europäischen Gesamternte nur noch auf 59 %. Bei der Juliprognose gingen die Analysten noch von 67 % aus. Im letzten Jahr (2013) lag der Anteil von Brotweizen an der Gesamternte noch bei 71 %.
 
Rückgang der Brotweizenproduktion um 10 Mio. t
Überträgt man die Anteil an Brotweizen auf die jeweils erwarteten Erntemengen von August und Juli 2014 sowie aus dem Jahr 2013, so ergibt sich für die von Strategie Grains für den August erwartete Produktion ein Menge an Brotweizen von etwa 85,0 Mio. t, in der Juliprognose lag die erwartete Menge Brotweizen noch bei 94 Mio. t und im letzten Jahr (2013) bei 96 Mio. t. Das wäre ein Rückgang der europäischen Brotweizenproduktion von gut 10 Mio. t. Die Kommission schätzt den aktuellen europäischen Bedarf/Verbrauch an Brotweizen auf 47,9 Mio. t, so dass bei 85 Mio. t noch immer rund 35 Mio. t Weizen für den Export bleiben würden. Im Rekordjahr 2013/14 exportieren die Europäer 29 Mio. t Weichweizen und für das aktuelle Jahr werden von Strategie Grains Ausfuhren von 23,7 Mio. t erwartet. Allerings hat man die französischen Exportprognosen zuletzt deutlich reduziert. Den europäischen Verbrauch/Bedarf an Futterweizen schätzte die Kommission zuletzt auf knapp 50 Mio. t. (Vj. 44 Mio. t).
 
Noch größere Ernten in Frankreich, Deutschland und UK
Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten der EU, schätzte Strategie Grains die Weizenproduktion 2014 im August auf 37,6 Mio. t nach 37,2 Mio. t Im Juli und 36,9 Mio. t im Jahr 2013. Das französische Landwirtschaftsministerium hatte Mitte eine französische Weichweizenernte von 37,3 Mio. t unterstellt. Für Deutschland haben die Experten von Strategie Grains die Weizenernte 2014 im August auf 26,4 Mio. t geschätzt nach 25,2 Mio. t im Juli. Im Vergleich zur Weizenernte von 2013 (25,0 Mio. t) wäre die derzeit für 2014 erwartete deutsche Weizenernte damit 1,4 Mio. t größer. Der DRV hat Mitte August in eine deutsche Weichweizenernte von 26,3 Mio. t unterstellt. Nach der aktuellen Prognose wird die Weizenproduktion im Vereinigten Königreich 16,3 Mio. t erreichen und deutlich größer als noch im Juli mit 15,5 Mio. t erwartet.  Im Vergleich zur Ernte 2013 (11,9 Mio. t) wäre dies ein Produktionssprung von 4,4 Mio. t oder 37 % (!!).
 
Polen und Rumänien mit sehr großen Ernten
Die Nummer vier unter den europäischen Weizenproduzenten ist Polen. Bei unseren östlichen Nachbarn geht Strategie Grains im August von einer rekordhohen Erntemenge von 10,3 Mio. t aus und damit 0,7 Mio. t mehr als im Juli (9,6 Mio. t) und auch deutlich mehr als zur Ernte 2013 (9,5 Mio. t). Für Rumänien (als den nach Frankreich und Deutschland wichtigsten Weizenexporteur der EU), soll die Produktion 2014 etwa 7,7 Mio. t (Juli 7,7 Mio. t) erreichen und damit 0,4 Mio. t über der Rekordernte von 7,4 Mio. t aus dem Jahr 2013 liegen. ADM-Deutschland (Töpfer) hat Ende Juli für Polen ebenfalls eine Weichweizenernte von 10,3 Mio. t geschätzt und für Rumänien sogar von 8,6 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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