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Analyse

Weizenpreise in Europa steigen wieder

von , am
06.10.2014

Die Weizenpreise haben sich in der letzten Woche deutlich ihren jüngsten Tiefs erholt. Sowohl in Europa als auch in den USA und am Schwarzen Meer sind die Weizenpreise gestiegen.

© landpixel
 
Die Weizenpreise haben sich in der letzten Woche deutlich von ihren jüngsten Tiefs erholt. Sowohl in Europa als auch in den USA und am Schwarzen Meer sind die Weizenpreise gestiegen. Am europäischen Terminmarkt kletterten die Kurse am letzten Freitag wieder bis auf 158,50 Euro nach oben und lagen damit deutlich über dem letzten Tiefpunkt von knapp 150 Euro. Bei der aktuellen Exportauktion des größten Weizenimporteurs Ägypten war russischer Weizen sogar rund 15 USD/t (fob) teurer als der Weizen aus Frankreich und immerhin noch 5 Euro teurer als der Weizen aus Deutschland. Grund für die vergleichsweise hohen Preise am Schwarzen Meer war die zuletzt kräftig anziehende Nachfrage am russischen Binnenmarkt. Dennoch befanden sich die russischen Weizenexporte bis Ende September auf Rekordniveau.
 
Schwacher Euro kurbelt europäische Exporte an
Analysten und Händler berichten indessen, dass der proteinreiche US-Weizen (Hard Red Winter) mit mehr als 12,5 % Eiweiß an den Exporthäfen dennoch deutlich teurer ist als der ebenfalls nicht besonders reichliche Qualitätsweizen aus Russland und aus Europa (Deutschland). Die US-Weizen-Assoziation hatte letzte Woche für die Hard-Red-Winter Ernte eine durchschnittlichen Eiweißgehalt von 13,3 % gemeldet nach 13,4 % im letzten Jahr. Ein Wettbewerbsvorteil für europäische und russische Exporteure ist die stetige Aufwertung des US-Dollars gegenüber Euro und Rubel. Damit verteuert sich der US-Weizen am Weltmarkt und gleichzeitig wird die Nachfrage nach europäischen Weizen angekurbelt. Der Euro hat seit Juli gegenüber dem Dollar rund 9 % oder etwa 12 Ct an Wert verloren. Hinzu kommen die anhaltend hohen Prämien für proteinreichen Qualitätsweizen am Weltmarkt, die insbesondere die Nachfrage nach deutschem Weizen ankurbeln. Am höchste sind die Prämien bisher jedoch für den sowohl in Europa als auch in Nordamerika sehr knappen Hartweizen (Durum).
 
Europäische Exportverkäufe nahe am Rekord
Bisher haben die Europäer in diesem Wirtschaftsjahr fast genau so viel Weizen ins Ausland verkauft wie im letzten Jahr. In der letzten Abrechnungswoche bis 30. September hatten sich die von der EU-Kommission gemeldeten Verkäufe der Europäer allerding etwas abgeschwächt. Mit 417.000 t war die Exportmenge (Lizenzen) kleiner als in der Vorwoche mit 613.000 t. In den ersten vierzehn Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres 2014/15 wurden nach den Daten der EU-Kommission jedoch schon 6,84 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) ins Ausland verkauft. Das ist eine nur 1 % kleinere Exportmenge als im Rekordjahr 2013/14. Damals wurden bis zu diesem 6,91 Mio. t Weizen exportiert. Größter Einzelexporteur in den ersten vierzehn Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres ist Frankreich mit einer Ausfuhrmenge von insgesamt 1,9 Mio. t. Die zweitgrößte Liefermenge kommt bislang mit 1,76 Mio. t Weizen aus Deutschland und auf Rang drei liegt Rumänien mit 1,1 Mio. t.
 
US-Export kommt etwas besser in Schwung
Der Export der Amerikaner ist bislang deutlich schlechter gelaufen als im letzten Jahr. Hauptgrund sind die vergleichsweise hohen Preise für den proteinreichen Hartweizen der Sorte Hard Red Winter, der aktuell an den Exporthäfen am Golf mit 284 USD/t (226 Euro) rund 37 USD/t mehr kostet als der Soft Red Winter mit 247 USD/t (197 Euro). Allerdings haben die Nettoverkäufe der Amerikaner in der letzten Woche kräftig zugelegt. Das USDA meldete Nettoverkäufe von 741.000 t, nach 467.000 t in der Vorwoche und 385.000 t vor zwei Wochen. Insgesamt ist die bislang ins Ausland verkaufte Weizenmenge mit 13,57 Mio. t rund 27 % kleiner als im letzten Jahr zu diesem Termin mit 18,53 Mio. t. Die Exportverkäufe von proteinreichem Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (12,5 % bis 13 % Protein) ist mit 4,36 Mio. t derzeit 36 % kleiner als im letzten Wirtschaftsjahr zu diesem Termin (6,78 Mio. t).
 
Europäische Weizenpreise knapp unter 160 Euro
In der Europäischen Union haben sich die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche vor allem für die vorderen Termine deutlich erholt. Am Freitag (03.10) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris wieder 158,50 Euro/t und damit 6,5 Euro mehr als am Freitag (29.09) vor einer Woche (152,0 Euro) und 5,0 Euro mehr als am Freitag vor zwei Wochen (153,50 Euro). Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (03. Oktober. 2013) kostet der Weizen am europäischen Terminmarkt allerdings 33,8 Euro weniger (192,25 Euro). Der Januarkontrakt notiert am Freitag bei 158,0 Euro und damit 3,5 Euro höher als in der Vorwoche (Vw.: 154,50), während der März mit 154,75 Euro aus dem Handel ging und damit sogar billiger (Vw.: 156,25). Futterweizen wurde am Freitag (03.10) am Terminmarkt in London für den November mit 141,3 Euro/t (111,0 GPB) gehandelt und damit rund 3,5 Euro teurer als letzte Woche (107,65 GPB) und für den Januar mit 143,9 Euro (113 GPB).
 
Preise am Kassamarkt ziehen nach
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Woche ebenfalls gestiegen und haben die Entwicklung am Terminmarkt nachvollzogen. Am Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für Oktobertermin am Donnerstag (02.10) mit 165 Euro/t und damit etwa 4 Euro teurer als am Freitag zuvor (161 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen mit 12 % Protein zur Anlieferung im Dezember lagen am Exporthafen in Hamburg am Donnerstag (02.10) bei 168 Euro/t (Vw: 163 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den Oktober 171 Euro/t (Vw: 166) geboten. Futterweizen wurde mit 155 Euro gehandelt (Vw. 154 Euro). Am Oberrhein lagen die Preisangebote für Brotweizen mit 11,5 % Protein am Ende vorigen Woche noch bei 155 Euro (Vw: 155 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am Freitag am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 160 Euro/t und damit 2 Euro mehr als in der Vorwoche (158 Euro/t).
 
US-Weizen verteuert sich weiter
In den USA haben die Weizenpreise in der letzten Woche am Terminmarkt in Chicago drei Handelstage hintereinander zugelegt. Der Dezembertermin des Chicago-Weizen (SRW) beendete den Handel am Freitag (03.10) bei 142,41 Euro/t 485,6 Ct/bu) und damit in US-Währung (ct/bu) 2,5 Prozent teurer als in der Vorwoche (474 Ct) und in Euro 5,0 Euro teurer (137,4 Euro). Der Märzkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 145,55 Euro/t (497 Ct/bu ) und damit 3,55 Euro mehr als eine Woche zuvor (142 Euro). Gleichzeitig kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) rund 32 % bzw. umgerechnet etwa 68 Euro weniger als Anfang Oktober 2013 (210 Euro/t). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (Dezemberkontrakt) gingen am Freitag (03.10) am Terminmarkt mit 166,6 Euro/t (568 Ct/bu) aus dem Handel (+ 2,5 Euro z. Vw.). Demgegenüber kostete der Sommerweizen (HRS) am US-Terminmarkt 159,4 Euro/t (543,4 Ct/bu) und damit 3,9 Euro mehr als letzte Woche. Am heutigen Montag (06.10) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago deutlich im Plus und dürften auch die Weizenpreise in Europa mit nach oben ziehen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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