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Analyse

Weizenmarkt noch in der Korrekturphase?

von , am
11.05.2015

Am deutschen und europäischen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der vorigen Woche sehr kräftig gefallen.

© krick/agrar-press
 
Am deutschen und europäischen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der vorigen Woche sehr kräftig gefallen. Dabei muss der Weizenmarkt derzeit zahlreiche neue Daten und Prognosen verdauen. Am Dienstag dieser Woche (12.05) wird nun auch das USDA zum ersten Mal in diesem Jahr seine Einschätzung zur globalen Weizenernte 2015 sowie entsprechende Eckdaten und Bilanzen für das neue Wirtschaftsjahr veröffentlichen. Sollen diese Einschätzungen neue Erkenntnisse zur Marktlage bei Weizen bringen oder aber die derzeitigen Markterwartungen (der Analysten) nicht treffen, könnte es noch einmal zu kräftigen Preiskorrekturen in die eine oder andere Richtung kommen.
 
Russland kappt Exportzölle
Bereits in der letzten Woche hat es eine ganze Reihe von marktbeeinflussenden Informationen gegeben. Mit den stärkten Einfluss auf die Weizenpreise hatte dabei wohl die Entscheidung Russlands zum Wegfall der Exportzölle ab dem 15. Mai , in Verbringung mit sehr guten Ernteprognosen und (noch) relativ hohen Lagerbeständen. Ab dem ersten Juli sollen die russischen Exportzölle nur noch 1 Euro/t betragen, wenn die Exportpreise (fob) an den Schwarzmeerhäfen nicht über 12.000 Rubel (237,25 USD/t bzw. knapp 212 Euro) steigen. Im jetzt zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr melden die Russen bis zum 6ten Mai Weizenexporte von 20,0 Mio. t. In China schätzen die Behörden die neue Weizenernte in der letzten Woche auf 127 Mio. t und damit etwas größer als die bisherige Rekordernteaus dem Vorjahr (126 Mio. t) . Aus Indien meldet man wegen der starken Regenfälle (Monsun) hingegen einen kräftigen Einbruch der Produktion von  95,9 Mio. t im Vorjahr (Rekord) auf nur noch 87 Mio. t.
 
FAO bestätigt große globale Weizenernte
Die FAO erwartete Ende der letzten Woche in ihrer Prognose (ähnlich wie der Internationale Getreiderat (IGC) und Informa Economics) eine neue Weizenernte deutlich über der Marke von 700 Mio. t bei etwa 719 Mio. t. Im Vergleich zur bisherigen Rekordernte aus dem letzten Jahr (726 Mio. t) wäre die neue Ernte damit nur 7 Mio. t kleiner. Außerdem wäre die neue Weizenernte 2015/16 nach der Rekordernte 2014 (726 Mio. t soweit der Ernte 2013 (717 Mio. t) die zweitgrößte globale Weizenernte. Wegen der deutlich niedrigeren Preise dürfte jedoch auch der globale Verbrauch im neuen Wirtschaftsjahr weiter zunehmen und wird nach Einschätzung der meisten Analysten die Produktion übersteigen. Die Endbestände könnten in der Folge etwas abnehmen. Insgesamt wäre die globale Marktversorgung beim Weizen im neuen Wirtschaftsjahr damit jedoch sehr gut.
 
Weizenpreise letzte Woche unter Druck
Am Montag Vormittag bewegen sich die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt zunächst nach oben. Der Septemberkontrakt (neue Ernte) beginnt den Handel mit einem Aufschlag von 1,50 Euro bei 174,75 Euro/t. Der Dezember-Weizen wird am Montag Vormittag mit 176,0 Euro gehandelt und damit 1,25 Euro höher als am Vortag. Am Ende der ersten Maiwoche hatten die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt leicht zugelegt. Die neue Ernte (September) notiert am Freitag bei 173,25 Euro/t und damit 0,75 Euro höher als am Vortag (173,25 Euro). Gegenüber der Vorwoche (176,25 Euro) haben die Weizenpreise an der MATIF damit  jedoch 3,0 Euro bzw. 1,7 % verloren. Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 174,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (173,75 Euro) hatten die Preise um 0,6 % oder 1,0 Euro zugelegt. Gegenüber der Vorwoche (177,75 Euro) haben die Weizenpreise für den Dezembertermin damit um 3 Euro bzw. 1,7 % verloren. Im Vergleich zum Vorjahr (196,75 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 23,50 Euro niedriger.
 
Weizenpreise am Kassamarkt kräftig gefallen
Am deutschen Kassamarkt hatten die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche kräftig nachgegeben. Am vorigen Freitag (08.05.) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg nur noch mit 173 Euro/t und damit nochmals 7 Euro niedriger als eine Woche zuvor (180 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am Freitag durchschnittlich 183 Euro/t geboten und damit ebenfalls 7 Euro niedrigere Preise wie vor einer Woche (190 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 218 Euro und damit ebenfalls 7 Euro unter der Vorwochennotierung (225 Euro). Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg mit 176 Euro notiert und damit 2 Euro billiger (178 Euro). Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am heutigen Montag 160 Euro/t gehandelt und damit nochmals 5 Euro niedriger als vor einer Woche mit 165 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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