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Analyse

Weizenpreise am Kassamarkt kräftig gefallen

von , am
17.08.2015

Die Weizenpreise standen in Deutschland und Frankreich zuletzt unter Druck

© landpixel
 
Die Weizenpreise standen in Deutschland und Frankreich zuletzt unter Druck. Eine Ursache für die nachgebenden Weizenpreise waren die nach oben korrigierten Ernteergebnisse für Frankreich und für Deutschland. Dabei wird die französische Ernte sogar einen neuen Rekordwert erreichen. Das französische Landwirtschaftsamt FranceAgrimer meldete Ende letzter Woche eine Weichweizenernte von 40,4 Mio. t und damit erstmals eine Produktion von mehr als 40 Mio. t Weichweizen. Das französische Landwirtschaftsministerium Agreste hatte die Weichweizenernte Ende der letzten Woche bereits auf den neuen Rekordwert von 39,2 Mio. t nach oben gesetzt, bleibt damit jedoch mehr als 1,0 Mio. unter der aktuellen Schätzung von FranceAgrimer.
 
Deutsche Ernte nach oben korrigiert
Für Deutschland hatte der DRV seine Ernteprognose in der vorigen Woche auf 25,7 Mio. t von zuvor 25,4 Mio. t nach oben gesetzt. Damit wäre die Ernte zwar 7,5 % kleiner als die Rekordernte aus dem Vorjahr (27,8 Mio. t). Dennoch wäre die vom DRV erwartete Erntemenge nach der Ernte aus dem Jahr 2008 (25,95 Mio. t), die bislang drittgrößte deutsche Weizenernte überhaupt. Auch aus anderen EU-Ländern (Vereinigte Königreich) wurden zuletzt überraschend gute Ernteergebnisse gemeldet, so dass die europäischen Weizenernte möglichweise größer ausgefallen ist als zunächst erwartet wurde und nach oben korrigiert werden muss. Dies dürfte jedoch auch erheblichen Einfluss auf die weitere Preisentwicklung haben.
 
Export entscheidet
Allerdings läuft der europäische Export bei Weizen und Gerste bislang gut und liegt über den sehr guten Vorjahresdaten. In den ersten sechs Wochen des neuen Wirtschaftsjahres 2015/16 wurden nach den Angaben der EU-Kommission etwa 2,52 Mio. t Weichweizen der neuen Ernte ins Ausland verkauft. Das ist eine 25 % größere Exportmenge als im Rekordjahr 2014/15 zu diesem Termin (1,99 Mio. t). Größter Einzelexporteur ist Frankreich, mit einer Verkaufsmenge von insgesamt 1,0 t Weizen. Die zweitgrößte Exportmenge kam mit 590.973 t Weizen aus Deutschland und 326.376 t wurden aus Rumänien verkauft.
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Russland drückt die Weltmarktpreise
Das Preisniveau am Weltmarkt bestimmen derzeit jedoch Russland und die Ukraine, wie die letzte Exportausschreibung Ägyptens vom Ende der vorigen Woche noch einmal unterstreicht. Dort hatten die Ägypter 175.000 t ukrainischen und russischen Weizen zu fob-Preisen von nur 180 USD (161,8 Euro/t) bis 185,6 USD (166,9 Euro/t) gekauft. Allerdings läuft auch der europäische Export bei Weizen und Gerste bislang gut und liegt über den sehr guten Vorjahresdaten. Bis zum 14. August meldete die die Ukraine Weizenexporte von 1,44 Mio. t und aus Russland wurden bis  zum 05. August ebenfalls 1,4 Mio. t Weizen exportiert.
 
Europäische Weizenpreise haben nachgegeben
Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise am Freitag (14.08) nochmals recht deutlich zurückgegangen. Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel bei 176,0 Euro/t und damit 1,50 Euro bzw. 0,9 % niedriger als am Vortag (177,50 Euro). Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging mit 181,25 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (183,50 Euro) sind die Dezemberpreise damit um 1,2 % bzw. 2,25 Euro gefallen. Im Wochenvergleich (179,75) sind die Weizenpreise (September) am Terminmarkt damit um 3,75 Euro bzw. 2,1 % Prozent niedriger.
 
Im Vergleich zur letzten Preisspitze beim Weizen von Anfang Juli (205 Euro) sind die Preise mittlerweile rund 29,0 Euro oder 14 % niedriger. Gleichzeitig sind die Preise am Freitag unter den letzten Tiefstand von voriger Woche (176,25 Euro) gefallen. Das Preisniveau vom Vorjahr (185,50 Euro) wird am europäischen Terminmarkt um 9,50 Euro verfehlt. Am Montag Vormittag beginnen die Weizenpreise (Septemberkontrakt) an der MATIF den Handel mit einem Plus von 1,0 Euro bei 177,0 Euro je t. Die nachfolgenden Termine notieren unverändert.
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Kassapreise haben kräftig nachgegeben
Am deutschen Kassamarkt haben die Preise im Verlauf der vorigen Woche deutlich nachgegeben. Am vorigen Freitag (14.08) handelte man den Brotweizen der neuen Ernte mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 183 Euro/t. Das waren 5 Euro weniger als am Freitag vor einer Woche (188 Euro) und 27 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (210 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg bei etwa 180 Euro und waren damit 3 Euro niedriger.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am vorigen Freitag (14.08) durchschnittlich 188 Euro/t geboten und damit 6 Euro niedrigere Preise als vor einer Woche (194) und 32 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (220 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg mit 185 Euro und damit zu 3 niedrigeren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Ende der vorigen Woche (14.08) bei 198 Euro und damit 15 Euro niedriger als eine Woche zuvor (213 Euro) und sogar 52 Euro niedriger als zur letzten Preisspitze (250 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 195 Euro und waren damit 3 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
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Für Futterweizen lagen die Angebotspreise in Hamburg am vorigen Freitag bei 173 Euro und waren damit 5 Euro niedriger als in der Woche zuvor (178 Euro). Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für Futterweizen in Hamburg bei rund 171 Euro und waren damit 2 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Montag dieser Woche (17.08) 167 Euro je t geboten und 4 Euro weniger als vor einer Woche (171 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke
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