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Analyse

Weizenpreise machen großen Sprung nach oben

von , am
28.09.2015

Die steigenden Weizenpreise am Terminmarkt ziehen auch am Kassamarkt die Preise mit nach oben.

© landpixel
 
Die steigenden Weizenpreise am Terminmarkt ziehen auch am Kassamarkt die Preise mit nach oben. Bis zum Ende der vorigen Woche haben die Kassapreise in Deutschland jedenfalls deutlich zugelegt und auch zum Beginn der aktuellen Woche zeichnet sich ein weiterer Anstieg der Weizenpreise ab. Dabei hatte der Internationale Getreiderat am Ende der vorigen Woche sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben geschätzt. Die europäische Produktion liegt nach Einschätzung des IGC ebenfalls nur noch ganz knapp unter der Rekordmarke aus dem Vorjahr.
 
Globale Rekordernte, Trockenheit in Russland
Die Exporterwartung des IGC für die EU bleibt mit 31,3 Mio. t zwar deutlich über der Marke von 30 Mio. t, ist jedoch wegen der sehr großen Ernten in Russland und der Ukraine und der sehr niedrigen Preise am Schwarzen Meer, deutlich kleiner als im vorigen Jahr (36,3) und auch als vor zwei Jahren (32,8).
 
Nach oben getrieben wurden die Weizenpreise vor allem von den Meldungen über eine trockenheitsbedingte deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibende Weizenaussaat in Russland und der Ukraine und sehr schwierige Aufwuchsbedingungen für den bereits ausgesäten Winterweizen der Ernte 2015 am Schwarzen Meer sowie immer trockeneres Wetter in West-Australien.
 
Weizen-Exporte bisher 1 Mio. t unter Vorjahr
Die laufenden europäischen Weizenexporte (Lizenzen) in Drittländer lagen nach Meldungen der Kommission in der Woche 22. September bei 502.000 t und waren damit etwas schwächer als in der Vorwoche (525.000 t). Insgesamt haben die Europäer in diesem Wirtschaftsjahr bisher 4,72 Mio. t Weich-Weizen in Drittländer verkauft und damit 1,08 Mio. t bzw. 19 % weniger als im vorigen Jahr zu diesem Termin (5,8 Mio. t). Frankreich kommt bislang auf Weichweizen-Verkäufe in Drittländer von 1,8 Mio. t, Deutschland auf 1,03 Mio. t und Rumänien auf 0,49 Mio. t, Litauen auf 0,39 Mio. t, Lettland auf 0,25 Mio. t und Polen auf 0,16 Mio. t.
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Noch größere Weizenernte in Europa
Diese Woche haben die Analysten des internationalen Getreidehändlers ADM (Töpfer) die europäische Weizenernte (Weichweizen und Hartweizen) um 1,6 Mio. t auf den auf 156,1 Mio. t (dar. Weichweizen: 147,9 Mio. t) oben geschätzt und liegt damit für die Gesamternte jetzt über dem Rekordwert aus dem letzten Jahr (155,7). Die Schätzung für die Weichweizenernte liegt mit 147,9 Mio. t nur noch leicht unter der Rekordmarke aus dem letzten Jahr 148,3 Mio. t. Die Analysten von Strategie Grains hatten die Gesamternte vorige Woche auf 155,2 Mio. t geschätzt (dar. Weichweizen: 147,5 Mio. t) und damit ähnlich hoch. Heute wird die EU-Kommission wohl eine ähnlich hohe Ernteschätzung abgeben. (Die europäische Hartweizenweizenernte 2015 schätzt ADM auf 8,2 Mio. t nach 7,45 Mio. t im Jahr 2014).
 
Terminmarktpreise steigen weiter
Der vordere Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 176,50 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (172,75 Euro) haben die Dezemberpreise damit um 2,2 % bzw. 3,75 Euro zugelegt. Der Märzkontrakt für den MATIF-Weizen wurde am Freitag mit 184,0 Euro/t gehandelt. Gegenüber dem Vortag (181,0 Euro) haben die Märzpreise damit um 3,00 Euro zugelegt.
 
Das Preisniveau der Vorwoche (167,25 Euro) wurde vom Dezemberweizen um 9,25 Euro übertroffen. Das sehr niedrige Kursniveau vom vorigen Jahr (151,50 Euro) übertrafen die Weizenpreise für den Dezembertermin um 25,0 Euro bzw. 16,5 %.
 
Am heutigen Montag Mittag (12:00) wird der vordere Weizenkontrakt am europäischen Terminmarkt zu weiter steigenden Preisen gehandelt. Der Dezember-Weizen liegt 2,0 Euro im Plus und notiert bei 178,50 Euro. Der März-Weizen steigt um 2,50 Euro und liegt bei 186,50 Euro.
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Europäische Kassapreise 8 bis 10 Euro gestiegen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der vorigen Woche im Sog der Terminmarktpreise kräftig gestiegen und dürften am heutigen Montag weiter steigen. Am vorigen Freitag (25.09) notierte man den Brotweizen mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg mit 175 Euro/t. Das waren 8,0 Euro höhere Preise als in der Vorwoche (167 Euro). Vor einem Jahr (September 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg zu diesem Termin nur bei 161 Euro (Jahrestief) und waren damit 14 Euro niedriger.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Freitag (25.09) 181 Euro/t geboten und damit 8 Euro mehr als am Ende der vorigen Woche (173 Euro). Vor einem Jahr (September 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg zu diesem Termin etwa mit 166 Euro (Jahrestief) und damit zu 15 Euro niedrigeren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Freitag (25.09) bei 190 Euro und damit ebenfalls rund 8 Euro höher als am Ende der Vorwoche (182 Euro). Vor einem Jahr (September 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 176 Euro und waren damit 14 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
Weizenpreise in Frankreich 10 Euro höher
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen der neuen Ernte (mit 11 % Protein), am wichtigsten Handelsplatz in Rouen, am heutigen Montag (25.09) mit 160 Euro je t gehandelt und damit 10 Euro höher als in der vorigen Woche (150 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke
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