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Analyse

Weizen/EU:Große Ernteprognosen beschleunigen Talfahrt der Preise

von , am
03.07.2014

Nach den Daten der Kommission erwartet der Markt die drittgrößte europäische Weizenernte nach 2008 und 2004.

An der Matif landete der Weizen knapp unter der 180 Euro-Marke. © HB1111/aboutpixel.de
Anfang Juli lässt die EU-Kommission ihre Prognose für die neue europäische Weizenernte unverändert. Nach den Daten der Kommission erwartet der Markt damit die drittgrößte europäische Weizenernte nach 2008 und 2004. Andere Analysten hatten die neue Ernte im Juni hingegen weiter in die Nähe der letzten Rekordernte aus dem Jahr 2008 gerückt. Die Ernte-Schätzung der Kommission ist derzeit die konservativste aller wichtigen europäischen und internationalen Analystenhäuser. Im Juni hatten die andere europäische Analysten (Töpfer, Strategie Grains, Coceral) aber auch das USDA und der Internationale Getreiderat (IGC) haben ihre Ernteerwartungen für die EU im Juni weiter nach oben gesetzt.
 
Kommission passt Prognose nicht nach oben an
Die neue europäische Weichweizenernte 2014 schätzt die Kommission Anfang Juli auf 137,5 Mio. t. Im Vergleich zur Juni-Prognose (137,5 Mio. t) gibt es damit Seitens der Kommission keinen weiteren Zuwachs bei der Weizenernte. Gegenüber dem sehr guten Ergebis von 2013 (135,0 Mio. t) wäre die neue Ernte 2014 rund 2,5 Mio. t größer. Außerdem wäre dies nach den Jahren 2008 (139,4) und 2004 die bislang drittgrößte europäische Weichweizenernte überhaupt. Die diesjährige Erntefläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission in der aktuellen Prognose unverändert auf knapp 23,9 Mio. ha. Im Vergleich zum letzten Jahr (23,4 Mio. t) wäre dies ein Zuwachs von 0,4 Mio. ha. Dier derzeitige Ertragserwartung für die EU 28 liegt bei 5,8 t/ha und damit ebenso so hoch wie im sehr guten Vorjahr.
 
Andere Analysten erwarten deutlich größere Ernte
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die europäische Weichweizenernte Mitte Juni auf 139,4 Mio. t geschätzt und damit rund 2,0 Mio. t größer wie die Kommission und Töpfer International ging zuletzt von 139,1 Mio. t aus und lag damit wie Strategie Grains nahe am bisherigen Rekord von 2008. Die höchste Schätzung gab Ende Juni der Verband der europäischen Getreidehändler COCERAL mit 141,9 Mio. t Weichweizen ab und lag damit noch über dem bisherigen Rekord von 2008 (139,4 Mio. t). Die Gesamtproduktion von Weizen (einschließlich 7,3 Mio. t Hartweizen) schätzt die Kommission auf 144,8 Mio. t und bliebt damit unter der Prognose des USDA mit 146,3 und des IGC mit 146,8 Mio. t.
 
Weizenexporte gehen zurück, USDA ist optimistischer
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr 2014/15 (wie die anderen Analysten auch) einen Rückgang. Allerdings wäre dies nach dem Ausfuhrrekord im noch dem laufend Wirtschaftsjahr 2013/14 noch immer die zweitgrößte jemals erreichte Ausfuhrmenge. Mit geschätzten 22 Mio. t (Weichweizen) bleibt die erwartete Exportmenge rund 7,0 Mio. t bzw. 24 % unter der von der Kommission für die noch laufende Saison unterstellen Rekordausfuhren (29,0 Mio. t). Die Exportmenge für das zu Ende gehende Wirtschaftsjahr 2013/14 von 29,0 Mio. t, hat die Kommission im Vergleich zur letzten Prognose von Juni nochmals um 1,0 Mio. t nach oben korrigiert. Das USDA erwartet in seinem Junireport allerdings bei weitem nicht so einen deutlichen Rückgang der Ausfuhren wie die Kommission und auch der IGC ist für die neue Saison deutlich optimistischer.
 
Endbestände wachsen sehr kräftig
Bei den für das nächste Wirtschaftsjahr 2014/15 erwarteten Endbeständen nahm die Kommission Anfang Juni ein weiteres Mal kräftige Korrekturen vor. Auf 13,2 Mio. t sollen die Weizenbestände wegen der großen Ernte und der schwächeren Exporte anwachsen. Das sind nochmals 1,0 Mio. t mehr als noch im Juni (12,3 Mio. t) erwartet wurden und sogar knapp 5 Mio. t  bzw. 60 % mehr als im aktuellen Wirtschaftsjahr (8,3 Mio. t). Von diesen sehr großen Beständen dürfte erheblicher Druck auf die Weizenpreise in der EU ausgehen. Ein weiterer Grund für das Bestandswachstum ist nach der sehr großen Ernte und den schwächeren Exporten, die höheren Importe in die EU, die mit 3,1 Mio. t rund 1,4 Mio. t größer ausfallen sollen als im aktuellen Wirtschaftsjahr (1,7 Mio. t).
 
Verbrauch von Futterweizen nimmt kräftig zu
Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll nach der Juli-Prognose der Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15  auf 49,6 Mio. t von zuvor 43,8 Mio. t im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr zunehmen. Da wäre ein gewaltiger Zuwachs von 5,8 Mio. t oder 13 %. Vor acht Wochen (im Mai) hatte die Kommission sogar einen Futtereinsatz von 50,1 Mio. t erwartet. Der Einsatz von Weizen  zur Herstellung von Bioethanol wächst nach Meinung der Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 ebenfalls leicht um 0,1 Mio. t auf 4,5 Mio. t. Unverändert bei 48,00 Mio. t erwartet die Kommission den Verbrauch von Nahrungsweizen.
 
Weizenpreise stehen unter Druck
In Europa sind die Weizenpreise im Juni von gut 193 Euro um etwa 5 % bzw. knapp 10 Euro gefallen. Anfang Juli rutschten die Preise am europäischen Terminmarkt bis auf 184 Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit der Ernte 2013. Dabei ging zuletzt nicht nur von der großen europäischen Ernte sondern zum Monatswechsel ging erneut von den rückläufigen Weizenpreisen in den USA kräftiger Druck auf die Preise in Europa aus. In den USA waren Anfang Juli bereits 50 % des Winterweizens geerntet und am Schwarzen Meer hat die Ernte ebenfalls begonnen..Am Mittwoch (02.07) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF gerade noch 184 Euro/t. Am Kassamarkt haben die Weizenpreise ebenfalls nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg notierte man den Brotweizen der neuen Ente am Dienstag (02. Juli) mit 189 Euro/t und damit 6 Euro preiswerte als vor vier Wochen (195 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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