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Analyse

Weizenpreise am Kassamarkt gestiegen, neue Ernte billiger

von , am
16.03.2015

Die Weizenpreise sind in der vorigen Wochen am Terminmarkt sowohl Europa als auch in Übersee gestiegen.

© landpixel
Die Weizenpreise sind in der vorigen Wochen am Terminmarkt sowohl Europa als auch in Übersee gestiegen. Dabei stiegen die Preise im Wochenverlauf in Europa um rund 3 %  und überwanden sogar wieder die Marke von 190 Euro. Ein wesentlicher Grund für die festen Preise der Europäer sind die phänomenal guten Weizenexporte, die auch die Nachfrage an Binnenmarkt im immer wieder ankurbeln. Zusätzliche Unterstützung kommt dabei von der anhaltenden Talfahrt des Euros, der den europäischen Weizen am Weltmarkt in Dollar immer billiger macht und den Europäern damit erhebliche Wettbewerbsvorteile bringt.
 
Zudem schwächen sich die Weizenausfuhren Russlands nach der Einführung der Exportzölle (aber auch aus saisonalen Gründen) deutlich ab, während gleichzeitig die russische Ausfuhr von Gerste kräftig zunimmt. Die guten Ernteprogosen für europäische Weizenernte 2015 (insbesondere für Deutschland und Frankreich) begrenzen jedoch das Preispotential nach oben und könnten durchaus noch einer Korrektur der derzeitigen Preisvorstellungen für die neue Ernte nach führen. Bestätigt wird dies durch die die aktuellen Preisvorstellungen für Weizen vom Schwarzen Meer. Dort kostet der Weizen nach Händlerangaben mit 12,5 % Protein an den russischen Schwarzmeerhäfen (fob) aktuell 220 USD/t, während die Ernte 2015 für 205 USD/t angeboten wird. Am deutschen und französischen Kassamarkt sind die Weizenpreise letzte Woche gestiegen.
 
Sehr gute europäische Weizenernte erwartet
In der vorigen Woche hat die EU-Kommission erstmals auch eine Prognose zur erwarteten europäischen Weizenernte 2015 abgegeben. Auf der Grundlage der vorliegenden Anbaudaten und Ertragsprognosen rechnet die Kommission für 2015 mit 142,6 Mio. t und damit der bislang zweitgrößten Weichweizenernte in der EU nach 2014. Der bisherige Produktionsrekord aus dem Vorjahr (2014) wird zwar relativ deutlich verfehlt. Die bislang zweitgrößte Ernte aus dem Jahr 2008 würde jedoch mit diesem Ergebnis deutlich übertroffen. Die europäischen Analysten von Strategie Grains hatten die nächste europäische Weichweizenernte (140,4 Mio. t) etwas kleiner eingeschätzt als die Kommission. Die deutsche Weizenernte 2015 wird nach der ersten Prognose des DRV mit etwa 26,7 Mio. t rund 4 % bzw. 1,2 Mio. t kleiner ausfallen als das Rekordergebnis aus dem Jahr 2014 von 27,8 Mio. t. Dabei ist die deutsche Weizenfläche mit 3,31 Mio. ha rund 2,7 % ha größer als 2014. Mit seiner ersten Ernteprognose liegt der DRV deutlich über der letzten Produktionsschätzung von Strategie Grains. Diese hatte die deutsche Ernte Mitte März auf 25,9 Mio. t geschätzt und die französischen Ernte auf 37,4 Mio. t und damit ähnlich groß wie im letzten Jahr.
 
Kommissions-Prognose Europäische Weizenernte 2015:
https://agrarmanager.agrarheute.com/s/euk-weizenmarkt-maerz-2015
 
Weizenpreise starten etwas schwächer in die neue Woche
Die Weizenpreise haben sich am Freitag (13.03) am europäischen Terminmarkt kaum verändert. Im Wochenverlauf hatten die Preise jedoch 3 % bzw. 5,50 Euro zugelegt. Der Maikontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 190,25 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (190,00 Euro) sind die Preise damit 0,13 % oder 0,25 Euro gestiegen. Die neue Ernte (September) kostete 188,50 Euro und damit 0,50 Euro weniger als am Vortag (189,0 Euro). Damit sind die Preise für die neue Weizenernte (September) 1,75 Euro niedriger als die Preise für den aktuellen Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (199,25 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 9,0 Euro niedriger. Am Montag Vormittag folgt der Weizen (Mai) am europäischen Terminmarkt zunächst den etwas schwächeren Vorgaben aus Chicago nach unten und liegt 0,75 Euro im Minus bei 189,50 Euro. Am Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise für den Maikontrakt am vorigen Freitag (13.03) (nach einer Woche mit steigenden Preisen) wieder um 1,0 % auf 502,0 Ct je Buschel (176,0 Euro/t) zurückgegangen. Trotzdem waren die US-Weizenpreise im Wochenvergleich  noch rund 4 % höher. Für den in Kansas gehandelten Weizen Hard Red Winter gaben die Preise am Freitag um 1,3 % auf 539,2 US/t (189,2 Euro) nach. Am Montag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise in Chicago im elektronischen Handel 0,5 % im Minus bei 499,4 Ct je Buschel (175 Euro)
 
Weizenpreise am Kassamarkt gestiegen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise im Verlauf der zweiten Märzwoche gestiegen. Allerdings waren die Kurse zum Beginn der letzten Woche (Montag) zunächst kräftig abgesackt, hatten sich dann aber im Wochenverlauf um rund 5 Euro nach oben gearbeitet. Am vergangenen Freitag (13.03) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg mit 193 Euro/t und damit 3 Euro höher als am Freitag zuvor (190 Euro) und sogar 5 Euro höher als am letzten Montag (188 Euro). A-Weizen mit 13 % Protein kostete in Hamburg am Freitag 208 Euro/t und damit ebenfalls 3 Euro mehr als eine Woche (205 Euro) zuvor. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 238 Euro und damit ebenfalls 3 Euro höher als vor einer Woche (235 Euro). Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg mit 182 Euro gehandelt und zu unveränderten Preisen (182 Euro). Beim größten europäischen Exporteur Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Montag (16. März) 178 Euro und damit 4 Euro mehr als am Montag vor einer Woche (174 Euro/t).
 
Europäische Weizenexporte machen Sprung
Die Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer haben in der letzten Abrechnungswoche einen kräftigen Sprung gemacht. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 10. März Exportverkäufe von 1.594.000 t und damit einen Anstieg gegenüber der Vorwoche (505.000 t) auf das Dreifache oder um gut 1,0 Mio. t. Deutsche Exporteure verkauften in der letzten Woche 498.000 t Weizen (Vw: 144.000 t) und aus Frankreich gingen 313.000 t (Vw: 127.000) in Drittländer, aus Polen 110.000 t (Vw: 134.000 t) und aus Rumänien 72.000 t ( Vw: 20.000 t). Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt jetzt bei 5,87 Mio. t und Frankreich kommt auf 6,85 Mio. t. Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 schon 22,9 Mio. t Weizen in Drittländer verkauft und damit 1,6 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 21,33 Mio. t .
 
US-Weizen-Exporte fast stabil
Die Exportverkäufe der USA waren in der letzten Woche gerinfügig schwächer. Das USDA meldet für die aktuelle Abrechnungswoche Exportverkäufe (Netto abzüglich Stornierungen) von 445.200 t Weizen. Das sind 5 % weniger als in der Vorwoche (469.600 t). Insgesamt haben die USA damit bis zum aktuellen Termin rund 22,2 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 erwartet das USDA US-Weizenexporte von 24,49 Mio. t und damit noch Ausfuhren von 2,3 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die US-Ausfuhrmenge zum aktuellen Termin bei 29,1 Mio. t und war damit 31 % oder 6,9 Mio. t größer. Die Exportpreise für US-Weizen (SRW) lagen am letzten Freitag (16.03)  fob-Golf bei rund 225 USD/t und für den proteinreichen Weizen Hard-Red-Winter bei 250 USD/t.
 
Neue Ernte am Schwarzen Meer deutlich billiger
Russland hat bis zum 11. März rund 19,17 Mio. t Weizen exportiert. Im Februar war die Ausfuhrmenge bei Weizen auf rund 350.000 t gefallen von 2,0 Mio. t im Januar. Gleichzeitig war der Export bei Gerste im Februar auf 370.000 t gestiegen. Russischer Weizen mit 12,5 % Protein kostet nach Händlerangaben an den russischen Schwarzmeerhäfen (fob) aktuell 220 USD/t, während die neue Ernte 2015 für 205 USD/t angeboten wird. Die Ukraine hatte bis zum 13. März etwa 9,47 Mio. t Weizen exportiert. Die aktuellen ukrainischen Exportpreise fob -Schwarzmeerhafen lagen für ukrainischen Weizen mit 12,5 % bei 223 USD/t und für die neue Ernte bei 205 USD/t. Ukrainischer Weizen mit 11,5 % wird aktuell für 215 USD/ angeboten.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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