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Analyse

Weizenpreise machen kräftigen Sprung

von , am
17.11.2014

In der letzten Woche sind die Weizenpreise am Terminmarkt in den USA um fast 9 % gestiegen. In Europa haben die Terminmarktpreise in der vergangenen Woche um knapp 5 Prozent zugelegt.

© landpixel
Offenbar haben sich die Einschätzungen am Weizenmarkt zur mittelfristigen Marktentwicklung und den globalen Versorgungsbilanzen geändert. In der letzten Woche sind die Weizenpreise am Terminmarkt in den USA um fast 9 Prozent gestiegen. In Europa haben die Terminmarktpreise in der vergangenen Woche um knapp 5 Prozent zugelegt und kletterten damit auf den höchsten Stand seit Ende August. Am deutschen Kassamarkt hatten die Weizenpreise diese Entwicklung am Ende der letzten Woche noch nicht nachvollzogen, Angesichts des kräftigen Preissprungs am Terminmarkt und der stetigen Exporte müsste dies jedoch noch geschehen.
 
Auswinterung in den USA und in Russland
Die Gründe für den überraschend kräftigen Preisanstieg sind vielfältig, laufen am Ende aber alle auf eine Verkleinerung des erwarteten globalen Angebotes für die zweite Hälfte des aktuellen Wirtschaftsjahres 2014/15 und für die neue Ernte im nächsten Jahr hinaus. Einer der wichtigsten Treiber der Preise war der frühe und sehr kräftige Kälteeinbruch in einigen wichtigen US-Anbaustaaten für den Winterweizen mit Temperaturen von bis zu Minus 18 Grad Celsius (ohne ausreichend Schnee) und den damit verbundenen Befürchtungen über Auswinterungsschäden. Bis zum 09. November waren etwa 93 % des US-Winterweizens gepflanzt. Auch aus Russland melden Analysten, das der Winterweizen dort kräftigen Frösten ausgesetzt ist und vor allem, dass die Pflanzen wegen des anhaltenden Niederschlagsmangels erheblich geschwächt sind und die Gefahr größerer Auswinterungsschäden und von beträchtlichen Produktionseinbußen besteht. Nach Einschätzung der europäischen Analysten von Strategie Grains würde damit auch das russische Exportpotential im nächsten Jahr kräftig um bis zu 5 Mio. t reduziert.
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Kleinere Ernte in Europa, Probleme in Australien
Für die Europäische Union hat Strategie Grains die Erwartungen an die europäische Weizenernte 2015 (Weich- und Hartweizen) letzte Woche auf 148,7 Mio. t veranschlagt, nach einer Ernte von 155,7 Mio. t in diesem Jahr. Das wäre ein Rückgang von 4,5 % oder 7,0 Mio. t der ausschließlich auf den niedrigeren (durchschnittlichen) Ertragsprognosen basiert. In Westaustralien verzögert sich die aktuelle Ernte wegen der dort jetzt einsetzten heftigen Regenfälle und die Befürchtungen nehmen zu, dass es auch dort zu Ertragseinbußen und außerdem zu Qualitätsproblemen ähnlich wie in Europa und Kanada kommt nehmen zu.
 
Weizenpreise am Terminmarkt um 5 Prozent gestiegen
Die Weizenpreise haben am europäischen Terminmarkt im Verlauf der letzten Woche um knapp 5 Prozent zugelegt und beendeten den Handel am zurückliegenden Freitag (14.11) bei 176,50 Euro/t. Am Freitag davor (07.11) hatte der Weizen am europäischen Terminmarkt lediglich 169 Euro gekostet und damit fast 7 Euro weniger. Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (14. November 2013) kostet der Weizen am europäischen Terminmarkt derzeit knapp 20 Euro bzw. 10 Prozent weniger (196 Euro). Auch für die hinteren Termine haben die Preise im Verlauf der letzten Woche kräftig zugelegt. Der Märzkontrakt notierte am letzten Freitag bei 179,50 Euro und damit knapp 8,0 Euro höher als in der Vorwoche (Vw.: 171,50) und der Maitermin ging mit 181,75 Euro aus dem Handel und sogar 9,0 Euro teurer (Vw.: 173,0).
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Weizenpreise am Kassamarkt mit Nachholbedarf
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise den Terminmarktpreis (noch) nicht gefolgt und haben letzte Woche kaum zugelegt. Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für November am letzten Freitag (14.11) mit 180 Euro/t ebenso so viel wie am Freitag zuvor (180 Euro). Die Preisangebote für Brotweizen zur Anlieferung im Januar lagen in Hamburg am Freitag bei 185 Euro/t (Vw: 184 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den November unverändert 188 Euro/t (Vw: 188) geboten und für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise weiterhin bei 210 Euro (Vw: 210 Euro). Gleichzeitig wurde der Futterweizen mit 165 Euro notiert (Vw. 165 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag 176 Euro/t und damit 7 Euro mehr als in der Vorwoche (169 Euro/t).
 
Preise für US-Weizen steigen um 9 Prozent
In den USA haben die Weizenpreise in der letzten Woche sehr kräftig zugelegt. Am letzten Freitag (14.11.) beendete der Dezembertermin des Chicago-Weizens (SRW) den Handel bei 164,8 Euro/t (560,4Ct/bu) und damit in US-Währung 9 % teurer wie in der Vorwoche (514,4 Ct). Der Märzkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 165,4 Euro/t (562,4 Ct/bu ) und damit 10,4 Euro mehr als eine Woche zuvor (155 Euro). Gleichzeitig kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) rund 17 % bzw. umgerechnet etwa 34 Euro weniger am 14. November 2013 (199 Euro/t). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (Dezemberkontrakt) ging am Freitag (14.11) mit 178 Euro/t (605,4 Ct/bu) aus dem Handel (Vw. 167,7 Euro). Am heutigen Montag (10.11) bewegen sich die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel am Montag Mittag in Chicago leicht im Minus.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
 
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