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Analyse

Weizenmarkt kommt nicht nach oben

von , am
27.04.2015

Relativ hohe Ernteschätzungen, Anbauausweitungen in wichtigen Exportländern und nicht zuletzt Regenfälle in den USA, in Europa und in Russland drücken auf die Weizenpreise.

© krick/agrar-press
 
Relativ hohe Ernteschätzungen, Anbauausweitungen in wichtigen Exportländern und nicht zuletzt Regenfälle in den USA, in Europa und in Russland drücken auf die Weizenpreise. Zudem blieb der Internationale Getreiderat mit seiner Ernteschätzung deutlich über der Marke von 700 Mio. t. Dabei übersteigt der erwartete globale Weizen-Verbrauch die Produktion, was die Preise mittelfristig eigentlich stützen müsste. Allerdings schätzt der IGC nach Meinung anderer Analysten die Weizenernte in den Schwarzmeerländern als zu klein ein. Sollt es hier noch zu Korrekturen nach oben kommen, könnten auch die Weizenpreise noch einmal unter Druck geraten, denn vor allem aus Russland wäre dann mit mehr Weizenexporten zu rechnen als jetzt geschätzt wurde. Gleichzeitig würde sich damit für die Europäer der Wettbewerbsdruck erhöhen.
 
Analysten erwarten hohe europäische Exporte
Ende April schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die kommende globale Weizenernte etwas kleiner ein als bei der vorigen Prognose im März, bleibt jedoch weiterhin deutlich über Marke von 700 Mio. t. Ursache für die Korrektur der globalen Erntemenge sind die etwas nach unten korrigierten Ernteerwartungen für die nächste Weizenernte in Indien und China sowie in Argentinien. Für die Europäer ging es mit der Ernte-Schätzung hingegen nach oben, jedoch bleibt der IGC noch unter den Prognosen der EU-Kommission oder von Strategie Grains. Den europäischen Export erwartet der IGC fast auf dem rekordhohen Niveau des aktuellen Wirtschaftsjahres. Die Weizenpreise (Exportpreise) haben nach den Daten des IGC in den letzten vier Wochen um 7 % nachgegeben und in sind zudem knapp 25 % niedriger als vor einem Jahr.
 
Ernteschätzungen des Internationen Getreiderates (IGC) für Weizen:
 
Weizenpreise zum Wochenbeginn schwächer
Am Montag Vormittag geben die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt weiter nach. Die Kurse liegen 1,0 Euro im Minus bei 182,0 Euro/t. Die neue Ernte (September) wird am Montag Vormittag ebenfalls mit 182,0 Euro gehandelt und damit 0,75 Euro niedriger als am Vortag (182,75). Am Freitag hatten die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt deutlich nachgegebenen. Der Maikontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 183,0 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (185,0 Euro) hatten die Preise um 1,1 % oder 2,0 Euro nachgegeben.
Gegenüber der Vorwoche (182,75 Euro) haben sich die Weizenpreise an der MATIF jedoch kaum verändert. Die neue Ernte (September) notiert am Freitag bei 182,75 Euro und damit sogar 2,75 Euro niedriger als am Vortag (185,50 Euro) und damit 1,25 Euro weniger als vor einer Woche (184,0 Euro). Gleichzeitig waren die Preise für die neue Weizenernte (September) 0,25 Euro niedriger als die Preise für den aktuellen Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (205,50 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 22,25 Euro niedriger.
 
Weizenpreise am Kassamarkt zuletzt behauptet
Am deutschen Kassamarkt hatten sich die Weizenpreise in der vorigen Woche behauptet. Zum Wochenbeginn dürften die Kassapreise jedoch den schwächeren Terminmarktkursen nach unten folgen. Am vorigen Freitag (24.04) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 185 Euro/t und damit auf einem ähnlichen Niveau wie am Freitag zuvor (185 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am letzten Freitag 195 Euro/t geboten und damit etwa die gleichen Preise wie vor einer Woche (195 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 230 Euro und damit ebenfalls fast unverändert zur Woche (230 Euro) zuvor. Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg am Freitag mit durchschnittlich 183 Euro gehandelt und damit sogar etwas höher als 8 Tage zuvor (181 Euro). Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am heutigen Montag mit  170 Euro/t gehandelt und damit 1 Euro niedriger als vor einer Woche mit 171 Euro .
 
US-Exportpreise nur wenig verändert
An den US-Exporthäfen wurde der Chicago-Weizen am vorigen Freitag (24.04) für 218 USD/t (Vw: 220 USD/t) verladen und damit 2 USD niedriger als eine Woche zuvor. Für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter lagen die Preisforderungen an den US-Exporthäfen am Freitag bei 234 USD/t (Vw: 237 USD) und damit 3 USD niedriger als eine Woche zuvor. Die Exportpreise (fob) für die neue US-Ernte (August) lagen an den Exporthäfen beim Chicago-Weizen (SRW) bei 214 USD/t (Vw: 214 USD) und beim Hard Red Winter bei 242 USD/t (Vw: 244) und damit unverändert bis 2 USD niedriger als eine Woche zuvor. Gleichzeitig waren die Exportpreise für den neuerntigen Weizen der Sorte SRW rund 4 USD/t niedriger als die aktuellen Exportpreise, während die neue Ernte beim proteinreichen HRW rund 8 USD/t mehr kostet wie die aktuelle Verladung.
 
Europäische Weizenexporte bleiben hoch
Die wöchentlichen Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer waren in der aktuellen Abrechnungswoche erneut relativ hoch und stützen damit die Weizenpreise. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 21. April Exportverkäufe von 679. 000 t und damit einen Rückgang der Drittlandsverkäufe von 8 % gegenüber der Vorwoche (741.000 t). Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 bis jetzt 27,1 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkauft und damit 2,4 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 24,7 Mio. t. Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt derzeit bei 7,35 Mio. t, Frankreich verkaufte bislang 8,26 Mio. t, Rumänien 2,22 Mio. t Polen rund 1,80 Mio. t und Litauen 1,6 Mio. t Weizen in Drittländer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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