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Analyse

Weizenpreise für neue Ernte auf aktuellem Niveau

von , am
08.06.2015

Derzeit unterscheiden sich die im deutschen Großhandel gebotenen aktuellen Preise (Juni) kaum von den Preisvorstellungen für die neue Ernte.

© krick/agrar-press
 
Die Weizenpreise sind in der ersten Juniwoche auf beiden Seiten des Atlantiks kräftig gestiegen. Zumindest am deutschen und europäischen Kassamarkt folgten die Weizenpreise den Kursbewegungen am Terminmarkt jedoch nur sehr eingeschränkt. Gleichzeitig reagieren die Kurse an den Terminmärkten derzeit sehr heftig auf die aktuellen Wettermeldungen und Crop-Monitoring-Berichte aus den USA, aus Kanada, aus Europa und Russland. Dabei geht es in erster Linie um die möglichen Veränderungen bei den Ernte- und Exportmengen in der neuen Saison. Für die USA wird heute Abend ein neuer Crop-Monitoring Bericht Aufschluss über den Zustand des Winterweizens in den südlichen Anbaugebieten (HRW) geben. Aus Europa meldete France Agrimer Ende der letzten Woche, dass sich „nur“ noch 89 % des französischen Winterweizens in guter oder sehr guter Verfassung befinden, nach 91 % in der Woche zuvor und gegenüber 75 % im letzten Jahr zu diesem Termin. Noch geht man einer neuen Rekordernte für Frankreich aus.
 
Neuer USDA-Report, Wechselkurse, Russland
Zum Monatswechsel hatte zudem die EU-Kommission noch einmal ihre sehr hohe Ernteprognose für die europäische Weichweizenernte von 141,5 Mio. t bestätigt. Das wäre die bislang zweitgrößte Ernte nach der Rekordernte aus dem Vorjahr. Auch die Erwartungen an die europäischen Weizenexporte im neuen Wirtschaftsjahr bleiben ziemlich hoch, werden sich jedoch sehr stark in Abhängigkeit vom Wechselkurs Euro/Dollar sowie der Ernte und den Exportpreisen in Russland entwickeln. Die Aussaat von Sommerweizen war in Russland Anfang Juni zu 96,8 % auf 12,8 Mio. ha (Vj: 12,8 Mio. ha) beendet. Die russische Gesamtweizenfläche (Sommer und Winter) liegt nach derzeitigen Schätzungen bei 25,0 Mio. ha, im Vergleich zu 23,6 Mio. ha im vorigen Jahr. Großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Weizenpreise wird jedoch erst einmal der neue USDA-Report vom Mittwoch Abend haben, mit aktuellen Länderdaten zu den erwarteten Weizenernten der wichtigsten Exporteure und Importeure.
 
Terminmarkpreise um 5 % gestiegen
Am vorigen Freitag (05.06) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt (mit Unterstützung des schwächeren Euros) gestiegen. Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel bei 184,50 Euro/t und damit 1,00 Euro höher als am Vortag (183,50 Euro). Gegenüber der Vorwoche (176,0 Euro) sind die Weizenpreise an der MATIF sogar um 8,50 Euro bzw. 4,8 % gestiegen. Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 185,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (180,25 Euro) hatten die Preise am Freitag um 0,7 % oder 1,25 Euro zugelegt. Gegenüber der Vorwoche (177,75 Euro) sind die Weizenpreise für den Dezembertermin um 8,0 Euro bzw. 4,5 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr (191,0 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 6,50 Euro niedriger. Am heutigen Montag beginnt der europäische Weizen den Handel mit Unterstützung aus Übersee zunächst 0,50 Euro im Plus bei 185 Euro.
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Weizenpreise am Kassamarkt mit Nachholbedarf
Am deutschen Kassamarkt waren die Weizenpreise den steigenden Terminmarktkursen in der letzten Woche zunächst nur langsam gefolgt bzw. hatten sich nur wenig verändert. Am heutigen Montag könnten die Kurse deshalb durchaus noch etwas (2 bis 3 Euro) zulegen. Gleichzeitig unterscheiden sich die im deutschen Großhandel gebotenen aktuellen Preise (Juni) kaum von den Preisvorstellungen für die neue Ernte. Am vorigen Freitag (05.06.) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 184 Euro/t. Das war (trotz der gestiegenen Terminmarkpreise) ein ähnlicher Preis wie zum Wochenbeginn und sogar 2 bis 3 Euro weniger als in der Woche zuvor. Mitte Mai waren die Brotweizenpreise am Exporthafen Hamburg allerdings bis auf 173 Euro abgesackt und damit lagen damit rund 11 Euro unter dem derzeitigen Niveau. Die Preisangebote für die neue Ernte (September) lagen zuletzt auf einem ähnlichen Niveau wie die aktuellen Preise. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg bei 193 Euro und waren damit 9 Euro höher als in diesem Jahr.
 
Prämien für neuen E-Weizen schrumpfen
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am vorigen Freitag (05.06) durchschnittlich 194 Euro/t geboten und damit ähnliche Preise wie zum Beginn dr Woche und etwa 3 Euro niedrige Preise wie in der Woche zuvor. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für A-Weizen in Hamburg bei 195 Euro und waren damit ähnlich hoch wie in diesem Jahr. Die Preisangebote für die neue Ernte (September) liegen bei A-Weizen ebenfalls auf ähnlichem Niveau wie die aktuellen Preise.
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise am vorigen Freitag im Schnitt bei 224 Euro und damit ebenfalls etwa so hoch wie zum Beginn der Woche und 2 bis 3 Euro niedriger als in der vorigen Woche. Die Preisangebote für die neue Ernte (September) lagen hingegen bei etwa 210 bis 212 Euro (und damit anders als bei Brot- und A-Weizen) um 10 bis 12 Euro unter den aktuell (Juni) an den Exporthäfen noch gebotenen Preisen (Juni). Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg jedoch nur bei 205 Euro und waren damit rund 20 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
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Preise in Frankreich steigen zum Wochenbeginn
Futterweizen wurde am Exporthafen Hamburg am Exporthafen am Freitag mit 179 Euro gehandelte und damit rund 1 Euro höher wie zum Wochenbeginn, jedoch 1 bis 2 Euro niedriger als in der vorigen Woche. Die Preisangebote für Futterweizen der neuen Ernte lagen in Hamburg auf einem ähnlichen Niveau wie die aktuellen Preise.
Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag 177 Euro geboten. Das waren 2 Euro niedrigere Preise als vor einer Woche (179 Euro). Am heutigen Montag meldet man aus Frankreich Preise von 179 Euro und damit 2 Euro höhere Preis am Freitag und ein ähnliches Niveau wie vor zwei Wochen.
 
US-Exportpreise kräftig gestiegen
An den US-Exporthäfen wurde der Chicago-Weizen am vorigen Freitag (05.06) für 216 USD/t (Vw: 205 USD/t) verladen und damit 11 USD teurer als eine Woche zuvor. Für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter lagen die Preisforderungen an den US-Exporthäfen bei 244 USD/t (Vw: 233 USD) und damit 11 USD höher als eine Woche zuvor. Die Exportpreise (fob) für die neue US-Ernte (August) lagen an den Exporthäfen beim Chicago Weizen (SRW) bei 216 USD/t (Vw: 205 USD) und beim proteinreichen Hard Red Winter bei 248 USD/t (Vw: 236) und damit 11 bzw. 12 USD höher als eine Woche zuvor. Gleichzeitig waren die Exportpreise für den neuerntigen Chicago-Weizen ähnlich hoch wie die aktuellen Exportpreise, während die neue Ernte beim proteinreichen HRW 12 USD mehr kostete wie die aktuelle Verladung.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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