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Analyse

Weizen/EU: Weizenexporte auf Rekordstand, Importe aber auch

von , am
15.09.2014

Anfang September übertreffen die laufenden europäischen Weizenexporte (Lizenzen) die Rekordausfuhren aus dem Vorjahr.

An der Matif war die Tonne Weizen nur noch 146,75 Euro je Tonne wert. © Mühlhausen/landpixel
Damit hatte angesichts der massiven Qualitätsprobleme in Europa wohl kaum jemand gerechnet. Anfang September übertreffen die laufenden europäischen Weizenexporte (Lizenzen) die Rekordausfuhren aus dem Vorjahr. Insbesondere die Weizenexporte aus Deutschland legten zuletzt sehr kräftig zu. Deutschland verkaufte bis Anfang September (knapp hinter Frankreich) die zweitgrößte Menge Weizen in Drittländer. Neben den deutlich gefallenen Weizenpreisen dürfte auch der schwache Euro die Ausfuhren ankurbeln. Gleichzeitig sind jedoch auch die europäischen Weizenimporte erheblich höher als im letzten Jahr. In den ersten elf Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres 2014/15 wurden nach den Daten der EU-Kommission etwa 5,3 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) ins Ausland verkauft. Das ist eine größere Exportmenge als im Rekordjahr 2013/14. Damals wurden bis zu diesem Termin 5,18 Mio. t Weizen exportiert und im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2012/13 (2,54 Mio. t) sind die Exporte derzeit mehr als doppelt so hoch.
 
Deutschland mit hohem Exporttempo
In der aktuellen Abrechnungswoche bis 09. September erreichte die in Drittländer verkaufte Weizenmenge (Lizenzen) einen Umfang von 661.000 t, nach 852.000 t in der Vorwoche und 653.000 t in der Woche davor. In der vergleichbaren Vorjahreswoche (2013/14) lag die Ausfuhrmenge bei 715.000 t und war damit etwas größer. Vor zwei Jahren (2012/13) verkauften die Europäer in dieser Woche 409.000 t Weizen ins Ausland. Größter Einzelexporteur in der Woche bis zum 09. September war Deutschland, mit einer Ausfuhrmenge von 322.000 t (Vw: 164.000 t). Die zweitgrößte Ausfuhrmenge kam mit 115.000 t aus Frankreich (Vw: 350.000 t). Auf Position drei der größten Exporteure lag in der letzten Woche Bulgarien mit 33.000 t (Vw.: 28.000 t) Weizen. Aus Litauen wurden 33.000 t (Vw. 91.000 t) Weizen verkauft, aus Schweden 30.000 t (Vw: 2.000 t), aus Rumänien 27.000 t (Vw: 71.000 t), und aus Lettland 23.000 t (Vw: 75.000 t). Über die niederländischen Exporthäfen wurden 94.000 t (Vw: 39.000) Weizen vermarket.
 
Deutschland holt weiter auf
Größter Einzelexporteur in den ersten elf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres ist mit knappem Vorsprung Frankreich, mit einer Ausfuhrmenge von insgesamt 1,59 Mio. t. Die zweitgrößte Liefermenge kommt bislang mit 1,4 Mio. t Weizen aus Deutschland. Auf Position drei der größten Exporteure liegt in den ersten elf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres Rumänien mit 0,96 Mio. t t Weizen. Über die niederländischen Exporthäfen wurden 0,42 t Weizen vermarket und aus Bulgarien gingen bisher 0,26 Mio. t Weizen auf den internationalen Markt. Litauen exportierte bislang 0,19 Mio. t, Polen 0,18 Mio. t. Kleinere Mengen Weizen wurden zudem aus Schweden, Lettland, Ungarn, Österreich und Dänemark exportiert.
 
Weizenpreise sehr kräftig gefallen
In der Europäischen Union stehen die Weizenpreise zum Beginn der dritten Septemberwoche weiter unter Druck. Am Montag Nachmittag (15.09) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris noch knapp 161,5 Euro/t und damit 8,50 Euro/t weniger als vor einer Woche (170 Euro). Gleichzeitig sind die Preise jetzt 25 Euro niedriger als Mitte September 2013 (187 Euro). Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am Montag (16.09) mit 170 Euro/t und damit 10 Euro niedriger als vor einer Woche (180 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen (12 % Protein) zur die Anlieferung im November lagen am Montag bei 175 Euro/t (Vw. 182 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein (September) wurden in Hamburg 175 Euro (Vw: 185 Euro/t) geboten und Futterweizen wurde mit 164 Euro/t (Vw.168 Euro) notiert. Im Großhandel in Frankreich kostete der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 160 Euro/t (Vw: 169 Euro/t).
 
Weizen-Importe viermal so hoch wie im Vorjahr
Importiert wurden in den ersten elf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres rund 1,1 Mio. t Weizen und damit viermal so viel wie im vorigen Wirtschaftsjahr (268.000 t). Außerdem ist die Importmenge etwas größer als vor zwei Jahren. Damals waren in den ersten elf Wochen 1,0 t Weizen aus Drittländern auf den europäischen Markt geflossen. Bislang gingen 474.000 t Weizen nach Spanien, 200.701 t nach Italien, 141.721 t nach Deutschland, 81.429 t nach Griechenland, 78.432 t ins Vereinigte Königreich, 40.898 t nach Frankreich sowie 50.677 t in die Niederlande.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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