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Analyse

Weizenpreise 20 Euro gestiegen, US-Preise brechen wieder ein

von , am
02.07.2015

Die Weizenpreise für die neue Ernte sind am europäischen Terminmarkt innerhalb weniger Tage um 25 Euro oder 14 % gestiegen.

© landpixel
 
Die Weizenpreise für die neue Ernte sind am europäischen Terminmarkt innerhalb weniger Tage um 25 Euro oder 14 % gestiegen. Allein in dieser Woche betrug der Preisanstieg 21 Euro und die 200-Euro-Marke wurde am Dienstag deutlich nach oben durchbrochen. Am Mittwoch Nachmittag gerieten die Weizenpreise in Chicago allerdings wieder deutlich unter Druck und könnten auch den europäischen Weizen wieder mit nach unten ziehen.
 
Wetter und Technik sorgten für Rallye
Die Ursachen für den vorausgegangen rasanten und wohl in dieser Höhe nicht erwarteten Preisanstieg lagen vor allem in den USA. Zwar wurden die Ernteprognosen auch in Europa (und vor allem in Deutschland) wegen der Trockenheit nach unten korrigiert, jedoch heizte vor allem des Wetter in den USA den Weizenpreisen heftig ein. Auch zahlreiche technische Faktoren, wie die Auflösung von Short-Positionen (fallende Preise) durch die großen Fonds feuerten die Preisrallye weiter an.
 
Nicht alle Daten sind bullisch
Dabei sind nicht alle Daten aus den USA bullisch, wie die beiden letzten USDA-Reports zeigen vom Dienstag (30.06) und die am Mittwoch Nachmittag zu beobachtende Korrektur der Weizenpreise ein Chicago zeigen. Im Anbaureport des USDA waren die Winterweizenflächen in den USA (witterungsbedingt) zwar etwas kleiner als erwartet, dafür war jedoch die Anbaufläche von Sommerweizen und Durum deutlich größer.
 
Sehr große Weizen-Bestände
Auch die für Ende Juni vom USDA ermittelten Weizenbestände überstiegen den Vorjahreswert sehr deutlich um 27 % oder 4,5 Mio. t. Ob die Weizenpreise also das erreichte Niveau behaupten können und die wirklichen Marktverhältnisse widerspiegelen, werden erst die nächsten Tage zeigen. In Europa werden allerings die Auswirkungen der aktuellen Hitzewelle auf Erträge und Erntemengen in Deutschland und Frankreich wohl noch beträchtlichen Einfluss auf die Markt-Entwicklung nehmen.
 
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USA: Weizenpreise brechen am Mittwoch ein
Am Mittwoch Nachmittag gerieten die Weizenpreise am Terminmarkt in den USA  wieder empfindlich unter Druck und mussten den größten Teil ihrer Gewinne vom Vortag wie abgegeben. Am Nachmittag (17:45 MEZ ) lagen die Weizenpreise (Julikontrakt) in Chicago sehr deutlich 5,5 % im Minus bei 581,2 Cent je Buschel (191,5 Euro/t). Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter gaben die Preise am Mittwoch Nachmittag um 2,9 % auf 576 Cent je Buschel (193,5 Euro) nach.
 
Am Dienstag (30.06) hatten die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago (nach den beiden USDA-Report) einen weiteren gewaltigen Sprung nach oben gemacht. Der Julikontrakt für den Chicago-Weizen (SRW) legte um 5,9 % auf 614,6 Ct je Buschel (202,5 Euro/t) zu und durchbrach damit erstmals in diesem Jahr die 600-Cent-Marke nach oben. Die neue Ernte (September) notierte 5,5 % höher bei 615,6 Cent je Buschel (202,8 Euro/t).
 
Damit war der Chicago-Weizen Anfng Juli allerings ähnlich teuer wie der europäische Weizen an der MATIF (und im Export kaum noch konkurrenzfähig) und zudem teurer als der proteinreiche Weizen aus Kansas. Für den in Kansas gehandelten Weizen der Sorte Hard Red Winter stiegen die Preise am Dienstag immerhin um 3,8 % auf 593,2 Cent je Buschel (195,4 Euro). Die neue Ernte (September) notierte 4,9 % höher bei 610,2 Cent je Buschel (201 Euro/t).  
 
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EU-Weizenpreise erstmals in diesem Jahr über 200 Euro
In Europa haben die Weizenpreise am Mittwoch zunächst eine Teil des stärkeren Anstiegs in Übersee nachgeholt, zumal auch der Euro zuletzt weiter nachgab. Zeitweise stiegen die Preise für den vorderen Septembertermin am Mittwoch bis auf 206,75 Euro an. Am Nachmittag gegen 17:00 lagen die Preise für den September 202,25 Euro und für den Dezember bei 203,50 Euro und damit rund 1,0 Euro höher als am Vortag
 
Am Dienstag (30.06) waren die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt im Sog der steigenden US-Preise ebenfalls kräftig gestiegen und hatten dabei erstmals in diesem Jahr die Marke von 200 Euro durchbrochen. Der Septembertermin (neue Ernte) notiert am Dienstag bei 201,25 Euro/t und damit 2,75 Euro bzw. 1,4 % höher als am Vortag (198,50 Euro).
 
Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Dienstag mit 202,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (199,75 Euro) hatten die Preise damit um 1,5 % oder 3,0 Euro zugelegt. Die Weizenpreise vom Vorjahr (188,25 Euro) werden am europäischen Terminmarkt derzeit um 13,0 Euro übertroffen.
  
Preise am Kassamarkt um etwa 20 Euro gestiegen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise ebenfalls sehr kräftig gestiegen, auch wenn angesichts der sehr hohen Volatilität derzeit kaum Handel stattfindet. Offenbar müssen auch die Kassapreise erst einen neuen Boden finden, bevor mehr Ware auf den Markt fließt bzw. es zu neuen Abschlüssen kommt. Die nominellen Preise waren am Exporthafen Hamburg allein vom vorigen Freitag (26.06) bis Mittwoch (01.07) um etwa 20 Euro gestiegen.
 
Am Mittwoch (01.07) notierte man den Brotweizen der neuen Ernte mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg bei etwa 210 Euro/t. Das waren 20 Euro mehr als am vorigen Freitag (190 Euro). Vor einem Jahr (Juli 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg etwa bei 193 Euro und waren damit rund 17 Euro niedriger als in diesem Jahr.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Mittwoch (01.07) keine neuen Preise genannt. Zuletzt war das Niveau aber etwa 5 bis 7 Euro höher als für den Brotweizen und würde damit etwa bei 215 Euro liegen. Vor einem Jahr (Juli 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg mit 195 Euro und damit zu 10 Euro niedrigeren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen am Mittwoch ebenfalls keine Angebotspreise vor. Zuletzt war das Niveau aber etwa 20 Euro höher als für den Brotweizen und würde damit etwa bei 230 Euro liegen. Vor einem Jahr (Juli 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 205 Euro und waren 25 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
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Weizenpreise in Frankreich gut 20 Euro gestiegen
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Mittwoch Vormittag (01.07) für 196 Euro geboten. Das waren 7 Euro höhere Preise als am Zum Wochenbeginn (189) und 22 Euro höhere Preise als vor einer Woche (174 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke
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