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Analyse

Weizenpreise gehen durch die Decke

von , am
26.06.2015

Die Weizenpreise machen kurz vor dem Monatswechsel einen kräftigen Sprung nach oben.

© landpixel
 
Die Weizenpreise machen kurz vor dem Monatswechsel einen kräftigen Sprung nach oben. Am US-Terminmarkt in Chicago liegen die Weizenpreise am Freitag Nachmittag (14:30 Uhr MEZ) um mehr als 5 % im Plus . Gleichzeitig machen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt in Paris einen Satz von 4,2 % nach oben und überwinden erstmals seit März wieder die Marke von 190 Euro und steigen bis auf knapp 194 Euro. Auch am deutschen und europäischen Kassamarkt sind Weizenpreise innerhalb nur einer Woche um rund 10 Euro nach oben geschossen und dürften angesichts der steil steigenden Terminmarkpreise wohl auch am kommenden Montag noch etwas zulegen.
 
US-Wetter heizt den Weizenpreisen ein
Ein Auslöser für die Preisrally sind die jüngsten witterungsbedingten Abwärtskorrekturen der europäischen Weizenernte und auch der globalen Weizenproduktion. Zu den Problemen in Europa kommen die anhaltenden extremen Niederschläge in den Weizenanbaugebieten der USA, die zum einen das Erntetempo deutlich verlangsamen und zum anderen die für den Export entscheidende Weizen-Qualität erheblich mindern.
 
Immer kleinere europäische Ernte
In Europa hat es in dieser Woche mehre Korrekturen der Ertrags- und er Produktionserwartungen beim Weizen nach unten gegeben. Betroffen von den Korrekturen war insbesondere Deutschland, aber auch Frankreich, das Vereinigte Königreich und Polen.
Unter anderem korrigierte der deutsch-amerikanische Getreidehändler ADM/Töpfer die europäische Weichweizenernte diese Woche von 140,9 Mio. t auf 140,3 Mio. t (Vj. 148,5 Mio. t) nach unten und setzte gleichzeitig die Erntemenge für Deutschland von 26,4 Mio. auf 25,7 Mio. t herab (Vj. 27,7 Mio. t).
 Für Frankreich erwarten die Analysten von ADM noch 37,8 Mio. t und damit deutlich weniger als vor einiger Zeit Strategie Grains mit 38,1 Mio. t oder sogar als die EU-Kommission vor vier Wochen mit 39,0 Mio. t geschätzt hatten.
 
Deutsche Weizenernte schrumpft deutlich
Der Verband der europäischen Getreidehändler COCERAL schätzte die europäische Weichweizen-Ernte am heutigen Freitag ebenfalls auf 140,6 Mio. t und erwartet für Deutschland sogar nur noch 24,9 Mio. t und damit noch einmal deutlich weniger als ADM. Die Analysten von Strategie Grains hatten Mitte Juni für Deutschland noch eine Ernte von 26,3 Mio. t erwartet und die EU-Kommission ging vor vier Wochen sogar noch von 26,5 Mio. t aus.
 
Angesichts diese Entwicklung ist zum Monatswechsel auch mit einer deutlichen Korrektur der europäischen und deutschen Weizenernte durch die EU-Kommission zu rechnen. Die jüngsten Ertrags-Korrekturen der europäischen Crop-Monitoring Agentur MARS deuteten diese Entwicklung ebenfalls an.
 
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Europäische Weizenpreise steigen über 190 Euro
Am heutigen Freitag folgen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt den steil steigenden US-Preisen nach oben und liegen am Nachmittag (14:30 Uhr MEZ) 4,2 %. Der Septembertermin (neue Ernte) notierte zu diesem Zeitpunkt bei 193,25 Euro/t und damit 7,25 Euro (!!) höher als am Vortag (185,50 Euro). Gegenüber Freitag der Vorwoche (178,50 Euro) sind die Weizenpreise an der MATIF sogar um 14,25 Euro bzw. 8,3 % gestiegen.
 
Im Vergleich zum Vorjahr (189,50 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit sogar 3,75 Euro höher. Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen notierte am Freitag Nachmittag (14:30 Uhr) bei 194,75 Euro/t. Im Vergleich zum Vortag (187,75,0 Euro) sind die Preise damit 3,7 % oder 7,0 Euro gestiegen. Gegenüber der Vorwoche (180,25 Euro) beträgt der Anstieg der Weizenpreise für den Dezembertermin um 14,50 Euro.
 
Brotweizen- Preise steigen um 10 Euro
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise ebenfalls kräftig gestiegen. Acuh am heutigen Freitag haben die Kurse mit Unterstützung steigenden Terminmarktpreise zugelegt. Am heutigen Freitag (26.06.) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 190 Euro/t. Das waren 10 Euro weniger als eine Woche zuvor (180 Euro).
 
Die Preisangebote für die neue Ernte (September) lagen am Freitag bei etwa 194 Euro und damit 4 Euro über den aktuellen Preisen und 11 Euro höher als vor einer Woche. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg bei etwa 193 Euro und waren damit rund 3 Euro höher als in diesem Jahr. Angesichts der am am Freitag am Terminmarkt weiter steigenden Preise dürften wohl auch die Kassapreise am Montag noch etwas zulegen.
 
Preise für Qualitätsweizen kräftig gestiegen
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am heutigen Freitag (26.06) durchschnittlich 200 Euro/t geboten und damit ebenfalls 10 Euro höhere Preise wie in der Woche zuvor (190 Euro). Die Preisvorstellungen für die neue Ernte lagen beim A-Weizen zuletzt allerdings 3 bis 4 Euro niedriger als die aktuellen Preise. Vor einem Jahr (Juni 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg mit 195 Euro und damit zu 5 Euro niedrigeren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise am heutigen Freitag im Schnitt bei 230 Euro und damit ebenfalls 10 Euro höher als in der vorigen Woche (220). Die Preisvorstellungen für die neue Ernte (September) lagen bei E-Weizen zuletzt etwa 15 unter den aktuell (Juni) an den Exporthäfen gebotenen Preisen für alterntige Ware. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei 205 Euro und waren 25 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
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USA: Wetter treibt die Weizenpreise nach oben
Am Freitag Nachmittag (26.06, 15:30 Uhr) haben die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago einen Riesensprung nach oben gemacht. Der vordere Julikontrakt für den Chicago-Weizen (SRW) stieg um 5,0 % auf 558,6 Cent je Buschel (183,1 Euro/t). Die neue Ernte (September) notierte 4,9 % höher bei 564,1 Cent je Buschel (185 Euro/t).
 
Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter stiegen die Preise am Freitag Nachmittag um 4,3 % auf 558,4 Cent je Buschel (183 Euro). Die neue Ernte (September) notierte ebenfalls 4,3 % höher bei 566,6 Cent je Buschel (185,7 Euro/t)
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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