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Analyse

Weizenpreise erholen sich langsam

von , am
10.08.2015

Die Weizenpreise haben sich in Deutschland und Europa Anfang August von ihrem Absturz in der zweiten Julihälfte etwas erholt.

© landpixel
 
Die Weizenpreise haben sich in Deutschland Anfang August von ihrem Absturz in der zweiten Julihälfte etwas erholt. Ein Grund für die etwas festeren Preise dürfte die überraschend starke Exportnachfrage nach europäischem Weizen zum Beginn des Wirtschaftsjahres sein. In den ersten 5 Wochen des neuen Wirtschaftsjahres wurde die rekordhohe Ausfuhrmenge der Europäer (Lizenzen) aus dem Vorjahr jedenfalls um 50 % (!!) übertroffen. Diese Entwicklung dürfte die Weizenpreise ebenso stützen wie die nach unten korrigierten Ernteerwartungen für Deutschland und andere europäische Länder. Dabei dürfte auch der etwas schwächere Euro den Export gestützt haben.
 
Allerdings besitzen die beiden Schwarzmeerländer Russland und die Ukraine wohl nach wie vor die Preisführerschaft am globalen Weizenmarkt, wie auch die letzte Exportauktion Ägyptens vom 05. August unterstrichen hat. Dort kaufte Ägypten 120.000 t russischen Weizen zu fob-Preisen von nur noch knapp 188 USD/t (171 Euro/t) und beschränkte den Feuchtegehalt zudem auf 13 %. Das war der mit Abstand niedrigste Auktionspreis in diesem Jahr. Am 22. Juli kaufte Ägypten 175.000 t russischen Weizen zu etwa 7 bis 9 USD höheren Preisen.
 
In Russland war die Weizenernte Anfang August allerdings erst zu 41 % abgeschlossen, während der Erntefortschritt in der Ukraine bei 92 % lag. Zuletzt wurden Ernte und Exportprognosen in beiden Ländern nach oben korrigiert.
 
Neue Daten und Prognosen über die für die Europäische Union und die Schwarzmeerländer erwarteten Ernte- und Exportmengen beim Weizen wird der neue USDA-Report am kommenden Mittwoch Abend (10.08) bringen.
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Weizenpreise wieder über 180 Euro
Am heutigen Montag folgen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt den festeren Vorgaben aus den USA und legen weiter zu. Zum Handelsbeginn liegt der vordere Septembertermin 0,50 Euro im Plus bei 180,50 Euro und überwindet damit die 180-Euro-Marke. Am vorigen Freitag (07.08) hatten die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt leicht nachgegeben. Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel bei 179,75 Euro/t und damit 0,50 Euro bzw. 0,3 % niedriger als am Vortag (180,25 Euro). Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 186,75 Euro/t aus dem Handel.
 
 Im Vergleich zur letzten Preisspitze beim Weizen von Anfang Juli (205 Euro) sind die derzeitigen Preise rund 25 Euro oder 12 % niedriger. Seit Anfang August (178 Euro) sind die Weizenpreise wieder um gut 2 Euro gestiegen. Das Preisniveau vom Vorjahr (185,5 Euro) wird am europäischen Terminmarkt derzeit jedoch um 6,0 Euro bzw. 3,1 % verfehlt.
 
Brotweizenpreise gestiegen, A-Weizen unverändert
Am deutschen Kassamarkt haben die Preise für Brotweizen im Verlauf der vorigen Woche zugelegt, während die Preise für A-Weizen stabil blieben und für E-Weizen sogar zurückgingen.
 
Am vorigen Freitag (07.08) handelte man den Brotweizen der neuen Ernte mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 188 Euro/t. Das waren 4 Euro mehr als zum Wochenbeginn (184 Euro), jedoch 22 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (210 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg ebenfalls bei etwa 188 Euro und waren damit ähnlich hoch wie in diesem Jahr.
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Prämien für Qualitätsweizen schrumpfen
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am vorigen Freitag (07.08) durchschnittlich 194 Euro/t geboten und damit ähnlich hohe Preise wie zum Wochenbeginn (194) und 26 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (220 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg mit 193 Euro und damit zu ähnlich hohen Preisen wie in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am vorigen Freitag nur noch bei 213 Euro und damit deutlich niedriger als eine Woche zuvor (220 Euro) und sogar 37 Euro niedriger als zur letzten Preisspitze (250 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei rund 203 Euro und waren damit 10 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
Für Futterweizen lagen die Angebotspreise in Hamburg am vorigen Freitag bei 178 Euro und waren damit 4 Euro höher als zum Beginn der Woche (174 Euro). Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für Futterweizen in Hamburg bei rund 174 Euro und waren damit 4 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
Dr. Olaf Zinke
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