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Analyse

Weizen/EU: So viel Weizen gab es in Europa noch nie

von , am
03.10.2014

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Schätzung zur europäischen Weizenernte auf einen neuen Rekordwert nach oben korrigiert. In Europa sind die Weizenpreiseim des September von etwa 175 Euro bis auf etwa 150 Euro gefallen.

© landpixel
Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Schätzung zur europäischen Weizenernte noch einmal sehr kräftig auf einen neuen Rekordwert nach oben korrigiert. Gleichzeitig stimmt die EU-Schätzung jetzt sehr gut mit den letzten Prognosen der wichtigsten europäischen und internationalen Analysten überein. Nach den Daten der Kommission wurde in der europäischen Union damit die bislang mit Abstand größte Ernte von Weichweizen eingebracht. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2008 wird nach Einschätzung der Kommission sehr deutlich übertroffen. Auch insgesamt (einschließlich Hartweizen) steigt die europäische Weizenernte (wegen der riesigen Weichweizenernte) auf ein neues Alleizeithoch, auch wenn die Ernte von Hartweizen in diesem Jahr eher unterdurchschnittlich ausfällt. Die wichtigsten privaten europäischen und internationalen Analysten hatten die europäische Weichweizenernte im September bereits ähnlich groß eingeschätzt wie die Kommission.
 
Kommission passt Prognose nach oben an
Die europäische Weichweizenernte 2014 schätzt die Kommission Ende September auf 145,6 Mio. t. Im Vergleich zur August-Prognose (139,6 Mio. t) hat die Kommission die Erntemenge damit nochmals um 6,0 Mio. t nach oben geschraubt. Gegenüber dem sehr guten Ergebnis von 2013 (135,1 Mio. t) wäre die neue Ernte 2014 rund 10,5 Mio. t oder 7,8 % größer. Außerdem wäre dies die bislang größte europäische Weichweizenernte überhaupt. Die bisherige europäische Rekordernte aus dem Jahr 2008 (139,4) würde deutlich um 4,3 Mio. t übertroffen. Die diesjährige Erntefläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission Ende September auf 24,4 Mio. ha und damit größer als noch im August (24,0). Im Vergleich zum letzten Jahr (23,4 Mio. t) wäre dies ein Zuwachs von 1,0 Mio. ha. Der durchschnittliche Weizenertrag lag nach den Daten der Kommission für die EU 28 bei 6,0 t/ha und damit höher als noch im August geschätzt (5,8) und auch höher als im bereits sehr guten Vorjahr (5,8).
 
Analysten-Schätzungen stimmen sehr gut überein
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die europäische Weichweizenernte Mitte September auf 146,6 Mio. t (August: 144,1) nach oben geschätzt und damit noch 1,0 Mio. t größer als die Kommission und ADM/Töpfer ging zuletzt ebenfalls von 146,7 Mio. t (August 143,4 Mio. t) aus und lag damit wie Strategie Grains ebenfalls deutlich über dem bisherigen Rekord von 2008. Die Schätzung des Internationalen Getreiderates IGC lag Ende September bei 146,1 Mio. t (August: 143,8 Mio. t) Weichweizen und damit auf ähnlichem Niveau wie die europäischen Analystenhäuser. Die Gesamtproduktion von Weizen (einschließlich 7,3 Mio. t Hartweizen) schätzt die Kommission auf 152,9 Mio. t und bleibt damit knapp unter der Prognose des IGC mit 153,1 Mio. t und jedoch über der September-Prognose des USDA mit 151,0 Mio. t.
 
Weizenexporte gehen weniger stark zurück als erwartet
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 (wie die anderen Analysten auch) einen Rückgang. Trotz des Rückgangs wäre dies jedoch nach dem Ausfuhrrekord aus dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 noch immer die zweitgrößte jemals erreichte Ausfuhrmenge. Mit den derzeit geschätzten 25 Mio. t (August: 22 Mio. t) Weichweizen liegen die erwarteten Exporte der Europäer 5,0 Mio. t bzw. 27 % unter den von der Kommission für die zurückliegende Saison abgerechneten Rekordausfuhren (30,0 Mio. t). Allerdings hat die Kommission die erwartete Exportmenge  jetzt auf 25,0 Mio. t von zuvor 22,00 Mio. t deutlich nach oben korrigiert. Zu den Weichweizenexporten kommen noch die Exporte von rund 1,0 Mio. t Hartweizen (Durum). Das USDA erwartete in seinem Septemberreport für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2014/15 europäische Gesamtausfuhren bei Weizen von 26,0 Mio. t (August: 25 Mio. t) und der IGC geht von 26,7 Mio. t (August: 26,7 Mio. t) aus. Beide Schätzungen liegen also in der Nähe der Prognose der Kommission.
 
Endbestände verdoppeln sich und drücken auf die Preise
Bei den für das Wirtschaftsjahr 2014/15 erwarteten Endbeständen nahm die Kommission Ende September eine weitere sehr kräftige Korrektur nach oben vor. Auf 16,4 Mio. t sollen die Weizenbestände wegen der sehr großen Ernte in der EU zunehmen. Das wären nochmals 1,0 Mio. t mehr als bereits im August (15,3 Mio. t) erwartet wurden und fast doppelt so hohe Endbestände wie im letzten Wirtschaftsjahr (8,4 Mio. t). Von diesen riesigen Beständen dürfte erheblicher Druck auf die Weizenpreise in der EU ausgehen. Trotz der sehr großen Ernte und dem kräftigen Bestandswachstum erwartet die Kommission jedoch weiterhin eine Zunahme der Weizenimporte. Diese sollen nach der aktuellen Prognose der Kommission mit 3,0 Mio. t rund 1,2 Mio. t größer ausfallen als im letzten Wirtschaftsjahr (1,8 Mio. t). sehr kräftig
 
Verbrauch von Futterweizen 20 Prozent höher als 2013
Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll nach der aktuellen Einschätzung der der Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 51,5 Mio. t (August: 49,6 Mio. t) von 42,9 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 zunehmen. Da wäre ein gewaltiger Zuwachs bei der Weizenverfütterung von 8,6 Mio. t oder 20 %. Der Internationale Getreiderat erwarte Ende September den europäischen Verbrauch von Futterweizen sogar bei 53,0 Mio. t (August 52,8 Mio. t) und damit noch höher als die Kommission. Das USDA geht für die neue Saison sogar von einem Verbrauch von 57,0 Mio. t Futterweizen in der EU aus. Unverändert bei etwa 48,00 Mio. t erwartet die Kommission den europäischen Verbrauch von Nahrungsweizen.
 
Weizenpreise im September gefallen, Anfang Oktober etwas fester
In Europa sind die Weizenpreise (am Terminmarkt) im September von etwa 175 Euro bis auf etwa 150 Euro gefallen. Anfang Oktober gab es dann jedoch wieder eine moderate Preiserholung. Am 01. September kostete der Weizen am europäischen Terminmarkt noch 174 Euro. Eine Monat später am 01. Oktober lagen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt bei knapp 155 Euro und damit etwa 20 Euro niedriger. Im letzten Jahr (2013) kostete der Weizen zu diesem Termin 189,50 Euro/t und damit rund 34,5 Euro mehr. Am Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Oktobertermin am Mittwoch den 1. Oktober mit 165 Euro/t (Vormonat: 184 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 171 Euro/t (Vormonat: 189 Euro) geboten und Futterweizen wurde mit 155 Euro (Vormonat: 174 Euro) notiert.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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