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Analyse

Weizenpreise in Europa auf 11Monatshoch

von , am
10.03.2014

Eine außergewöhnliche Preisrallye hatte in der letzten Woche die Preise für Weizen auf unerwartete Hochstände getrieben.

© krick/agrar-press
 
Eine außergewöhnliche Preisrallye hatte in der letzten Woche die Preise für Weizen auf unerwartete Hochststände getrieben. Grund war vor allem die befürchteten Eskalation der politischen Krise zwischen der Ukraine und Russland und die möglichen Auswirkungen auf den Getreideexport und sowie die möglichen Folgen für die nächste Ernte. Für die USA und die EU könnte die Entwicklung zu einer noch stärkeren Nachfrage und zu mehr Exporten und damit auch zu höheren Weizenpreisen führen. Am Ende der Woche stützten zudem Daten des USDA über eine weitere Verschlechterung des Zustandes des US-Winterweizen den Weizenmarkt. Am Montag Vormittag lagen die Preise im vorbörslichen elektronischen Handel in Chicago allerdings erst einmal im Minus. Heute Abend wird der neue USDA-Bericht neue Informationen und Daten liefern. Angesichts der jüngsten Rallye sind größere Preisausschläge nicht unwahrscheinlich.
 
US-Winterweizen in miserablem Zustand
Im Rahmen des derzeit monatlich durchgeführten Crop-Monitorings, hat das USDA den Zustand des Winterweizens in den südlichen Plains Ende letzter Woche noch einmal deutlich schlechter eingestuft. Hinzu kommt das ungewöhnlich kalte Wetter der letzten Wochen und die damit verbundende Befürchtung über größere Auswinterungsschäden. Im wichtigsten US-Weizenstaat Kansas befanden sich zuletzt nur noch 34 % der Weizens in gutem und sehr gutem Zustand. Das ist deutlich weniger als im langjährigen Mittel (41 %). Anfang Dezember befanden sich in Kansas sogar noch 63 % des Weizen in den beiden besten Kategorien. In Nebraska befanden sich  jetzt 43 % des Weizens in gutem und sehr gutem Zustand, Anfang Dezember waren es 71 %. In Oklahoma reduzierte das USDA die Einschätzung um 5 Prozentpunkte auf 31 % in gutem und sehr gutem Zustand nach unten und in Texas befanden sich sogar nur noch 5 % (!!!) des Winterweizens in den beiden besten Kategorien. Anfang Dezember hatten das USDA in Oklahoma noch 77 % des Weizens in den beiden besten Kategorien eigenstuft und in Texas waren es immerhin 32 %.
 
US-Weizenexporte laufen wieder besser
Gestützt wurden die US-Weizenpreise auch durch die wieder besser laufenden US-Exporte. In der letzten Abrechnungswoche bewegten sich die Weizen-Exporte der USA am oberen Ende der Analysten-Erwartungen von 250.000 t bis 750.000 t. Vom USDA wurden in Export-Verkäufe von 556.500 t Weizen gemeldet. Damit war die verkaufte Menge deutlich größer als in der Woche zuvor (365.000 t) und auch größer als vor zwei Wochen (424.500 t) und vor drei Wochen (746.000 t). Hauptabnehmer waren diesmal Mexiko (213.0000 t), die Brasilien (93.100 t), China (60.000 t), Taiwan (53.400 t), Chile und Vietnam. Insgesamt wurden in diesem Wirtschaftsjahr 28,64 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft und damit 5,3 Mio. t bzw. 23 % mehr wie im letzten Jahr zu diesem Zeitpunkt (23,33 Mio. t). Wegen der zuletzt jedoch etwas nach unten gereucten wöchentlichen Exportmengen erwarteten Analysten, dass das USDA im heutigen USDA-Report die US-Endbestände beim Weizen nach oben korrigiert.
 
Deutschland überholt Frankreich im Export
Die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) haben sich in der letzten Abrechnungswoche bis zum 04. März deutlich auf 563.000 t abgeschwächt, nachdem die Verkaufsmenge in der Woche zuvor mit 932.000 t auf den höchsten Stand dieses Jahres gestiegen waren. Deutschland verkaufte in der aktuellen Abrechnungswoche 362.000 t Weizen und Frankreich 126.000 t. Damit haben die Deutschen die Franzosen diese Woche auch insgesamt als größten Weizenexporteuer der EU überholt. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommen die Franzosen auf Drittlandsexporte von 6,33 Mio. t und die Deutschen auf 6,52 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer bisher einen Umfang von 20,76 Mio. t. Das sind 7,08 Mio. t oder 52 % mehr als im schon guten letzten Jahr (13,68 Mio. t).
 
Weizenpreise in Chicago 16 Prozent höher als im Januar
Am Freitag (07.03) kletterten die Weizenpreise in den USA vor dem Hintergrund der Krimkrise und der damit verbundenen größeren Exporterwartungen sowie wegen der katastrophalen Ergebnisse des Crop-Monitorings auf ein Drei-Monatshoch. Dabei beendete der Märzkontrakt am Terminmarkt in Chicago (SRW) den Handel mit einem Aufschlag von 1,2 % bei umgerechnet 171,10 Euro/t (646,2 Ct/Bu) und der Maikontrakt kletterte auf 173,15 Euro/t (654,0 Ct/bu). Die Preise für den in Kansas gehandelten US-Brotweizen (Hard Red Winter) legten am Freitag (07.03) um 1,1 % zu. Für den Märzkontrakt kletterten die Kurse auf umgerechnet 189,4 Euro/t (715,2 Ct/bu) und der Maitermin ging mit 191 Euro (721,2 Ct/bu) aus dem Handel
 
Europäischer Weizen verteuert sich deutlich
In der Europäischen Union haben die Weizenpreise am Freitag kräftig um 3,5 % auf den höchsten Stand seit 11 Monaten (Mai 2012) zugelegt. Im Wochenverlauf waren die Kurse wegen der möglichen Folgen der Krimkrise für den europäischen Export bereits kräftig gestiegen. Am Freitag (07.03) kostete der Weizen für den März an der MATIF knapp 215 Euro/t und damit 7,00 Euro mehr als am Vortag. Der Maikontrakt legte am Freitag um 3,75 Euro auf 210 Euro/t zu und erreichte damit die 210-Euro-Marke. Am europäischen Kassamarkt haben die Weizenpreise Ende der Woche ebenfalls kräftig zugelegt. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (07. März) mit 212 Euro/t und damit 4 Euro teurer als am Vortag. Futterweizen zur Lieferung im März kostete in Hamburg 204 Euro/t (+3) und A-Weizen wurde mit 214 Euro/t (+4) notiert. Gleichzeitig lagen die Exportpreise für Brotweizen an den deutschen Ostseehäfen (fob) zwischen 217 und 222 Euro/t (Vw.: 209 und 214 Euro/t). Die Exportpreise für deutschen A-Weizen (fob Ostseehafen) bewegten sich zwischen 219 und 224 Euro (Vw.: 211 und 216 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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